Ordensschwester

Lebenslänglich ab 2014

Lehrerin wollte Regina Greefrath schon immer werden. Doch nicht nur als solche kehrte die ehemalige Schülerin an die B.M.V. Schule zurück.

Lehrerin wollte Regina Greefrath schon immer werden. Doch nicht nur als solche kehrte die ehemalige Schülerin an die B.M.V. Schule zurück.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   ...wird sich Regina Greefrath dem Orden der Augustiner Chorfrauen verschreiben. Die ehemalige BMV-Schülerin kehrte als Lehrerin und Schwester an ihre Schule zurück.

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Völlig abgeschottet von der Außenwelt, in langen dunklen Gewändern und kühlem Gemäuer, dort wo gilt: Nicht lachen, nur beten! So stellen sich viele das Leben im Kloster vor und fragen sich unumwunden: Wer bitteschön tritt da heutzutage noch freiwillig ein? Regina Greefrath zum Beispiel. Und nicht nur, dass sie dem Orden der Augustiner Chorfrauen 2009 beitrat, macht sie besonders – sie kehrt nun zugleich als Lehrerin an die von denen geführte B.M.V. Schule zurück, wo sie selbst vor zehn Jahren Abitur gemacht hat.

„Lehrerin wollte ich immer werden“

Eine alte Freundin habe mal zu Schulzeiten gesagt: „Also entweder du wirst Mutter von vier Kindern, oder du gehst ins Kloster.“ Wenn Schwester Regina sich heute zurückerinnert, muss sie schon ein wenig lachen. „Damals habe ich sie für verrückt erklärt“, erzählt die 30-Jährige, „ins Kloster kriegen mich keine zehn Pferde, habe ich gesagt.“ So verrückt scheint die Schulfreundin dann doch nicht gewesen zu sein, und zumindest in der Abi-Zeitschrift hat sie „Lehrerin für Englisch und Katholische Religion“ als Berufswunsch eingetragen. „Lehrerin wollte ich immer werden“, betont Schwester Regina, „aber Reli, Kirche und alles, was dazugehört, war zu Schulzeiten ja noch total ,uncool’.“ Sonntags mit den Eltern in den Gottesdienst? Nur widerwillig.

info Nach dem Abi und mit der Reife entschied sie sich 2003 aber doch fürs Theologiestudium in Münster, Zweitfach Spanisch. Letzteres war dann auch der entscheidende Punkt: Durch ein Auslandsjahr in Madrid, wo die Universität von Jesuiten geführt wird und Laien generell nicht Theologie studieren, kam die junge Studentin zum ersten Mal in Kontakt mit einer Ordensgemeinschaft. „Hä, du studierst Theologie?!“, das habe dort niemand blöd gefragt. „Da musste ich mich nicht schämen“, sagt die 30-Jährige.

Sie entschied sich also für ein Referendariat im Kloster, zunächst in Paderborn. Nach Studienabschluss nahm sie bewusst eine Vertretungsstelle an der B.M.V Schule an, „das war schon ein komisches Gefühl“, sagt Schwester Regina, „die Hälfte meiner ehemaligen Lehrer waren plötzlich Kollegen.“ Als Regina (noch) Greefrath 2009 dem Orden beitrat, hätten viele gesagt „hab ich’s doch gewusst“. Dabei ist es mehr als nur ein kleiner Schritt: Zunächst steht ein Jahr „Postulat“ an, in dem jede Anwärterin in Zivilkleidung das Leben im Kloster „testet“, darauf folgt ein Jahr „Noviziat“ – in Ordenskleidung mit weißem Schleier. Erst dann kommt das Gelübde, in dem Ordensschwestern öffentlich Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam versprechen. Was aber nicht heißt, dass ihre Arbeit nicht bezahlt und sie irgendwie eingesperrt ist. Es geht um das Leben in der Gemeinschaft, kochen, waschen und putzen muss Schwester Regina nicht, auch Autos werden gemeinsam genutzt. Die 13 Ordensschwestern des Klosters, das eigentlich Platz für 72 bietet, leben wie eine große Familie. samt 3-jähriger Verpflichtung.

Lieblingstier Pinguin?

Die drei Jahre enden bei Schwester Regina im Oktober 2014, ab da verpflichtet sie sich lebenslänglich. „Danach ist ein Austritt schwierig, so wie bei einer Scheidung“, so die Essenerin. Das käme für sie aus jetziger Sicht Ohnehin nicht in Frage, „ich vermisse nichts“, sagt die 30-Jährige. Mode interessiere sie weniger, das sei auch ganz praktisch, nicht jeden Morgen überlegen zu müssen, was man anziehen soll. Es ist jeden Tag das gleiche, schwarz-weiße lange Ordensgewand, an heißen Tagen ein hellgraues. Es gehört für die junge Frau immer dazu – als „Ausdruck ihrer Überzeugung“.

Oder ihres vermeintlichen Lieblingstiers, dem Pinguin? „Wir sehen ja nun mal wirklich fast so aus“, sagt sie gelassen, „die Scherze mache ich mit, so viel Humor muss sein.“ Bei vielen schinde das aber auch Eindruck, vor allem bei den Fünftklässlern, die hätten noch einen Heidenrespekt. Manche Schüler bewundern sie, manche fassen mehr Vertrauen zu ihr als zu anderen Lehrern. Nur wenn sie in der Innenstadt unterwegs ist, müsse sie sich auch auf Sprüche gefasst machen und komische Blicke.

Und einmal, im tiefsten Bayern, bot ihr eine etwa 80-Jährige Frau ihren Sitzplatz im Bus an, „liebe ehrwürdige Schwester.“ Aber da habe sie sich irgendwie nicht angesprochen gefühlt.

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