Tierschutz

Junge Tierschützer aus Essen erhalten Preis für ihre Arbeit

Die kleine Schafherde begeistert den Tierschutznachwuchs und deren Tierschutzlehrerin: v.li. Tabitha, Catharina, Belanna, Noah und Sandra Jansen füttern die Böcke im Essener Tierheim.

Die kleine Schafherde begeistert den Tierschutznachwuchs und deren Tierschutzlehrerin: v.li. Tabitha, Catharina, Belanna, Noah und Sandra Jansen füttern die Böcke im Essener Tierheim.

Foto: Nadine Przystow / FUNKE Foto Serivces

Essen.  Ob Welpenhandel, Zootiere oder Insekten: Der Nachwuchs des Essener Tierschutzvereins kümmert sich um viele Themen und erhält nun einen Preis.

Zu Hause pflegt Belanna Knoll ihre Meerschweinchen, im Tierheim kümmert sich die 14-Jährige zudem regelmäßig um die Katzen und klärt an Infoständen. etwa in der Innenstadt, zu Themen wie Massentierhaltung auf: Denn die Don-Bosco-Schülerin aus Altendorf gehört zum Nachwuchs des Essener Tierschutzvereins. Der ist für seine Einsätze jetzt mit dem Jugendtierschutzpreis des Deutschen Tierschutzbundes ausgezeichnet worden.

Eingereicht hatten die Kinder und Jugendlichen sogar zwei Projekte, den Preis haben sie für ihr ethisches Projekt, einen Schöpfungs-/Tierschutz-Gottesdienst, gewonnen. Denn wer glaubt, dass die Kinder an der Grillostraße lediglich Katzen streicheln, der irrt: Seit Jahren schon liegt die Arbeit mit den Mädchen und Jungen den Mitarbeitern am Herzen, gehört sie zum Alltag wie Aktionstage zu Insekten oder Hühnern. Allein bis zu 30 Führungen für ganze Schulklassen stehen jedes Jahr an.

Dafür ist Tierschutzlehrerin Sandra Jansen im Einsatz. Seit 1996 zählt die 45-Jährige zum Team („damit bin ich die Dienstälteste hier“), kam selbst als Ehrenamtliche während ihres Studiums dazu. Studierte sie damals Lehramt auf Primarstufe, kümmert sie sich inzwischen um Tierschutz und Kinder: „So verbinde ich beruflich meine beiden Steckenpferde.“

Große Nachfrage nach Projektwochen, Schulunterricht oder Ferienangeboten

Die Nachfrage nach Projektwochen, Schulunterricht oder Ferienangeboten sei riesig, so dass es mitunter sogar Wartelisten gebe, sagt sie. Sie besucht Kindergärten ebenso wie SOS-Kinderdörfer. An Schulen werden Tierschutzthemen in Lehrpläne eingebunden, sie besucht mit dem Nachwuchs Biobauernhöfe oder bereitet diesen auf das Hundepfotendiplom vor. Hinter allem steckt auch der Gedanke, den Mädchen und Jungen Respekt im Umgang mit den Tieren beizubringen, aber auch aktuelle Themen aufzugreifen – und so auch Eltern und ganze Familien zu erreichen.

Bei Familie Metzger aus Kettwig gehören Haustiere wie Meerschweinchen und Katzen bereits zum Alltag: „Uns ist daher auch der Tierschutz wichtig“, sagt Mutter Cornelia Metzger (40), deren älteste Tochter Tierärztin ist. An der Grillostraße gehört die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer jüngeren Kinder Tabitha (11), Noah (9) und Catharina (20 Monate) bei diesem Besuch den Schafsböcken, die die Feuerwehr als Fundtiere aus Haarzopf gebracht hat. An anderen Tagen aber sprechen sie über vegetarische Ernährung, über Wölfe oder illegalen Welpenhandel.

An Infoständen informieren die Mädchen und Jungen über Pelze und Massentierhaltung

An den Infoständen in der Innenstadt sprechen die kleinen Tierschützer mit den Passanten über Pelzmäntel oder wie zuletzt über Nutztiere und Massentierhaltung. „Manche Kinder bringen schon ganz viel Wissen mit“, sagt Sandra Jansen. Und wenn den Mädchen und Jungen ein Thema besonders wichtig sei, dann gingen ganz stille Kinder auch aus sich heraus, beschreibt sie einen Nebeneffekt. Nicht nur ihren Altersgenossen könnten sie dann erklären, warum man Haustiere besser nicht auf Onlineportalen kauft. Bestenfalls landeten unüberlegt angeschaffte Hunde oder Katzen gar nicht erst im Tierheim, sagt Sandra Jansen, die Familien bei der Anschaffung gern berät.

Lia Heimeshoff kann gar kein Tier halten, da ihr Vater allergisch reagiert. So bieten ihr die Besuche im Tierheim auch den Kontakt, auf den sie zu Hause in Überruhr verzichten muss. Ihre Mutter Sabine Heimeshoff (50) hingegen ist mit zahllosen Tieren aufgewachsen und hat großes Verständnis für den Einsatz ihrer Tochter, den sie unterstützt. Schon im Grundschulalter nahm Lia daher beim Ferienspatz teil und hat längst das Kleintierdiplom in der Tasche. Denn Tiere sind für sie nicht nur zum Kuscheln da: Die Elfjährige aus Überruhr setzt sich ebenso mit der Haltung in Zoos auseinander und hält Referate in der Schule.

Die jungen Tierschützer sind auch Multiplikatoren

„Der Nachwuchs kommt aus dem gesamten Stadtgebiet zu uns“, sagt Sandra Jansen, die weiß, dass es auch viele Kinder aus Familien sind, in denen Tierschutz ohnehin diskutiert wird. Aber die Mädchen und Jungen tragen viele der Themen nach außen, sind damit Multiplikatoren und die Tierschützer von morgen – und dafür nun auch ausgezeichnet.

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