Modellbau

Modellbauer zeigt seine kleinen Ferraris in Rellinghausen

Modellbauer Paul Weber hat einen Ferrari 268SP nachgebaut. Das Original wurde im Jahr 1963 als Einzelstück gebaut und kam nur im Rennen zum Einsatz.

Foto: Stefan Arend

Modellbauer Paul Weber hat einen Ferrari 268SP nachgebaut. Das Original wurde im Jahr 1963 als Einzelstück gebaut und kam nur im Rennen zum Einsatz. Foto: Stefan Arend

Essen-Stadtwald.   Paul Weber aus Stadtwald fertigt detailgetreue Einzelstücke in der heimischen Garage. Ab 10. März sind die Nachbauten im Blücherturm zu sehen.

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Mythos Ferrari: Nicht erst seit den Formel-1-Erfolgen von Michael Schumacher gilt die italienische Edelschmiede aus Maranello auch in Deutschland als Inbegriff des automobilen Rennsports. Wohl alle Ferraristi eint der Wunsch, irgendwann einmal einen der PS-starken Boliden zu besitzen. Paul Weber (74) hat sich diesen Traum erfüllt – wenn auch nur im Kleinformat. Der Grafikdesigner aus Stadtwald baut ausgesuchte Ferrari-Modelle im Maßstab 1:18 nach. Seine Modelle stellt Weber ab Samstag, 10. März, im Blücherturm der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald aus.

Eines haben Webers Kunstwerke den meisten Originalen voraus: Es sind allesamt Einzelstücke. Seine Liebe zu Ferrari begann im Jahr 1985: „Da sah ich das Modell eines Testarossa im Schaufenster eines Rüttenscheider Händlers.“ Ein schnittiger Sportwagen, der nicht nur ausgemachten Auto-Enthusiasten bekannt sein dürfte, ging damit doch Frauenschwarm Don Johnson alias Sonny Crockett in der Kult-Serie „Miami Vice“ auf Ganovenjagd in Florida. „Sein Dienstwagen war allerdings schneeweiß“, erinnert sich Weber.

Gebastelt hat der findige Senior schon seit Kindertagen: „Mitte der 1950er Jahre gab es von Haribo Wundertüten, in denen ab und an ein Spielzeugauto versteckt war. Das war damals schon mein Fall.“ Dass er später, ab 1991, diese Leidenschaft zur Perfektion trieb, lag jedoch eher daran, dass bestimmte Ferrari-Modelle nur im deutlich kleineren 1:43-Maßstab aufgelegt wurden. „Doch dabei gehen viele Details verloren“, erklärt Weber. Seine Modelle hingegen sind knapp 30 Zentimeter lang. „Da hast du bei der Gestaltung einfach viel mehr Möglichkeiten.“

Modellbauer wälzt Fachliteratur und besorgt sich Fotos

Webers Modelle spielen in der Tat in einer anderen Liga. „Bevor ich ein Projekt in Angriff nehme, wälze ich jede Menge Fachliteratur, besorge mir Fotos und nehme, wenn möglich, die genauen Maße vom Original ab.“ Zur Recherche für den Ferrari Pinin, eine viertürige Nobelkarosse, die nie über einen Prototyp hinaus kam, besuchte Weber den belgischen Rennfahrer Jacques Swaters, den damaligen Besitzer dieser einmaligen Designstudie. „Jacques war sehr nett und aufgeschlossen. Wir sind beide stundenlang auf dem Boden herumgekrochen und haben Fotos gemacht, die mir als Referenz für meinen Nachbau dienten.“ Da stimmte dann jedes Detail, von der Radkappe bis zum Markenzeichen „Cavallino rampante“, dem aufbäumenden Pferdchen.

Webers Fingerfertigkeit und Akribie haben sich herumgesprochen. In vielen Fachmagazinen sind seine Modelle und Techniken verewigt. „Anfangs baue ich eine Holzform, um darauf die Karosserie aus ein Millimeter starkem Aluminium erst per Hand und später mit gezielten und wohl dosierten Hammerschlägen zu formen.“

Experimente mit Kunststoff gestalteten sich schwierig

Zwischenzeitlich experimentierte Weber mit Kunststoff, den er in eine Gipsform goss. „Doch da muss man sehr viel schleifen und die Methode ist knifflig, weil da schnell etwas von der Form abbrechen kann.“ Ob Holz oder Gips: Handarbeit ist Trumpf. Den Kühlergrill eines 250 California Spyder fräste und feilte er in mühevoller Kleinarbeit aus einem Alublock. „An einer gewölbten Heckscheibe bin ich fast verzweifelt. Die musste ich ein Dutzend Mal in den Müll werfen, weil ich die Abstände der Heizstäbe nicht hinbekommen habe.“

Bis so ein Modell fertig ist, vergehen dann schon mal bis zu 200 Arbeitsstunden. Umso erstaunlicher, dass Weber alle seine Kunstwerke auf der heimischen Werkbank in der Garage zimmert. „Wenn ich basteln will, dann muss ich vorher meinen Wagen ausparken. Ich habe nicht einmal eine Drehbank, sondern arbeite nur mit Raspel und Feile.“ Die Karosserie wird später zusammengeleimt, gespachtelt, geschliffen und schließlich lackiert. So entstanden mittlerweile zwölf Modelle: Beispielsweise der legendäre Ferrari 375 MM, vom dem der italienische Regisseur Roberto Rossellini ein Einzelstück für seine damalige Frau Ingrid Bergman bauen ließ. Auch vom Ferrari 500 Superfast entstanden zwischen 1964 und 1966 gerade einmal 37 Exemplare. Zwei davon sicherte sich der Schah von Persien, ein weiteres der Schauspieler Peter Sellers.

Für sehr lange Menschen ist ein Ferrari unpassend

Das passende Modell für Paul Weber muss er sich wohl selber bauen. „Ich bin zwei Meter groß“, sagt er mit leichten Bedauern. „Ein langer Schlacks wie ich passt leider in keinen Ferrari so richtig rein.“

Paul Weber stellt seine selbstgebauten zwölf Modelle und 30 weitere vom 10. bis 25. März im Blücherturm der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald, Am Stift 9, aus. Die Ausstellung ist immer samstags und sonntags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Grafikdesigner hat alte Gebäude gezeichnet

Der Grafikdesigner hat auch schon eine Dokumentation über alte Gebäude in Rellinghausen verfasst. Die Grafiken hat er allesamt selbst gezeichnet. Das Buch „Alt-Rellinghausen – und was davon geblieben ist“ kann direkt bei der Bürgerschaft zum Preis von 19,80 Euro bezogen werden.

Kontakt: Am Stift 9, 45134 Essen, Vorsitzender: Johannes Stoll, / Fax: 430 96-10/-11; E-Mail: info@buergerschaft-rellinghausen.de

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