Restaurantkritik

Le Chat noir: Das Essener Bistro ist Genuss für alle Sinne

Olaf Meier betreibt seit 2004 das Weinokal Le Chat Noir an der Brigittastraße in Essen Rüttenscheid. Foto:

Olaf Meier betreibt seit 2004 das Weinokal Le Chat Noir an der Brigittastraße in Essen Rüttenscheid. Foto:

Foto: Dirk Bauer / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Bistro Le Chat noir in Essen überzeugt durch Aroma- und Weinvielfalt. Die Speisen haben durch Corona nicht an Qualität eingebüßt.

Den Auftakt zu Restaurantbesuchen im Zeichen der Coronakrise bildet ein Klassiker am Rande von Rüttenscheid, das Le Chat noir, das seit 40 Jahren als Weinlokal und Bistro über den Rand Essens hinaus bekannt ist. Das Erfrischende an der schwarzen Katze ist die stetige Weiterentwicklung des Konzepts der frankophilen Gemütlichkeit.

Reservierung im Vorfeld ist ratsam

Seit dem Umbau im Sommer 2019 ist der Gastraum mit der Bar unangetastet geblieben, die Küche wurde vergrößert und es gibt nur noch Unisextoiletten, hier Diverse Orte genannt, mit der Wahl zwischen Sitz- und Steh-Orten. Der seit 40 Jahren funktionieren Charme ist geblieben und wer will, kann bei warmen Temperaturen auch draußen auf der kleinen Terrasse speisen. Damit die nötigen Abstände zwischen den Tischen garantiert wird, haben nun nur noch ca. 26 Personen im Lokal Platz. Es werden Dank der bodentiefen Fenster die Räumlichkeiten sehr gut durchlüftet, Tische im Vorfeld zu reservieren ist ratsam.

Weinangebot so groß wie vor vor Corona

Nach der Handdesinfektion und der Namensabgabe gibt es eine eingeschränkte Speisenauswahl, die nun auf den diversen Tafeln abzulesen ist. Die Weinkarte hingegen bleibt uneingeschränkt mit den Schwerpunkten Frankreich und Deutschland mit Preisen bei 0.2l -Gläsern zwischen 4,20 – 8 € angemessen, ja sogar preiswert im Vergleich zu anderen Lokalitäten in Rüttenscheid.

Um den ersten Besuch eines Restaurants gebührend zu feiern, gönnen wir uns zu viert eine Flasche Crémant (29€/Fl.). Als Vorspeise wählen wir einen gratinierten Ziegen-/Schafskäse mit einem Chutney und Salatbouquet und Vitello mit Paprika-Oliven-Relish und ebenfalls einem Salatbouquet. Ein Riesling vom Weingut Korell (0,2/7|) begleitet meine Vorspeise. Neben dem sehr guten Dressing des Salatbouquet überrascht die angenehme Säure und Fruchtigkeit des Relishs zum Kalb, eine kreative, wohlschmeckende Alternative zum sonst immer gern gereichten Vitello Tonnato.

Vorspeise überzeugt durch harmonische Aromavielfalt

Der sehr gut gratinierte Käse wird von einem äußert mild-fruchtigen Curry-Chutney begleitet. Das sich im Vordergrund spielende, aber nicht überlagernde Curry führt zu einem Ratespiel, was die Grundlage des Currys bildet? Auf Nachfrage bei dem sehr angenehmen und wissenden Service sind wir schlauer: Ananas. Die Vorspeisen glänzen durch eine Aromavielfalt, die sehr harmonisch daherkommen und die Hauptkomponente umschmeicheln, aber im Vordergrund belassen. Als Hauptspeise wählen wir Sauerbraten vom Wildschwein mit Mandel-Spargel und Kartoffelwürfeln sowie Perlhuhnbrust, Spargelrisotto, Ruccolapesto und geschmolzene Tomaten (je 17,50€). Auf Empfehlung des Service nehme ich einen Rotwein, Cotés du Rhone, Domain De Plaguier (0,2/7€), der sehr gut mit dem Gericht harmoniert.

Das Arrangement auf dem Teller ist stimmig

Der Sauerbraten vom Wildschwein ist wunderbar mürb, aber nicht zu trocken, die dunkle, sehr sämige Soße ist mit Rosinen verfeinert, der grüne Spargel mit Mandelblättchen hat noch Biss und die Kartoffelwürfel sind knusprig wohl gewürzt und sehr üppig. Alles in allem ein sehr leckerer, aufeinander abgestimmter Teller. Auch die Perlhuhnbrust ist auf den Punkt gegart, keinesfalls zu trocken und das Risotto harmoniert mit dem frischen Pesto. Hervorzuheben ist auch hier das Arrangement der Speisen, das Auge isst ja bekanntlich mit - eigentlich nicht üblich in einem Restaurant, das sich Bistro nennt.

Nachtisch führt Naschkatzen in den siebten Himmel

Als bekennender Nachtischverweigerer probiere ich zwei Löffel des Erdnussbutter-Karamell-Cheesecakes meiner Begleitung. Der salzige Karamell überlagert den sehr buttrigen und fluffigen Cheesecake und ist für Naschkatzen der siebte Himmel. Das Le Chat noir ist für mich mittlerweile mehr als ein Bistro. Der ungezwungene Charme, das wuselige Miteinander hat durch Corona sehr gelitten, doch hier findet der Besucher eine Lokalität, die das verspricht, was das Ruhrgebiet gerne scheint zu sein: eine Restauration, die Metropolencharakter lebt.

Dieses Bistro und eigentlich ist es mittlerweile eine Brasserie, ist so unprätentiös, die Speisen haben an Qualität, Zubereitung und Geschmack gewonnen, so dass das Team um Olaf Meier dieses Konzept auch in Paris, London, Berlin oder Wien verwirklichen könnte. Merci et à bientôt!

Le Chat noir Brigittastr. 22, 45130 Essen. Öffnungszeiten: Täglich ab 18:00 Uhr, Coronazeiten: 18:00 – 20:00 Uhr. 20:00 – 23:00 Uhr,Telefon: 0201-792951www.le-chat-noir.de Geschmack: 4 Sterne Atmosphäre: 5 Sterne Service: 4 Sterne Preis-Leistungsverhältnis: 5 Sterne

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