Cybermobbing

Medienpädagoge: „Jede Schule hat ein Cybermobbing-Problem“

Digitale Medien können den Unterricht bereichern, doch im Alltag stellen sie häufig eine Belastung dar. .

Digitale Medien können den Unterricht bereichern, doch im Alltag stellen sie häufig eine Belastung dar. .

Foto: Martin Schutt/dpa

Essen.   Nach Kinderporno-Fall am Helmholtz-Gymnasium: Medienpädagoge Andreas Ruff beklagt mangelnde Haltung von Schulen und Ahnungslosigkeit von Eltern.

Andreas Ruff (64), Medienbeauftragter des städtischen Jugendamtes, reist seit Jahren durch Essens Schulklassen, schult Lehrer, informiert Eltern; eins seiner größten Themen heißt Cybermobbing. „Wenn ich Fälle wie die vom Helmholtz-Gymnasium höre“, sagt Ruff, „ist das schon ein bisschen frustrierend. Bei manchen scheint überhaupt nicht anzukommen, was ich jeden Tag berichte.“

„Auch Lehrer werden Opfer“

Nicht nur Schüler seien Opfer vom falschen Umgang mit Smartphones, vom Versenden von Nacktbildern – nein, auch Lehrer: „Da werden Fotos von Lehrerköpfen auf nackte Körper montiert und herumgeschickt. Die Schüler wissen überhaupt nicht, was sie da tun. Das sind keine Dumme-Jungen-Streiche.“ Sondern: Strafrechtlich relevante Tatbestände; Nötigung, Beleidigungen, und im Fall des Helmholtz-Gymnasiums könne den Schüler, falls sich alles als wahr herausstellt, sogar eine

Gefängnisstrafe drohen. „Aber das weiß natürlich niemand“, beklagt Ruff. „Es gibt nicht nur einen erheblichen Wissensmangel bei Schülern, es gibt ihn auch bei Lehrern und Eltern.“

Überhaupt würde das Thema Medienkompetenz von manchen Schulen sträflich vernachlässigt, „das liegt vielerorts brach“, und es mangele an einer entsprechend klaren Haltung. Jede weiterführende Schule, betont Ruff, habe ein massives Problem mit Mobbing übers Smartphone, „es wird nur häufig unter den Deckel gekehrt.“

„Eltern unterschätzen das Problem“

Doch das Problem seien auch Eltern, die das Thema Handy unterschätzten: „Den Kindern und Jugendlichen kommen Wertevorstellungen abhanden. In vielen Haushalten bekommen Jungs und Mädchen mit dem Eintritt in die weiterführende Schule ein Smartphone, und es wird gesagt: Das regelt sich von selbst. Dabei darf man Heranwachsende mit diesen Geräten und dem Internet keinesfalls alleinlassen.“

Letztendlich sei der Umgang mit Online-Medien eine „Erziehungs-Aufgabe, und es wäre allen geholfen, wenn Väter und Mütter mit ihren Kindern im Gespräch bleiben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben