Theater

Live-Animation „Metropolis“ bricht mit allen Sehgewohnheiten

Grandios: Sven Seeburg in der Rolle des kalten Oligarchen, hier zusehen bei einer Probe zu „Metropolis“.

Grandios: Sven Seeburg in der Rolle des kalten Oligarchen, hier zusehen bei einer Probe zu „Metropolis“.

Foto: Svenja Hanusch

Essen.   Die Live-Animation des legendären Stummfilms „Metropolis“ sorgt in der ausverkauften Casa für staunende Blicke. Rollen sind grandios besetzt.

Als regelmäßiger Theaterbesucher ist man bereits vieles gewöhnt: Ungewöhnliche Kulissen, karge Bühnenbilder und fantasievolle Kostüme, aber auch Szenen, die durch Videoeinspielungen, Hörspiele und Livemusik aufgeputscht werden, sind mittlerweile gängige Stilmittel.

Doch was Regisseur Nils Voges und das Künstlerkollektiv „Sputnic“ in der Casa zeigen, bricht mit allen üblichen Sehgewohnheiten: Mittels drei Overhead-Projektoren inszenieren sie Fritz Langs monumentalen Stummfilm „Metropolis“ als Live-Animation und schaffen so völlig neue Bilder des Meisterwerkes.

Bilder wie im legendären Stummfilm

Vier Schauspieler bedienen fast manisch getrieben die Projektoren, werfen die Bilder an die Wand, bewegen die scharf geschnittenen Silhouetten und erwecken die Figuren mit ihrer Stimme zum Leben. Was zunächst ziemlich abgedreht wirkt, entwickelt in den nächsten zwei Stunden einen Sog, dem sich keiner in der ausverkauften Casa entziehen kann.

Das liegt auch am Thema des legendären Stummfilms: Der erzählt von ausgebeuteten Malochern und skrupellosen Machtmenschen, vom Kampf zwischen Mensch und Maschine und hat auch 91 Jahre nach der Premiere an Aktualität nichts verloren.

Schwarz-Weiß wie der Originalfilm sind die Bilder, Schwarz-Weiß auch die Kostüme der Schauspieler. Die geben allein durch ihre Stimmlagen den comicartigen Scherenschnitt-Figuren eine Tiefe und eine Melancholie, die weit entfernt ist von der sonstigen Schwarz-Weiß-Malerei.

Rollen in „Metropolis“ sind grandios besetzt

Allesamt sind sie in ihren unterschiedlichen Rollen grandios: Allen voran Sven Seeburg, der als kalter Oligarch Metropolis beherrscht und als besessener Fritz Lang seinen Film retten will. Aber auch Aless Wissmann als betörende Traummaschine und charismatische Rebellin Maria ist eine Wucht, ebenso Kerstin Pohle, die in der Rolle von Langs Ehefrau Thea von Harbou vehement die männlichen Privilegien anficht, gleichzeitig als Maschinenfrau Vernichtung prophezeit und mit operettenhaften Gesang in einer Kunstsprache die schlussendliche Vernichtung von Metropolis untermalt.

Nicht zu vergessen Alexey Ekimov, der als Filmvorführer durch die Geschichte leitet und als Sohn des Oligarchen das Elend, den Abgrund aber auch die Liebe entdeckt – und dafür sein Leben lässt. Sie alle schaffen magische Momente und unvergessene Bilder. Dafür gibt es zum Schluss tosenden Beifall.

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