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Lichtburg-Führung: Die Kino-Ikone  bittet zum Bühnenbesuch

Die Zeiten von Zelluloid sind vorüber: Bernhard Wilmer macht die Gruppe im Vorführraum mit der digitalen Technik vertraut.

Foto: Christof Köpsel

Die Zeiten von Zelluloid sind vorüber: Bernhard Wilmer macht die Gruppe im Vorführraum mit der digitalen Technik vertraut. Foto: Christof Köpsel

Essen.   Führung durch Deutschlands größten und schönsten Filmpalast: Leser bekommen in der Lichtburg auch einen exklusiven Blick hinter die Leinwand.

Es gab einmal Zeiten, da zählte die Lichtburg bis zu 10 000 Besucher am Tag. Das war in den 1950ern und „fünf bis sechs ausverkaufte Vorstellungen pro Tag“ keine Seltenheit, erklärt Theaterleiter Bernhard Wilmer. Der Hunger nach Bildern, er wird inzwischen auf viele verschiedene Arten gestillt. Die Lichtburg aber ist bis heute die stilvollste Adresse, um das große Leinwanderlebnis auf sich wirken zu lassen. Davon konnten sich jetzt 26 Leser bei der Kino-Führung im überzeugen. Für knapp drei Stunden wurde ihnen exklusiv der Rote Teppich ausgerollt und so manche Anekdote aus 80 Jahren Kinogeschichte präsentiert.

„Ich erinnere mich noch gut an die Karl-May-Filme in den 1960ern“, sagt Georg Langer. „Fast alle Premieren fanden damals in Essen statt“, erklärt Wilmer. Lex Barker, Pierre Brice, Cary Cooper und Romy Schneider – heute heißen die Stars Daniel Brühl, Joachim Król oder Matthias Schweighöfer, die auf dem Roten Teppich bejubelt werden. Die Lichtburg ist mit 1250 Plätzen nicht nur Deutschlands größter Kinosaal, sondern wieder ein gefragtes Premierenkino. Inzwischen ist das Lichtspielhaus zudem ein angesagter Konzert- und Veranstaltungsort. „Kraftwerk hat dafür gesorgt“, erklärt Wilmer. Seit die Düsseldorfer Band hier sieben ausverkaufte Konzerte hintereinander spielte, wollen viele in der Lichtburg auftreten. „Vor zwei Wochen erst waren die ,Toten Hosen’ da,“ berichtet der Theaterleiter. „Nur mit Kino allein kann man das Haus nicht mehr betreiben.“

Wie wird ein Filmpalast zur Konzertbühne

Wie so ein Filmpalast zur Konzertbühne wird, erfahren die Leser hinter der halb hochgezogenen Leinwand. „Bitte nicht berühren“, mahnt Wilmer. „Eine Leinwand kann man nicht reinigen.“ Für die letzte Umrüstung des 13 Meter hohen Tuchs wurden etliche Arbeitsstunden und jede Menge Manpower gebraucht. „Ein phänomenaler Blick“, schwärmt Marlies Bieder, die als passionierte Kinogängerin die exklusive Sicht von der Bühne in den großen, denkmalgeschützten Saal genießt. Und während Wilmer die Geschichte der Lichtburg Revue passieren lässt – die 1928 mit 2000 Plätzen, Stummfilm-Orgel und Kino-Orchester beginnt, nach dem Krieg von Kinochefin Ilse Menz weitergeführt wird und ihre Glanzzeit erlebt, dann fast vor der Schließung steht,

Anfang 2000 schließlich neu eröffnet und heute in den Händen von Marianne Menze und ihrem Team liegt – schwelgen viele in Erinnerungen. Die Lichtburg ist eben beides: großes Kino mit modernster Technik und ganz viel Zeitgeschichte. Nicht ohne Grund freut sich der Filmpalast wohl über „das bestlaufendste Seniorenkino der Republik“, so Wilmer. „Uns geht es darum, dass die Leute ein gemeinsames Kinoerlebnis haben.“

Eines mit Flair und historischem Ambiente. „Die Fassade ist noch original 1920er“, sagt Wilmer. Im Kinoinnern freilich hat sich ein bisschen was verändert. Und im Vorführraum ist die Gruppe im digitalen Zeitalter angekommen. Auch der Aufzug in die oberste Etage ist noch vergleichsweise neu. Bis dahin wurden die Filmkopien über die Treppe hinauf getragen. „Wenn der Film gerissen war, musste der Vorführer rennen“, erzählt Wilmer.

Filme kommen auf Festplatten an

Inzwischen werden Filme auf Festplatten geliefert und auf dem Server gespeichert. „Das ist Spider-Man. In 2D, 3D, in der deutschen Synchronfassung und im Original.“ Wilmer hält eine kleine Festplatte hoch. Früher benötige man dafür vier Kopien. „Die Lichtburg“, sagt Wilmer, „war eines der ersten Kinos, die auf digital umgestellt haben.“ Die gelernte Metallografin Alexandra Fehrmann begutachtet die Projektionslampen. „Die Technik hier interessiert mich sehr.“ Dass sie keinem Vorführer mehr trifft, ist der neuen Technik geschuldet. „Das Programm von der Nachmittags- bis zur Abendvorstellung läuft inzwischen automatisch ab“, sagt Wilmer. Und doch ist der Beruf hier noch nicht ganz ausgestorben: „Wir haben in jedem Kino noch einen analogen Projektor. “

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