Bergbauhymne

Moguai verpasst dem Steigerlied ein modernes Gewand

Jugendchor trifft auf Musikproduzent: Die erste Begegenung zwischen Moguai und dem Landesjugendchor NRW, der regelmäßig in der Goetheschule probt.

Jugendchor trifft auf Musikproduzent: Die erste Begegenung zwischen Moguai und dem Landesjugendchor NRW, der regelmäßig in der Goetheschule probt.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Mit dem Landesjugendchor NRW will Produzent Moguai eine moderne Version der Bergmannshymne schaffen. Ein Dancefloorhit soll es nicht werden.

Gewöhnlich wird die heimliche Hymne des Ruhrgebietes eher von in Bergmannskluft gewandeten Männerchören geschmettert. Junge Stimmen hört man dagegen selten das alte, balladenartige Lied von dem hellen Licht und dem finst’ren Schacht, vom schwarzbraunen Mägdelein und den kreuzbraven Bergmannsleut singen.

Dabei geht das Steigerlied auch ganz modern: Das zumindest will der Landesjugendchor NRW, der an diesem Sonntag extra seine Grubenhelden-Shirts angezogen hat, in Zusammenarbeit mit dem bekannten DJ Moguai beweisen. Der wird das vom Chor eingesungene Steigerlied mit Technobeats unterlegen, es musikalisch und rhythmisch bearbeiten und ihm so ein ganz neues Gewand verpassen.

Emotionale Inszenierung mit Gänsehautcharakter

Das muss sitzen, ohne zu drücken und ohne den Charakter total zu verändern. „Keine Angst, ich mache daraus keinen Dancefloorhit“, sagt der gebürtige Marler, „sondern eine große, emotional- getragene Inszenierung, die beim Zuhörer Gänsehaut erzeugt.“ Einen amerikanischen Blockbuster im Stil von Hans Zimmermann stelle er sich vor, der der Tradition des Liedes gerecht werde. Das klingt aufregend und macht neugierig.

Auch wenn sich DJ Moguai normalerweise nicht mit dem deutschen Volksliedgut beschäftigt, hat er einen starken Bezug zum Steigerlied. In der elterlichen Metzgerei als André Tegeler, so sein bürgerlicher Name, aufgewachsen, kann er sich noch gut an die vielen Kumpel erinnern, die dort ihren Pannas, die Fleischwurst oder die Frikadellen kauften.

„Die Melodie ist in meinen Genen gespeichert“

Außerdem seien viele seiner Klassenkameraden auf Zeche gegangen. Und dann ist DJ Moguai auch noch von kleinauf Schalke Fan. Und auf Schalke erklingt vor jedem Heimspiel: das Steigerlied. „Irgendwie ist die Melodie schon in meinen Genen gespeichert“, sagt er und grinst.

Nun sind nicht DJ Moguais Gene für das Projekt verantwortlich, ist es es auch kein Zufall, sondern Absicht, dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem die letzte Zeche im Ruhrgebiet schließt, das Steigerlied mehr Aufmerksamkeit erhält. Nachdem Stefan Stoppok mit seiner blues-lastigen Version den Anfang gemacht hat, gibt es nun also die ungewöhnliche Kooperation zwischen dem DJ und dem Landesjugendchor NRW.

Bergbaumuseum im Wohnzimmer

Das 60 Stimmen starke Ensemble wurde 1979 gegründet, setzt sich aus ausgebildeten jungen Sängern und Sängerinnen zusammen und probt regelmäßig in der Aula der Goetheschule. Geleitet von dem Dirigentenehepaar Christiane Zywietz-Godland und Herrmann Godland ist der Chor national und international unterwegs, arbeitete und arbeitet immer wieder mit etlichen renommierten Orchestern zusammen.

Trotz dieser Professionalität ist die Spannung beim Steigerlied hoch. „Mich rührt das Lied immer an“, sagt Rebecca Flecken. Sie ist eine der wenigen Chormitglieder, die mit dem Steigerlied etwas anfangen kann. „Mein Opa ist Hauer gewesen und an einer Staublunge gestorben“, erzählt sie. Zuhause bei den Eltern gebe es in Erinnerung an den Vorfahren sogar ein kleines eigenes Museum im Wohnzimmer mit Bergbau-Devotionalien. „Damit man immer weiß, wo man herkommt“, sagt sie und lacht.

Wie alle anderen 60 Sängerinnen und Sänger ist die 21-Jährige schon sehr gespannt auf das Endergebnis. Wie das aussehen wird, verrät DJ Moguai nicht. Nur soviel: „Ich verlasse mich beim Samplen immer nur auf mein Bauchgefühl. Das hat mich noch nie enttäuscht.“

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