Museum

Museum Folkwang gewinnt durch freien Eintritt junge Besucher

Der freie Eintritt lockt vor allem auch das jüngere Publikum. Hier konnte der größte Anstieg verzeichnet werden. Nicht eingerechnet ist dabei die große Anzahl von Schulklassen, die das pädagogische Museumsprogramm nutzen. Foto: von Born

Der freie Eintritt lockt vor allem auch das jüngere Publikum. Hier konnte der größte Anstieg verzeichnet werden. Nicht eingerechnet ist dabei die große Anzahl von Schulklassen, die das pädagogische Museumsprogramm nutzen. Foto: von Born

Essen.   Der freie Eintritt sorgt für Besucherplus. Umfrage belegt: Kostenloses Ticket ist  für viele der entscheidende Faktor für einen Museumsbesuch.

Einst galt das Museum Folkwang mit seiner kostbaren Osthaus-Sammlung als wegweisendes Museum für moderne Kunst. Nun bescheren die inzwischen zu Meisterwerken gewordenen Gemälde von Monet bis Gauguin dem Haus wiederum eine Vorreiterrolle. Mit der Möglichkeit, die Ständige Sammlung für das Publikum nicht nur an ausgewählten Terminen, sondern tagtäglich kostenfrei zugänglich zu machen, hat das Museum eine bundesweit beispielhafte Position eingenommen.

Rund zweieinhalb Jahre nach Einführung des von der Krupp-Stiftung mit einer Million Euro geförderten Projekts bestätigt eine repräsentative Besucherumfrage nun erstmals mit umfangreichem Zahlenmaterial den nachhaltigen Erfolg der Aktion. So hat sich die Besucherzahl seit Einführung des freien Eintritts nicht nur drastisch erhöht. Es kommen vor allem viel mehr jüngere Gäste. Und: Mehr als jeder zweite Befragte fühlt sich durch den freien Eintritt sogar stärker mit dem Museum verbunden.

„Es bildet sich wieder ein größeres Stammpublikum“

81 451 Besucher kamen zwischen Juni 2016 und Juni 2017. Damit sahen die Sammlung auch im zweiten Jahr nach Einführung des freien Eintritts doppelt so viele Besucher wie in der Zeit davor. Für fast jeden zweiten Gast war der freie Eintritt dabei der entscheidende Faktor für den Museumsbesuch. 27 Prozent waren nach eigenen Angaben überhaupt zum ersten Mal im Folkwang.

Das Anliegen, möglichst breite und vor allem auch jüngere Publikumsschichten ins Museum zu holen und dafür zumindest den Eintritt als Hemmschwelle zu eliminieren, hat sich damit eingelöst. Vor allem bei den jüngeren Besuchern, so das Ergebnis der vom März bis April 2017 durchgeführten Besucheranalyse, ist der freie Eintritt der ausschlaggebende Grund, das Museum zu besuchen: 46 Prozent der 16- bis 34-Jährigen kommen ausschließlich deswegen ins Museum. In dieser Gruppe konnte auch der größte Anstieg um 87 Prozent verzeichnet werden. 48 Prozent der Befragten in dieser Altersklasse gaben sogar an, inzwischen häufiger ins Folkwang zu kommen.

„Es bildet sich wieder ein größeres Stammpublikum, und die traditionell schwieriger zu begeisternden Zielgruppen fühlen sich angesprochen. Wir sind auf einem guten Weg, Kunst tatsächlich als Normalität im Alltagsleben vieler Menschen zu verankern“, sagt der scheidende Museumsdirektor Tobia Bezzola. So wie es in den englischen Museen nicht ungewöhnlich ist, seine Mittagspause dank des kostenfreien Sammlungs-Eintritts mit Renoir und Monet zu verbringen, schauen inzwischen auch wieder mehr Essener kurz mal bei „ihrer“ Lise vorbei. Beim heimischen Publikum konnte immerhin ein deutliches Plus von 30 Prozent generiert werden, 48 Prozent der Gäste sind aber überregional.

„Das Experiment ‚freier Eintritt‘ verläuft offensichtlich positiv“, so Ursula Gather, Kuratoriumsvorsitzende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die den freien Eintritt für die Dauer von fünf Jahren ermöglicht. „Das Museum hat in den vergangenen zwei Jahren kreative Ideen entwickelt, um das Haus für alle Bürger attraktiver zu machen“, so Gather. Sie wünsche sich, dass das Museum die Arbeit konsequent weiterführe.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik