Bildung

Mehr Freiheit: Eltern wollen in Essen neue Schule gründen

In Bochum feierte bereits im Jahr 1981 eine Freie Schule ihre Eröffnung mit 200 Luftballons. Eine Elterninitiative will jetzt auch in Essen eine Schule nach ähnlichem Konzept eröffnen.

In Bochum feierte bereits im Jahr 1981 eine Freie Schule ihre Eröffnung mit 200 Luftballons. Eine Elterninitiative will jetzt auch in Essen eine Schule nach ähnlichem Konzept eröffnen.

Essen.   Die Freie Alternative Schule Essen soll Kindern beim Lernen mehr geben als konventionelle Einrichtungen. Feste Klassen soll es nicht mehr geben.

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Auf der Suche nach einer Grundschule für ihre älteste Tochter musste Wiebke Doktor bereits vor drei Jahren feststellen, dass es keine gibt, die ihren Ansprüchen genügte. „Kinder lieben das Lernen“, ist sie überzeugt. Doch die anfängliche Begeisterung von Schulkindern sei bereits in der zweiten Klasse oft verflogen. „Unter Zwang lernt niemand gern.“

Ein Grund sei das System an konventionellen Schulen, zu dem es jedoch in Essen – sieht man ab von der Waldorfschule – keine Alternative gebe. Das soll sich jetzt ändern – deshalb kämpft Wiebke Doktor um eine Freie Alternative Schule in Essen. Am 17. April sollen bei einem Infoabend weitere Mitstreiter und Interessenten gefunden werden. Dann soll die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten beginnen.

Freie Schule ohne feste Klassenverbände geplant

„Zusammen mit einer Mutter, die ich aus der Kita kenne, auf die meine jüngste Tochter geht, beschäftige ich mich seit rund einem Jahr intensiv mit dem Konzept für eine Freie Alternative Schule“, erläutert Doktor. Ein Verein ist bereits gegründet, das pädagogische Konzept steht ebenfalls. „Es geht nicht darum, zu sagen, dass andere Schulen schlecht sind“, betont Doktor. Jedoch funktionierten herkömmliche Schulen zu oft nach dem Prinzip: „Trichter draufsetzen, Wissen reinkippen“.

In der Freien Alternativen Schule Essen dagegen solle nicht der Lernplan den Unterricht bestimmen, sondern primär das Kind. Daher sieht das Konzept der einzügigen Schule keine klassischen Klassenverbände vor. „Die Schüler treffen sich in kleineren Runden zusammen mit einem Lernbegleiter“, erläutert Doktor. Dann können sie sich Klassenräume aussuchen, die thematisch geordnet sind: Im Forschungsraum etwa können die Kinder Naturwissenschaftliches lernen, im Kreativraum lassen sich künstlerische Fähigkeiten entfalten. „Die Schüler holen sich in den Räumen ihr Wissen ab.“

Schule soll bis zum Abitur führen

Im ersten Jahr soll die Schule als Grundschule beginnen, ab dem zweiten Jahr wolle man die gesamte schulische Laufbahn bis zum Abitur ermöglichen. Finanziert wird die Schule durch – einkommensabhängige – Beiträge der Eltern und wenn möglich durch Sponsoren und Spenden.

In vielen Belangen fuße das Konzept auf den Hirnforscher Gerald Hüther. Die Forderungen des einstigen Professors an der Universität Göttingen und Bestseller-Autoren nach alternativen Schul- und Lehrmethoden finden landesweit begeisterte Anhänger – aber ebenso viele Kritiker. So wurde dem Neurobiologen unter anderem vorgeworfen, populistische Allgemeinplätze statt fundierte pädagogische Erkenntnisse zu verbreiten.

Stadt kann bei Suche nach Räumlichkeiten nicht helfen

Wiebke Doktor gehört zu den Befürwortern. „Es geht uns darum, Vielfalt anzubieten“, sagt sie. „Nicht jedes Kind ist für jede Schulform geeignet.“ Von der Waldorfschule will sich das Konzept der Freien Alternativen Schule grundlegend unterscheiden.

Bei der Stadt Essen begleite man die Eltern-Initiative durchaus konstruktiv. Doch beim größten Problem hat auch die Stadt noch nicht helfen können: Bislang hat der Verein noch keine geeignete Immobilie gefunden. Doch hofft Wiebke Doktor auf eine Lösung, bis ihre jetzt vierjährige jüngste Tochter eingeschult wird. „Meine eigene Schulerfahrung war eher mäßig“, räumt sie ein. „Ich will meiner Tochter eine möglichst positive Schullaufbahn ermöglichen, während der sie zu einem Menschen heranwächst, der immer auf die Füße fällt – egal, was sie erlebt.“

>>> Infoveranstaltung zum Stand der Dinge

Die erste Info-Veranstaltung zur angestrebten Gründung der ersten Freien Alternativen Schule Essen findet am Freitag, 13. April, 17 bis 20 Uhr, in der Villa Rü, Girardetstraße 21, statt.

Interessierte Eltern und Pädagogen können dann mehr über das Schulkonzept erfahren, berichtet wird über den aktuellen Stand der Dinge und die nächsten Schritte.

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