Leggewie-Nachfolge

Leggewie-Nachfolge: Favorit gibt KWI Essen einen Korb

Der Chefsessel im Kulturwissenschaftlichen Institut (neben dem Folkwang Museum)  ist demnächst vakant. Professor Claus Leggewie geht in Ruhestand, sein potenzieller Nachfolger Jörn Leonhard machte einen Rückzieher.

Foto: Ulrich von Born

Der Chefsessel im Kulturwissenschaftlichen Institut (neben dem Folkwang Museum) ist demnächst vakant. Professor Claus Leggewie geht in Ruhestand, sein potenzieller Nachfolger Jörn Leonhard machte einen Rückzieher. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Claus Leggewie (67), Chef des Kulturwissenschaftlichen Instituts, geht bald in Ruhestand. Jörn Leonhard ist Nachfolge-Favorit, doch er sagt ab.

Der Freiburger Historiker Jörn Leonhard hat dem renommierten Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen einen Korb gegeben. Der Gelehrte, Favorit der Findungskommission, wird den Direktorenposten doch nicht übernehmen. Somit bleibt die Nachfolge von Claus Leggewie (67), der den Chefsessel aus Altersgründen Ende August räumen wird, vorerst ungeklärt.

Für eine Interimsperiode soll nun KWI-Historikerin Ute Schneider als kommissarische Institutsleiterin eingesetzt werden, heißt es.

Auf Anfrage dieser Zeitung wollte Professor Jörn Leonhard seine Absage nicht näher erläutern. „Es sind persönliche Gründe“, sagte der 50-Jährige, der an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas innehat. Leonhard hat den Bestseller „Die Büchse der Pandora“ verfasst, eine viel gelobte Abhandlung über den Ersten Weltkrieg. Von der Freiburger Universität, so Leonhard, habe ein Bleibeangebot vorgelegen. „Ich habe mich entschieden, in Freiburg zu bleiben.“

Rektor Ulrich Radtke von der Universitäts-Allianz Ruhr bedauert Absage des Freiburger Geschichtsprofessors

Das KWI, eine Art Wissenschaftszentrum NRW, wurde 1989 gegründet und ist ein Forschungskolleg der Universitäts-Allianz Ruhr, in der sich die Universitäten Duisburg-Essen (UDE), Bochum und die TU Dortmund zusammengeschlossen haben. Leonhards Verhandlungspartner war UDE-Rektor Ulrich Radtke. Er reagiert gelassen auf die Absage: „Es ist natürlich sehr bedauerlich, wenn ein Berufungsverfahren nicht im ersten Anlauf zum Abschluss gebracht werden kann.“

Radtke geht nicht davon aus, dass die Absage das Ansehen des KWI beschädigt. Damit sei jede Universität und Forschungseinrichtung, so renommiert sie auch sein möge, immer wieder konfrontiert. „Wir sind aus gutem Grund davon überzeugt, dass das KWI auch in Zukunft eine hervorragende wissenschaftliche Adresse ist und von einer überzeugenden Persönlichkeit geleitet werden wird.“

Prominent besetzte Findungskommission gab Votum für Jörn Leonhard schon im letzten September ab

Mit der Suche des Leggewie-Nachfolgers hat sich die vor anderthalb Jahren eingesetzte und prominent besetzte Findungskommission unter Vorsitz von Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung, befasst. Das Votum für Leonhard hat sie bereits im vergangenen September abgegeben.

Dass sich die Verhandlungen monatelang hingezogen haben und schließlich in eine Absage mündeten, hat in Wissenschaftskreisen für Irritationen gesorgt. Die Universitäts-Allianz wiederum bedauert, dass der Name des Nachfolge-Favoriten mitten im Berufungsverfahren die Öffentlichkeit erreicht habe.

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