Corona

Lüften, waschen, hoffen: Corona-Alltag an Essener Schule

Rund 220 Kinder besuchen die Karlschule in Altenessen - seit einiger Zeit mit Maske, die nur am Platz abgesetzt werden darf.

Rund 220 Kinder besuchen die Karlschule in Altenessen - seit einiger Zeit mit Maske, die nur am Platz abgesetzt werden darf.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Mechthild Bönte, Leiterin einer Grundschule in Essen, bleibt entspannt, bereitet mit ihrem Team trotzdem alles für einen erneuten Lockdown vor.

Mechthild Bönte hat schon einiges erlebt in ihren vielen Jahren als Lehrerin und Leiterin der Karlschule in Altenessen. Im nächsten Jahr geht die 65-Jährige in Pension. Da ist die Corona-Pandemie wie ein i-Tüpfelchen - leider kein positives: „Mein letztes Jahr habe ich mir anders vorgestellt“, sagt Bönte. Dennoch strahlt sie eine gut organisierte Ruhe und Gelassenheit aus. Gestresst? Genervt? Nein: „Wir leben mit Corona.“

Schüler in Essener Grundschule tragen immer Maske, wenn sie nicht am Platz sitzen

Und das sieht nach den Herbstferien so aus, dass die Erst- und Zweitklässler der Karlschule morgens etwas eher kommen als die Dritt- und Viertklässler. So werde diese Situation schonmal entschärft, es kämen nicht so viele Schüler zugleich an.

Maske getragen wird immer dann, wenn die Schüler nicht am Platz sitzen, Pause wird im Klassenverband gemacht, dann ohne Mund-Nasenschutz. So war es schon vor den Herbstferien, so geht es jetzt auch weiter. Desinfektionsmittel hat die Schule aus eigenen Mitteln angeschafft, ebenso Spuckschutzwände für die Lehrer. „Das ist besonders bei der Lernförderung wichtig und auch, wenn die Lesepaten in die Schule kommen“, erklärt Mechthild Bönte.

Dieses Konzept scheint aufzugehen: Zwischen den Sommer- und den Herbstferien habe es an der Karlschule keinen Coronafall gegeben. Der einzig registrierte Fall sei vor den Sommerferien aufgetreten.

Beim letzten Lockdown habe es Materialpakete für Eltern und Schüler gegeben, die einzeln in der Schule ausgegeben worden seien. Die Sozialpädagogen hätten zudem die Lehrer unterstützt und Kontakt zu den Familien gehalten. So würde es im Fall der Fälle wohl wieder laufen. „Unsere Kinder brauchen den Bezug und auch eine gewisse Zuwendung“, sagt Mechthild Bönte, die deswegen froh ist, dass der Unterricht am Montag nach den Ferien trotz der hohen Corona-Zahlen wieder startete.

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Einige besorgte Erstklässler-Eltern hätten sich gemeldet. Nicht etwa, weil sie Sorge vor Ansteckung ihrer Kinder hätten, sondern vielmehr, weil sie Sorge haben, dass ihre Kinder frieren. Alle 20 Minuten ist laut Corona-Verordnung nämlich ab sofort für fünf Minuten Stoßlüften angesagt.

Man führe sich das mal vor Augen: 25 Erstklässler kommen zur Schule, waschen erstmal alle nacheinander die Hände - wenn jeder die empfohlenen 30 Sekunden einhält, sind locker 15 Minuten Unterrichtszeit vorbei. Nach weiteren fünf Minuten ist dann Lüften angesagt. Mechthild Bönte bleibt ihrem Wesen treu und somit gelassen: „Das ist alles halb so wild.“

Händwaschen läuft parallel zum Unterricht

Händewaschen laufe parallel zum Unterricht und Bewegungseinheiten habe es schon immer gegeben, die Kinder könnten schließlich niemals 45 Minuten still sitzen. Die Bewegungseinheiten werden jetzt während des Lüftens gemacht und die Eltern wurden explizit gebeten, den Kindern eine zusätzliche Jacke einzupacken.

Von den Eltern der anderen Klassen sind keine Sorgen an Mechthild Bönte herangetragen worden. Die kennen „ihre“ Schule und vertrauen offenbar der Organisation und dem Team, für das die Chefin nur lobende Worte findet: „Die Kollegen sind absolut engagiert.“

Keine Kapazitäten für Teilung der Klassen

Klar fände die Schulleiterin es schöner, wenn die Klassen geteilt werden könnten, so wie es das Robert-Koch-Institut für Hotspot-Regionen vorschlägt, in denen die Inzidenzzahl bei über 50 Fällen pro 100.000 Einwohner liegt - so wie es derzeit in Essen der Fall ist. Damit wäre das Ansteckungsrisiko geringer und der Lerneffekt höher. Doch: „Wir haben nicht genug Räume und auch nicht genug Lehrer dafür“, weiß Bönte.

Würde sie bei einem erneuten Lockdown anders handeln als im März? „Schön wäre, wenn die Kinder bis dahin mit Tablets ausgestattet wären“, sagt die Schulleiterin und hofft auf die NRW-Landesregierung, die dieses Versprechen gemacht habe. Ziel sei nämlich, dass die Grundschüler dann mithilfe von Lernvideos ihren Stoff vermittelt bekommen. Die Lehrer seien dafür geschult worden und probieren das jetzt aus.

Schüler und Lehrer üben Umgang mit Videos

„Ein neuer Buchstabe wird jetzt zum Beispiel mithilfe eines Videos eingeführt“, erklärt Bönte. Und das noch im Unterricht vor Ort. So könnten Schüler und Lehrer feststellen, wo es noch hakt und nachbessern, bevor wieder alle zu Hause bleiben sollen. Wann und ob das der Fall sein wird erfährt sie wahrscheinlich irgendwann nachts. Und das ist der Punkt, an dem die Gelassenheit der Lehrerin ins Wanken gerät und sie ein ganz kleines bisschen wütend wird: „Das meiste, was das NRW-Schulministerium entscheidet und verordnet erfahren wir entweder nachts, oder aus der Presse.“

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