Arche Noah-Fest

Menschen aus der ganzen Welt kommen am Kennedyplatz zusammen

Musiker wie zum Beispiel die polnische Rockband Syndikat haben beim Arche Noah Fest auf dem Kennedyplatz für tolle Stimmung gesorgt.

Musiker wie zum Beispiel die polnische Rockband Syndikat haben beim Arche Noah Fest auf dem Kennedyplatz für tolle Stimmung gesorgt.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Beim Arche Noah-Fest in Essen feiern Christen, Moslems und Juden zusammen. Gespräche über Erfolgsprojekte und Angst vor der Abschiebung.

Es soll Leute geben, die der Meinung sind, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubens könnten nicht zusammenleben. Auf dem Kennedyplatz bewiesen am Wochenende um die 8000 Menschen, dass dies nur ein Vorurteil ist.

Bei der fünften Auflage des Arche-Noah-Fests kamen Moslems, Christen, Aleviten, Juden, Bahai und viele mehr zusammen, um zwei Tage lang zusammen zu feiern.

Arche Noah-Fest: Köstlichkeiten am Kennedyplatz

Der 25-Jährige Kamran ist von dem Fest begeistert. Er hat sich bereits verschiedene Stände angeschaut, an denen sich Gemeinden, Verbände und Initiativen präsentieren und die ein oder andere landestypische Köstlichkeit aus der Zeltstadt, die den Kennedyplatz umrahmt, probiert. Viele Leute hat er dabei kennenlernen können. „Die Diskussionskultur kommt immer mehr abhanden“, ist er überzeugt, „da ist es gut, dass es solch eine Gelegenheit gibt, wo die Menschen ins Gespräch kommen.“ Man müsse sich ja nicht immer mögen, aber man sollte miteinander reden.“

Und dafür gibt es an dem Wochenende Gelegenheit genug, ob in ungezwungener Runde an den Ständen oder bei moderierten Diskussionen. So wird bei den „Arche-Dialogen“ im Haus der Evangelischen Kirche über Sinti und Roma, das jüdische Leben in Essen und NRW oder über das Miteinander unterschiedlicher Kulturen gesprochen.

Gitarren-Legende auf der Bühne

Wem nicht nach Reden ist, der genießt das Bühnenprogramm. Profis und Amateure sorgen am Samstag und Sonntag fast durchgängig für abwechslungsreiche Unterhaltung: Volkstänze, Rockmusik, Theaterstücke, christlicher Pop, Hip Hop oder Rap – das Programm scheint jegliche Genre-Grenzen sprengen zu wollen.

Den ersten Höhepunkt am Samstag markiert die Essener Gitarren-Legende Rafael Cortés: Gemeinsam mit seinem Sohn Rafael Cortés Junior, der als Flamenco-Gitarrist in die Fußstapfen seines berühmten Vaters tritt, fasziniert der in Andalusien geborene Musiker das Publikum auf dem Platz.

Projekt möchte Menschen zusammenbringen

Hat Cortés vor allem zum Zuhören eingeladen, geht es beim abendlichen Finale am Samstag dann äußert ausgelassen zu: Die Formation Culture Pool lässt die Zuschauer sich von den Bänken erheben beim Weltmusik-Happening. 14 Musiker aus unterschiedlichen Kulturkreisen stehen auf der Bühne und reißen mit ihrer Energie die Leute auf dem Platz mit.

„Zwei Tage lang haben wir im Herzen der Stadt eine Kultur des Miteinanders erlebt, die beweist, wie ein freudvolles Miteinanderleben gelingen kann“, zeigt sich die Künstlerische Leiterin Benedikte Baumann zufrieden. Schon im Vorfeld hatten alle Beteiligten bei gemeinsamen Planungstreffen an einem Strang gezogen.

Genau das mache das Projekt Arche Noah aus, unterstreicht Willi Overbeck vom Initiativkreis Religionen in Essen (IRE), der die Arche Noah zusammen mit dem Kommunalen Integrationszentrum vor fünf Jahren auf den Weg gebracht hat: „Die Arche Noah bringt Menschen aus unterschiedlichen Institutionen und Vereinen zusammen, die sich bis dahin fremd waren und nun aufeinander zugehen und sich kennenlernen.“

Das Zittern vor der Abschiebung

Auch Roya Mühlschlegel hat sich von diesem Miteinander begeistern lassen. Sie gehört zur Essener Bahai-Gemeine, die sich dieses Mal zum ersten Mal an der Arche Noah beteiligt hat. „Die kulturelle Vielfalt hier ist faszinierend“, so Roya Mühlenschlegel. „Es ist schon, dass man hier Gelegenheit mit den unterschiedlichsten Leuten in absolut entspannter Atmosphäre kennenzulernen.“

Am Stand der Essener Vereins Laissez Passer konnte man etwa mit Hasibe ins Gespräch kommen: Die 23-Jährige ist hier geboren worden und lebt in Borbeck – und das in ständiger Angst, abgeschoben zu werden. „Mein Duldungs-Status wird alle drei Monate erneuert“, sagt sie. Vor 30 Jahren sind ihre Eltern aus dem Libanon hierhin geflohen – ohne Papiere. „Der Verein setzt sich für ein Bleiberecht für Staatenlose ein“, so der Grüne Ratsherr Ahmad Omeirat. Er ist überzeugt: „Noah hätte Hasibe auch auf die Arche gelassen.“

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