Drogen

Medizinerin warnt Essener Schüler: Kiffen macht blöd

Im Gymnasium Werden sprach Marianne Miller vor Schülern der Jahrgänge elf und zwölf.

Im Gymnasium Werden sprach Marianne Miller vor Schülern der Jahrgänge elf und zwölf.

Foto: Andre Hirtz

Werden.   Mit einem eindringlichen Vortrag hat eine Medizinerin und Sucht-Expertin Essener Oberstufenschüler vor dem Drogenmissbrauch gewarnt.

Eine renommierte Fachärztin und Sucht-Expertin hat Oberstufenschüler eindringlich vor dem regelmäßigen Konsum von Drogen gewarnt. „Statt süchtig zu werden, sollte man gut für sich sorgen, das fängt im Alter von 13 oder 14 Jahren an“, sagte die Medizinerin Marianne Miller Anfang der Woche im Gymnasium Werden. Sie ist eine der gefragtesten Gutachterinnen bei Gerichten in NRW, wenn zu klären ist, ob ein Täter nach einem Delikt im Rausch schuldfähig ist.

Wer früh anfängt, regelmäßig Alkohol zu trinken oder Drogen zu nehmen, dessen Hirn verändere sich so sehr, dass Sucht ein lebenslanges Thema bleibe. „Das fängt mit Stress in der Schule an, von dem man das Gefühl hat, nicht mehr herunterzukommen, ohne etwas nehmen zu müssen.“

Sucht hat nie nur eine einzige Ursache

Marianne Miller, die auch als Psychiaterin arbeitet, kam auf Einladung der Schule nach Werden: „Mit Vorträgen wie diesen wollen wir präventiv unsere Schüler schützen“, sagt die Leiterin des Gymnasiums Essen-Werden, Felicitas Schönau. „In unserer leistungsorientierten Gesellschaft ist das Thema Sucht ein Tabu.“

Die Sucht, erklärte Marianne Miller, könne jeden Treffen - „ganz gleich, unter welchen Umständen wir aufgewachsen sind.“ Denn sie habe immer mehrere Ursachen, nicht eine einzige. Sucht fängt dort an, wo aus einem Probieren aus Neugier ein regelmäßiger Konsum werde. „Wer meint, auf eine Party nicht mehr gehen zu können ohne bestimmte Substanzen oder Alkohol, bei dem sollten die Alarmglocken schrillen.“ Eindringlich schilderte die erfahrene Expertin, dass es so etwas wie „ein bisschen süchtig“ nicht gibt: „Sucht führt zu immer zu Leistungsabfall, zu Abbrüchen von Freundschaften, zu Trennungen im Privaten.“ Kein Süchtiger könne dauerhaft das leisten, was er sich eigentlich vorgenommen habe im Leben.

Sucht ist keine Charakterschwäche

Wer sich einmal eingestanden habe, dass er süchtig ist, dem könne man helfen: „Aber das geht dann nicht mehr mit Freunden, sondern da müssen Experten ‘ran.“ Sucht sei keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit. Mit gravierenden Folgen, je länger eine Sucht andauert: Organschäden bei Alkoholmissbrauch, massive Hirnstörungen bis zu Schlaganfällen bei Ecstasy- und Amphetamin-Konsum. Und Kiffen, ganz einfach: „Macht, dass man dauerhaft nicht mehr dazu in der Lage ist, schnell neue Sachverhalte zu lernen.“ Um es auf den Punkt zu bringen: Cannabis macht blöd. „Die Leistungen jener, die mit 13 oder 14 anfangen, gehen irgendwann gegen null, da gibt es keine Ausnahme.“ Kokain führe in die Depression und Kriminalität; „nirgendwo ist die Beschaffungskriminalität höher“, und auch Alkohol, ganz sicher für Viele ein Genussmittel „ist und bleibt am Ende ein Zell-Gift. Vermeiden Sie Rausch-Zustände“, riet die Medizinerin den Schülern. „Nicht nur, weil es Hirnzellen tötet.“ Sondern ihre jahrzehntelange Erfahrung in Gerichten hat die Expertin auch gelehrt: „Sie schämen sich nachher unendlich für das, was Sie im Rausch-Zustand getan haben.“

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