Prügelei

Massenschlägereien in Essen: Gerichtsprozess wohl Auslöser

Die Polizei war in Essen bis in die Nacht mit den Streitigkeiten beschäftigt.

Die Polizei war in Essen bis in die Nacht mit den Streitigkeiten beschäftigt.

Foto: KDF

Essen.  Bei mehreren Schlägereien in der Essener Innenstadt sind in der Nacht vier Personen verletzt worden. Ein Roma-Clan war heftig aneinander geraten.

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Eine Massenschlägerei hat am Sonntagabend die Essener Polizei in Atem gehalten. Mindestens 100 Mitglieder eines großen Familien-Clans waren aneinandergeraten, erklärte Polizeisprecher Peter Elke am Montagmorgen. Mindestens vier Beteiligte wurden verletzt – auch Hieb- und Stichwaffen waren bei der Auseinandersetzung innerhalb der Roma-Familie im Spiel.

Erste Schlägerei flammte am Stadtgarten/Aalto auf

Erstmals war der Streit gegen 17.30 Uhr am Aalto-Theater/Stadtgarten in der Essener Innenstadt aufgeflammt. Die Polizei kam dazu und konnte die Auseinandersetzung nur mit dem Einsatz vieler Beamter eindämmen. Wie viele Polizisten im Einsatz waren, ist bisher noch unklar. Fest steht nur: Es war ein glücklicher Umstand, dass wegen des DFB-Pokalspiels von RWE gegen Fortuna Düsseldorf ohnehin mehr Einsatzkräfte als sonst in der Stadt bzw. am Stadion waren. So konnte auch die Hundertschaft schnell helfen und unterstützte die Kollegen in der Innenstadt. Auch Unterstützung aus umliegenden Städten kam zur Hilfe.

Aber nach der ersten Schlägerei am Stadtgarten knallte es weiter heftig. Nach und nach habe die Polizei große Limousinen aus ganz NRW beobachtet, mit denen neue Familienmitglieder nach Essen kamen, erklärt Polizeisprecher Elke.

Der Ort der Auseinandersetzung verlagerte sich im Laufe des Abends aus dem Stadtgarten vor das Uniklinikum. Insgesamt kamen 100 aggressive Männer zusammen, während die Frauen bei den Autos in der Nähe warteten. Im Klinikum sollen die schwer verletzten Männer behandelt worden sein, während sich nach Zeugenangaben bis zu 60 Angehörige Zutritt ins Klinikum verschaffen wollten. Sie versammelten sich am Haupteingang und auch an der Zufahrt der Rettungswagen, wo die Polizei wieder massiv eingreifen musste. „Die Beamten sprachen immer wieder Platzverweise aus“, berichtet ein Zeuge auch hier von einer aufgeheizten Stimmung, da die Männer den Anweisungen der Polizei nicht folgten, sondern lautstark mit den Beamten diskutierten. Insgesamt kamen 100 aggressive Männer zusammen, während die Frauen bei den Autos in der Nähe warteten. Immer wieder musste die Polizei eingreifen. Unter anderem kam es gegen 22.30 Uhr im Park am Haumannplatz, ganz in der Nähe des Polizeipräsidiums, zu einer größeren Zusammenkunft.

Erst spät in der Nacht beruhigte sich die Lage

Bis tief in die Nacht hinein war die Polizei mit den Streitereien beschäftigt. Auch Hubschrauber waren im Einsatz, um die aggressiven Gruppen aus der Luft im Blick zu halten. Am frühen Montagmorgen beruhigte sich die unübersichtliche Lage dann. Im Laufe des Abends wurden laut Polizei mindestens vier Personen verletzt. Sie wurden im Krankenhaus behandelt. Wie schwer ihre Verletzungen sind, ist bisher unklar. Es seien aber auch Stich- und Schnittwunden dabei, ebenso Hiebverletzungen, die nicht nur von Faustschlägen stammen können.

Einsatzkräfte wurden nicht verletzt. Die Polizei hat unter anderem Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung aufgenommen. Nach Erkenntnissen unserer Redaktion war es kein Streit zwischen libanesischen Großfamilien, der den Großeinsatz der Polizei Essen auslöste. Nach Zeugenangaben sollen viele der Beteiligten ihre Wurzeln im Balkan haben.

Anlass für Gewalt soll Gerichtsprozess in Essen sein

Informationen dieser Zeitung zufolge soll es bei der Schlägerei darum gegangen sein, Zeugen in einem Gerichtsverfahren „auf Kurs zu bringen“. Der Sprecher des Landgerichts, Johannes Hidding, wollte offiziell keinen Zusammenhang herstellen. Er bestätigte aber, dass für den Prozess, der am Dienstag beginnt, die Sicherheitsvorkehrungen kurzfristig erhöht wurden.

In dem Verfahren gegen drei miteinander verwandte Männer geht es unter anderen um versuchte Brandstiftung und Körperverletzung: Im Februar 2014 sollen die Männer eine Wohnung an der Huberstraße angegriffen haben, in der sich angeheiratete Verwandte aufhielten. Dabei sollen sie Rollläden zerstört und mit Brennspiritus in Brand gesetzt haben. Dann drangen sie in die Wohnung ein und schlugen auf die zwei Frauen und einen Mann darin ein, auch mit einem Baseballschläger. Den Angreifern gelang es nicht, das Schlafzimmer der Wohnung anzuzünden.

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