Games

Mehr als Zocken: Essener Schüler programmieren eigene Spiele

Die Schüler Ferry Schwickerath, Louis Jakobowsky, Marc Velten und Heiko Wolf haben das Spiel „Victor`s Apocalypse Now“ entworfen.

Die Schüler Ferry Schwickerath, Louis Jakobowsky, Marc Velten und Heiko Wolf haben das Spiel „Victor`s Apocalypse Now“ entworfen.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  In einem Workshop haben Essener Schüler eigene Computerspiele entwickelt. Dass es um mehr geht als nur Zocken, zeigten die kreativen Ergebnisse.

Noch immer haben Computerspiele ein Imageproblem – manche Pädagogen und Eltern befürchten Suchtgefahr, Verrohung und Abstumpfung der Jugendlichen. In den Räumen des Frohnhauser Heinz-Nixdorf-Berufskollegs zeigte ein Spiele-Workshop mit dem Titel „Stärker mit Games“ nun das genaue Gegenteil: Der Umgang mit „Games“ kann Kreativität, technisches Tüfteln und spielerisches Selbstentdecken fördern.

In dem von der Stiftung digitale Spielkultur getragener Workshop, der im Rahmen des vom Bund finanzierten Förderprogramms „Kultur macht stark“ in Kooperation mit der Stadt und dem gemeinnützigen BildungsCentrum der Wirtschaft durchführt wird, entwickelten und programmierten zwölf Schüler in der vergangenen Woche eigene Spiele.

Essener Schüler programmieren eigene Games

Stolz stellt der 13-jährige Ferry Schwickerath zusammen mit dem gleichaltrigen Louis Jakobobsky das Jump- and Run-Spiel „Victor’s Apocalypse Now“ vor. „Hallo. Versuche zum Bunker zu kommen, um zu überleben“, lautet die Spielanweisung. Leider gebe es noch einen „Bug“, also einen Fehler, in dem Spiel, sodass die die Figur durch den Boden hindurchgehe. „Das ist dann, als würde man in Treibsand versinken“, sagt Ferry und lacht durch seine Maske, auf der das Logo des Computerspiels „Fortnite“ zu sehen ist. Eigentlich seien auch noch eine Kartoffelkanone und Zombies für das Spiel geplant. Es sei dann aber doch alles viel aufwendiger gewesen als gedacht.

Das Spiel des 14-jährigen Deven Stein hat ein ähnlich klassisches Genre. Angelehnt an Sherlock Holmes geht es hier um Detektivarbeit – mit Leiche auf dem Dachboden. Wer entpuppt sich am Ende als Mörder? Klar, der Gärtner. In einem anderen Spiel namens „Strange Dreams“ werden eigene Alpträume der jungen Programmierer verarbeitet, unter anderem die Mathe-Angst. Leandro Giepler (13) aus Frohnhausen ist mit einem Ninja-Spiel namens „Ninja-Master-Bampoo-Edition“ dabei.

So kreativ und vielfältig die Ideen der Schüler auch sind, so fällt die Zusammensetzung der Workshop-Teilnehmer sehr einheitlich aus: Alle sind männlich. Christoph Hohoff vom zdi-Zentrum MINT-Netzwerk Essen beobachtet „dieses Missverhältnis auch in anderen technischen Bereichen“.

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Workshop hilft bei Berufswahl: In die Grafik oder IT?

Jeden einzelnen Spiele-Entwicklungs-Schritt, vom Schreiben der Skripte bis hin zum Sounddesign, haben die Schüler durchlaufen. „Die ersten Spiele von früher hatten nicht einmal das Komplexitätsniveau, das eure Spiele heute gezeigt haben“, lobt Jörg Gleißner, Schulleiter des Heinz-Nixdorf-Berufskollegs, auf dessen Initiative das Workshop-Format entstanden ist, die Schüler.

Wenn es um Spiele geht, sei „Reflexion ein entscheidender Punkt“, so Medienpädagoge Heiko Wolf. Motivation für eine Workshop-Anmeldung sei bei vielen Teilnehmern das Hobby Zocken. Beim Programmieren und Entwickeln gehe es dann plötzlich um mehr, als um eine rein konsumierende Haltung und stattdessen um einen aktiven Bezug zum Medium.

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Für viele ist der Workshop aber auch Berufsorientierung. Die Woche diene den Schülern auch, um zu merken: „Bin ich ein besonders guter Grafiker oder Sound-Designer? Kann ich gute Storyboards entwickeln? Gehe ich vielleicht meinen Weg in die IT?“, so Gleißner. Ferry hat der Workshop gezeigt, dass er gerne etwas in dem Bereich machen würde. „Vielleicht werde ich ja auch Hacker“, schmunzelt der Dreizehnjährige.

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