Städtische Schrottimmobilien

Marode Bauten: Der Abrisskalender der Stadt wird kaum dünner

Im städtischen Abreißkalender ist sie mit „Priorität 1“ notiert, doch der Abriss der ehemaligen Schule an der Heßlerstraße ist aus dem laufenden Budget nicht finanzierbar. Jetzt hofft man auf Investoren.

Im städtischen Abreißkalender ist sie mit „Priorität 1“ notiert, doch der Abriss der ehemaligen Schule an der Heßlerstraße ist aus dem laufenden Budget nicht finanzierbar. Jetzt hofft man auf Investoren.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Bürgern und Politik sind sie ein Dorn im Auge, doch die Zahl der städtischen Schrottimmobilien nimmt kaum ab: Es fehlt an Geld und Personal.

Das alte Vereinsheim des Paddelclubs „Tümmler“ hat es wieder mal auf die Liste geschafft. Es soll abgerissen werden, „Priorität 1“ – so notiert ein Papier der städtischen Bauverwaltung und warnt vor einer „erheblich beeinträchtigten“ Verkehrssicherheit des maroden Baus im Werden Löwental durch einstürzende Gebäudeteile. Aber keine Bange, das stand da schon vor fünf Jahren, Papier ist geduldig und der städtische Abrisskalender offenbar ganz besonders.

Denn bei dem Versuch, den Bestand an städtischen Schrottimmobilien Zug um Zug abzuarbeiten, kommt immer wieder was dazwischen: Der Abbruch von Gebäuden, die „aufgrund ihres schlechten baulichen Zustands keiner anderen Verwendung mehr zugeführt werden können“, er konkurriert im Bau-Budget mit ebenso dringlichen anderen Projekten der Bauunterhaltung.

Bürger wie Politiker ärgern sich schwarz

Und so werden selbst dringliche Abbruchmaßnahmen ein ums andere Mal verschoben, was sich als keineswegs billige Ausflucht erweist. Denn für Entwässerung, für die Sicherung der Gebäude und für die Versicherung werden Zehntausende Euro aufgewandt.

Bürger wie Politiker ärgern sich schwarz über jahrelang ungenutzte städtische Immobilien, die im Idealfall nur still vor sich hin gammeln, oft aber als regelrechter Schandfleck ein ganzes Quartier mit runterziehen – von Graffiti und Vandalismus ganz zu schweigen: Wo das möglich ist, reicht die Stadt die Abbruchkosten an Investoren weiter und berücksichtigt den Aufwand wertmindernd beim Grundstückspreis.

Neun Abbrüche für zusammen 3,5 Millionen Euro

Das Beispiel der alten Volkshochschule aber zeigt, dass man hier mitunter einen langen Atem braucht: 2004 zog das Haus der Erwachsenenbildung an den Burgplatz, erst zehn Jahre später wurde der PCB-belastete Altbau an der Hollestraße dem Erdboden gleichgemacht, und noch immer ist das Gelände eine Brache. Den Abriss zu forcieren sei „eine weise Entscheidung“ gewesen, sagt heute Baudezernentin Simone Raskob, die den nicht schmaler werdenden Abrisskalender der Stadt mit fehlendem Geld und Personal erklärt.

Dabei zeigen die von der Stadt präsentierten Listen, dass die Abbruchkosten stetig steigen. Allein jene neun Abbrüche, die man sich für das laufende Jahr vorgenommen hat, schlagen mit knapp 3,5 Millionen Euro zu Buche. Acht weitere Abrisse der Prioritäten 1 und 2 und erst recht die zehn als nachrangig eingestuften Vorhaben der Priorität 3 gelten als zurzeit nicht finanzierbar.

Zum Abriss-Etat braucht es auch das Personal

Ohnehin nützt der schönste Etat nichts, wenn in der Bauverwaltung die entsprechenden Leute fehlen, um die angestoßenen Projekte fachlich zu begleiten. Immerhin wurden jüngst zusätzliche Planstellen eingerichtet, Baudezernentin Raskob winkt deshalb mit dem Hinweis, zwei weitere kleine Abbrüche seien machbar, wenn denn der Etat entsprechend aufgestockt wird. Eine alte Trafostation an der Oberen Aue in Heisingen wird dafür etwa ins Auge gefasst.

Und vielleicht ist auch das alte Vereinsheim im Löwental darunter. 130.000 Euro kostet dessen Abriss. Könnte man natürlich auch was anderes mit machen.

>>> FINANZIERUNG GESICHERT: HIER KOMMT DER BAGGER

  • Am Brauhaus 16 in Schönebeck
  • Fahrzeughalle Betriebshof, Elisenstraße 70-72
  • Schule an der Ruhr, Mintarder Weg 43
  • Andreasschule, Von-Einem-Straße
  • Sternschule, Brigittastraße
  • Altfriedschule, Frintroper Straße
  • Ehemalige Hatzperschule, Hatzperstraße 186
  • Toilettenanlage Antoniusschule, Im Haferfeld
  • Ehemalige Asylunterkunft, Im Löwental 19

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