Vermüllung

Müll sammeln – ein Stadtteil räumt sich selbst auf

Musikalisch begleitete Leierkasten-Spieler Peter Jacob (68) aus Katernberg die Aktion „Ein Stadtteil putzt sich raus". Auf diese Weise eingestimmt, sammelten etwa 50 Altenessener gut gelaunt den Müll am Wegesrand ein.

Musikalisch begleitete Leierkasten-Spieler Peter Jacob (68) aus Katernberg die Aktion „Ein Stadtteil putzt sich raus". Auf diese Weise eingestimmt, sammelten etwa 50 Altenessener gut gelaunt den Müll am Wegesrand ein.

Foto: Socrates Tassos

Wie soll ein Stadtteil wie Altenessen gegen die Vermüllung vorgehen? Darüber diskutierte die Altenessen-Konferenz. Nun wurden 50 Bürger aktiv.

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Kippen, Kronkorken, Plastiktüten und Trinkbecher – in Windeseile füllten sich am Samstagnachmittag die Müllsäcke auf dem „1. Waste-Walk“ durch Altenessen. Etwa 50 Frauen und Männer jeden Alters und eine Schar Jugendlicher hatten sich in zwei Gruppen aufgemacht, um den Abfall von Wegen und Wiesen aufzusammeln. Nach gut zwei Stunden waren über 20 Säcke gefüllt und einige Altenessener Straßen deutlich sauberer.

Auf der letzten Altenessen-Konferenz war der Beschluss gefasst worden, den eigenen Stadtteil herauszuputzen. Mindestens einmal pro Monat wollen sich Altenessener nun auf den Weg machen und den achtlos weggeworfenen Müll aufzusammeln. Marcus Franken, der die Facebook-Seite „Gegen die Vermüllung des Stadtteils Altenessen“ betreibt, weiß, dass das funktionieren kann. „Schließlich ist Johannes Hüttemann am Niederfeldsee seit fünf Jahren draußen. Er hat bewiesen, dass das geht“, sagt er.

Entsorgungsbetrieb EBE hilft

Und so machte er sich vom Altenessener Zentrum aus mit Ehefrau Christine und Freunden, darunter auch Ex-Ratsmitglied Karl-Heinz Klaas (74) aus Überruhr und Schiedsfrau Claudia Marks aus Altenessen, auf den Rundgang durch das Viertel. Die EBE hatte sie mit Zangen und Handschuhen ausgestattet, die örtliche SPD steuerte praktische Tütenhalter bei.

Bundestagsabgeordneter Dirk Heidenblut aus Holsterhausen war mit Eifer dabei. „Die Vermüllung beschäftigt neben der Sicherheitsfrage die Menschen am meisten“, ist seine Erfahrung. Der Bundestag habe die Müllreduzierung durchaus im Blick: „Flaschen liegen heute kaum noch herum, und Plastiktüten sind auch aus dem Verkauf.“ Ein weiteres Thema sei das Mikroplastik im Trinkwasser, das die Gesundheit der Menschen gefährde.

Für Wilfried Heimann (63) ist das alles noch nicht genug: „Das ist doch der Witz, dass wir an den Kassen keine Plastiktüten mehr bekommen, aber alle Lebensmittel in Plastik eingeschweißt sind!“

Auch Mamoun aus Syrien greift zur Zange

Eine zweite, weitaus größere Gruppe hatte sich ebenfalls am frühen Nachmittag am evangelischen Paul-Humburg-Haus an der Hövelstraße getroffen. Mit dabei nicht nur Peter-Arndt Wülfing (IG Altenessen) und Stadtteilmoderatorin Tanja Rutkowski, sondern auch Thomas Sterner, der mit seiner Plakataktion gegen die Vermüllung heftige Kontroversen ausgelöst hat. Aber auch Mamoun Alhalel Alhousen krabbelte in die Büsche, um den Dreck herauszugklauben. „Ich bin seit zweieinhalb Jahren in Deutschland“, erzählte der 32-jährige Geflüchtete, der über den Treffpunkt Süd an der Erbslöhstraße auf die Aktion aufmerksam geworden war.

Jungengruppe darf zur Belohnung in den Autoscooter

Auch die Jungs, mit denen Mustafa Rasljanin vom Aktionsbündnis sicheres Altenessen der Awo den Müll sammelte, schlüpften stolz in ihre Aktionswesten. Rund um den Westerdorfplatz ließen sie kaum ein Fitzelchen Müll liegen.

Am Ende des gut zweistündigen „Müll-Spaziergangs“ zogen die Teilnehmer zufrieden das Fazit des Tages. „Erfreulich war, dass Bereiche wie rund um die Nootstraße und in Richtung Erbslöhstraße schon sauber waren. Das war wohl dem Sauber-Zauber-Tag zu verdanken“, sagte Tanja Rutkowski.

Die Jungs der Awo-Gruppe waren da aber schon nicht mehr dabei. Mustafa Rasljanin hatte ihnen einige Freifahrt-Chips für den Autoscooter auf der Altenessener Kirmes spendiert. Zur Belohnung.

>>>>> „Plogging“ für Umwelt und Gesundheit

Waste-Walk gleich „Müll-Spaziergang“ nennen die Altenessener ihre Aktion. International kommt dafür jetzt auch, gefördert durch die sozialen Medien, der Begriff „Plogging“ auf.

Die Verbindung zwischen joggen und aufsammeln von Müll ist in Schweden entstanden: Man tut etwas für die Gesundheit und für die Umwelt.

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