Deutsches Rotes Kreuz

Mangel an Pflegekräften drückt das DRK Essen ins Minus

Frank Dohna (l.), Vorstandsvorsitzender des DRK Essen, und Vorstand Matthias Bürvenich haben 2015 die Leitung des wirtschaftlich angeschlagenen Kreisverbandes übernommen.

Frank Dohna (l.), Vorstandsvorsitzender des DRK Essen, und Vorstand Matthias Bürvenich haben 2015 die Leitung des wirtschaftlich angeschlagenen Kreisverbandes übernommen.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Deutsche Rote Kreuz hat im vorigen Jahr erneut rote Zahlen geschrieben. Vor allem in der Pflege gibt es Probleme. Sparprogramm soll helfen.

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Nach einem Millionenverlust im Jahr 2017 war der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Essen eigentlich zuversichtlich, dass es künftig nicht mehr so katastrophal laufen würde. Diese Hoffnung hat sich allerdings 2018 noch nicht erfüllt.

Zwar konnte das DRK sein Minus in der Bilanz etwa halbieren, aber es stand immer noch ein deutlicher Verlust von fast 440.000 Euro zu Buche. Damit setzten sich die wirtschaftlich angespannten Zeiten beim Kreisverband fort. Seit 2013 schreibt dieser mit Ausnahme eines Jahres durchweg rote Zahlen. Auch der neuen Leitung ist es nach der jahrelangen Führungskrise, die das DRK 2015 hinter sich gelassen hatte, somit noch nicht gelungen, den Verband nachhaltig auf gesunde Füße zu stellen. Immerhin heißt es mit Blick auf dieses Jahr zuversichtlich: Das DRK werde 2019 operativ schwarze Zahlen liefern.

DRK Essen konnte Pflegeheim in Horst nicht voll auslasten

Das DRK ist in Essen unter anderem einer der großen Betreiber von Pflegeheimen. Die drei Heime in Rüttenscheid, Freisenbruch und Horst bieten zusammen über 400 Betten an. Hinzu kommen Dienstleistungen des DRK wie der Rettungs- und Hausnotrufdienst. Allerdings wird bei den jüngsten Entwicklungen immer wieder deutlich, dass das DRK sehr stark von seinem größten Standbein, der Pflege, abhängig ist. „Pflege ist immer schwieriger, wirtschaftlich zu betreiben. Das ist alles auf Kante genäht“, sagt der DRK-Vorstandsvorsitzende Frank Dohna mit Blick auf die Margen, die in der Pflege bei etwa zwei Prozent lägen. 2017 war das DRK wegen neuer gesetzlicher Regeln bei der Berechnung der Pflegeheimkosten tief in die Miesen gerutscht. Das DRK musste bei den kalkulierten Investitionskosten massive Wertberichtigungen vornehmen. Auch beim Pflegedienst „Tagespflege Daheim“ gab es in der Vergangenheit Anlaufprobleme.

Im vergangenen Jahr wiederum konnte das DRK das neue Pflegeheim Solferino an der Dahlhauser Straße im Stadtteil Horst nicht auslasten. Von 125 Betten durften zwischenzeitlich nur knapp 100 belegt werden. Bei 3000 Euro, die ein Pflegeplatz laut Dohna im Monat kostet, summiert sich das auf eine stolze Summe.

DRK spart beim Einkauf und der Hauswirtschaft

Der Grund klingt alarmierend: Das DRK fand nicht genügend ausgebildetes Personal, um die Pflegestandards im Heim abzusichern. Das hatte zum einen damit zu tun, dass Mitarbeiter nicht mehr in dem neuen Heim arbeiten wollten und an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehrten, zum anderen ist der Arbeitsmarkt für examinierte Pflegekräfte leergefegt. „Wir bekommen keine“, unterstreicht Dohna. Nur mit hartnäckiger Akquise und Ausbildung sei es schließlich gelungen, die rund zehn freien Stellen zu besetzen. Die Qualitätsprüfung für das Heim schaffte das DRK erst im zweiten Anlauf. Mittlerweile sei Solferino voll belegt.

Um die Kosten nachhaltig zu senken, hat der Kreisverband in diesem Jahr ein Sparprogramm aufgelegt. Damit sollen die Ausgaben künftig pro Jahr um 200.000 Euro reduziert werden. Unter anderem wurde der Einkauf für alle drei Heime zentralisiert und deutlich Personal im hauswirtschaftlichen Bereich gespart. Damit habe aber auch die Arbeitsverdichtung der Pfleger zugenommen, die diverse Aufgaben nun mit übernehmen sollen, heißt es aus internen Kreisen.

Erste DRK-Kita eröffnet im Sommer 2021

Als weiteren Schritt zur wirtschaftlichen Gesundung will sich der Verband breiter aufstellen und künftig im Stadtgebiet auch Kindertagesstätten betreiben. Im März 2020 ist Baustart für eine Kita an der Bochumer Landstraße, in der ab Sommer 2021 das DRK insgesamt 76 Plätze anbieten will. Des Weiteren soll nach der Sanierung des Heimes in Freisenbruch dort ebenfalls eine Kita einziehen.

Ein finanzieller Befreiungsschlag für das DRK dürfte 2019 der Verkauf der Immobilie an der Hachestraße sein. Dort saßen jahrzehntelang u.a. die Verwaltung und der Rettungsdienst. Das Grundstück veräußerte das DRK an das benachbarte Bauunternehmen Harfid. „Aber auch ohne diesen Verkaufserlös werden wir 2019 schwarze Zahlen schreiben“, betont Dohna.

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