Konzerthaus-Ausblick

Mixtur aus Mut und Magneten prägt das Philharmonie-Programm

Nicht nur bei Nacht ein Hingucker: die Essener Philharmonie lockt

Foto: Ulrich von Born

Nicht nur bei Nacht ein Hingucker: die Essener Philharmonie lockt Foto: Ulrich von Born

Essen.   Philharmonie Essen stellt Programm 2017/18 vor. IntendantHein Mulders zieht eine gute Bilanz der aktuellen Saison: Plus von 10 000 Besuchern.

Aprilwolken über Essen, aber ein Strahlen im Gesicht des Intendanten. Die philharmonische Saison geht ins letzte Viertel, doch die gute Bilanz kennt Hein Mulders schon jetzt: Etwa 10 000 Besucher mehr als in der vergangenen Saison verbucht sein Haus, die Konzerte der Essener Philharmoniker noch nicht mitgezählt.

Wenn das kein Zeichen ist, die Pferde besser nicht zu wechseln. Und also ist das Donnerstag vorgestellte Programm der Saison 2017/18 das Ergebnis einer Mixtur, die sich bewährt hat. Weltstars der Klassik sorgen für den unabdingbaren Magnetismus, kleine feine Reihen stehen fürs Außergewöhnliche, öffnen aber auch vielversprechenden Talenten die Tür zum Debüt im großen Konzertsaal.

Doch zu den Ereignissen, für die man besser rasch nach Karten sieht (Verkauf für alles ab 29. April): Jonas Kaufmann und Diana Damrau an einem Abend? Was sonst nur Sternstunden internationaler Opernhäuser zeitigen, beschert Essen Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ (18.2). Cecilia Bartoli steigt mit Cello-Prinzessin Sol Gabetta fürs „Dolce Duello“ in den Barock-Ring. Christoph Eschenbach, John Eliot Gardiner, Esa-Pekka Salonen und Valery Gergiev bürgen für jene Dirigenten-Elite, denen nicht weniger renommierte Klangkörper gegenüberstehen. In der nächsten Spielzeit ist Amsterdams „Royal Concertgebouw“ zweifach in Essen, dazu London Symphony und Philharmonia Orchestra, Münchens Philharmoniker, Russlands Nationalorchester.

An Marathon grenzende Kühnheiten wie das komplette Bach-Orgelwerk an zwei Tagen (pro Stunde 6,60€, man kann aber auch komplett buchen) setzen so spannende Akzente wie das Künstler-Porträt zu Jörg Widmann. Der große Komponist und Klarinettist führt auch zu „NOW!“. Dieses Fest der Gegenwartsmusik (ab 17.10.) hat sich zu einer ersten Adresse gemausert: Starke Uraufführungen und hochklassige Interpreten sind im neuen Jahrgang zu erwarten.

Nicht weniger hochkarätig die Jazz-Linie, aus denen die Visiten von Dianne Reeves (5.10) und Herbie Hancock (23.11) prominent herausragen, während der „Entertainment“-Strang Lieblinge wie Götz Alsmann aufs Podium bittet, dazu Weltmusik wie die „Sounds of Africa“ und eine „Sweet Soul Gospel Revue“.

Wie so viele Kunst-Einrichtungen der Region will auch die Philharmonie zur Schließung der letzten Zeche ein Zeichen setzen. „HeimArt“ heißen die TuP-Festtage 2018, die der neue Aalto-Spielplan mit einer Rarität bereichert. Die Inszenierung von Marschners „Hans Heiling“ soll eng mit dem Historie des Bergbaus korrespondieren.

Bernsteins 100. Geburtstag wird groß gefeiert

Der eine Titan und längst ein Denkmal, der andere ein Hans Dampf in vielen Klassikgassen. Vor Leonard Bernstein verneigt sich Essens Philharmonie anlässlich seines 100. Geburtstages. Der 43-jähre Stargeiger Daniel Hope dagegen wird neuer Residenzkünstler des Hauses.

Bernstein als Komponist gilt die Ehrung, übersetzt in sechs Konzerten. Sie führen das legendäre Ensemble Canadian Brass an die Ruhr, das „Houston Symphony“ aber auch Bariton Thomas Hampson, der Bernstein Mahler und Schumann begegnen lässt.

Dass es neben seinem unumstrittenen Können die immense Bandbreite ist, die den Menuhin-Schüler Hope auszeichnet, könnten seine acht Essener Residenz-Auftritte nicht schöner illustrieren. Sie reichen von Bach und deutscher Romantik übers „Grüffelo“-Familienkonzert bis zur Turnage-Uraufführung, die der gebürtige Südafrikaner mit einem weiteren großen Violinisten aus der Taufe heben wird: mit Vadim Repin für „NOW!“

Komplettes Programm ab sofort unter www.philharmonie-essen.de, Programmbücher liegen aus.

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