CDU-Vorsitz

Merz? Spahn? Laschet? Das sagt die CDU-Basis zur Chef-Frage

CDU-Urgestein Hanslothar Kranz (85, rechts) moderiert den politischen Stammtisch, bei dem sich Mitglieder und Sympathisanten der CDU in einem Grillrestaurant in Essen-Werden treffen.

CDU-Urgestein Hanslothar Kranz (85, rechts) moderiert den politischen Stammtisch, bei dem sich Mitglieder und Sympathisanten der CDU in einem Grillrestaurant in Essen-Werden treffen.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Frage, wer denn der beste CDU-Chef und Kanzlerkandidat sei, beschäftigt die Parteibasis. Ein Besuch beim Ortsverband in Essen-Werden.

Laschet? Merz? Spahn? Oder ein anderer? Über Personalien könnte die CDU-Basis im Ruhrgebiet stundenlang reden. Aber eines will sie nicht: Eine monatelange Hängepartie um die Frage, wer Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden soll, womöglich bis Dezember.

Der CDU-Ortsverband Werden passt da gut ins Bild. „Schafft zügig Klarheit“, ist das Signal aus dem Essener Süden an die Parteispitze. So eine vertrackte Lage wie die nach „Thüringen“ und der plötzlichen Rückzugsankündigung von „AKK“ hat Hanslothar Kranz (84) noch nicht erlebt. Dabei ist er schon seit 1957 in der CDU, war 34 Jahre Bezirksbürgermeister und engagiert sich 50 Jahre lang für den Regionalverband Ruhr (RVR). Mehr Partei-„Urgestein“ geht nicht.

Thüringen ist weit weg, das Leben spielt vor der Haustür, in Essen

Die Wirren um Barschel und Engholm, ja das war schlimm, erinnert sich der Chef der CDU Werden an andere Krisen. Aktuell treiben ihn und seine Mitstreiter Sorgen um, dass die Volkspartei CDU so in Bedrängnis geraten könnte wie die SPD. Eine monatelange Vorsitzenden-Suche hat die Sozialdemokratie schon ausprobiert. Aber gut geht’s ihr immer noch nicht.

Thüringen, AKK, Kanzlerkandidatur. Für die zwei Dutzend Bürger, die an diesem Abend zum Stammtisch der CDU Werden gekommen sind, ist das unendlich weit weg. Das richtige Leben spielt vor ihrer Haustür.

Ein Mann in einem rot-schwarz gestreiften Trikot ärgert sich über Trinkgelage am Ruhrtal-Radweg, ein anderer fragt, was aus den Baulücken im Ort wird. Kranz und seine Stellvertreterin Martina Schürmann lauschen und beraten. Zum ersten Mal ist die CDU im Restaurant „Attika“ zu Gast, und kümmert sich um Gäste aus dem Stadtteil, die vor südlichen und sonnigen Wand-Panoramen sitzen. Das Stammlokal des Ortsverbands, die „Domstuben“, wird gerade umgebaut, und wie das nach dem Umbau einmal aussehen wird, weiß keiner. Ein bisschen ist das wie mit der CDU.

Friedrich Merz, der Favorit der Basis?

Als die Gäste nach zwei Stunden gehen, bleiben die drei großen Fragen übrig: Laschet? Merz? Oder Spahn als Parteichef und Kanzlerkandidat? Der Favorit der Basis scheint nicht nur im Sauerland, sondern auch im Revier der stramme Konservative Friedrich Merz zu sein. „Unter den CDU-Bezirksvertretern hat Merz einen Vorsprung“, erzählt Herbert Schermuly (76), stolze 60 Jahre in der CDU und selbst kein Merz-Fan.

Vermutlich neige auch die „sehr mittelständisch geprägte“ Union in ganz Essen eher zu Merz, erklärt Hanslothar Kranz. Ortsverbands-Kollege Jan-Peter Hazebrouck gehört zu jenen, die auf den Südwestfalen hoffen: „Er gibt eine Position vor und vertritt sie auch“, lobt Hazebrouck.

Auch Jens Spahn hat in Werden bei vielen einen Stein im Brett

Interessant ist, dass bei der Spitze der CDU Werden im bürgerlichen Essener Süden Jens Spahn einen Stein im Brett hat. „Unheimlich fleißig“, findet Kranz den umtriebigen Bundesgesundheitsminister. Zweiter Vorteil: Spahn ist im Gegensatz zu den Mitbewerbern jung. Martina Schürmann würde sich ebenfalls „eher für Spahn“ entscheiden. „Merz könnte es auch“, glaubt Schürmann, Ratsvertreterin in Essen und seit 2006 in der CDU. Aber Merz polarisiere sehr. „Bringt das die CDU nach vorne? Macht er die Partei zukunftsfähig?“ Schürmann hat da Zweifel.

Und Armin Laschet? Der hätte das Zeug zum Kanzler und Bundesparteichef. Da sind sie sich einig. „Aber noch lieber ist mir Laschet als Ministerpräsident“, gesteht Herbert Schermuly. „Laschet ist gut da, wo er ist“, findet auch Annette-Henriette Dirkes aus dem Ortsverbands-Vorstand. Kranz und Schürmann fürchten, NRW hätte ein Problem, wenn Laschet nach Berlin ginge.

Mit der „Werteunion“ können sie hier nichts anfangen

Mit der so genannten „Werteunion“ können sie hier in Werden übrigens gar nichts anfangen. „Beleidigend“ nennt Herbert Schermuly das Auftreten dieses Vereins. Seine Werte und die von vielen anderen Christdemokraten im Ruhrgebiet seien andere. Bezirksvertreter Schermuly war 30 Jahre lang Betriebsrat und steht fest auf christlich-sozialem Fundament. Für ihn hat CDU viel mit Gottvertrauen und Arbeitnehmernähe zu tun und nichts mit rechtsnationalen Tönen. Der neue Parteichef möge der Union „Frieden und Eintracht“ bringen, hofft Schermuly. Und das möglichst schnell, ergänzt Ratsfrau Martina Schürmann. Die Partei möge bitte nicht bis Dezember warten, um zu klären, wer sie in die nächsten Wahlkämpfe führt.

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