St. Johann Baptist

Lautstarke Proteste gegen Kirchenabriss-Pläne in Altenessen

Wut, Enttäuschung und blankes Entsetzen: Zahlreiche Gemeindemitglieder protestierten am Mittwochabend vor dem Altenessener Gotteshaus gegen den geplanten Abriss der Pfarrkirche St. Johann Baptist.

Wut, Enttäuschung und blankes Entsetzen: Zahlreiche Gemeindemitglieder protestierten am Mittwochabend vor dem Altenessener Gotteshaus gegen den geplanten Abriss der Pfarrkirche St. Johann Baptist.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Altenessen.   Ihre Kirche soll abgerissen werden: Zahlreiche Mitglieder der Gemeinde St. Johann Baptist reagieren mit Zorn und tiefer Enttäuschung.

Die Pläne der Contilia Gruppe für den Abriss und Neubau des Marienhospitals mündeten Mittwochabend in Protesten. Mitglieder der Gemeinde St. Johann Baptist hatten zu einer Mahnwache aufgerufen und zu einer Menschenkette, mit der ihre Pfarrkirche symbolisch vor dem drohenden Abriss geschützt werden sollte. Auf der Pfarrversammlung stellten sich der Kirchenvorstand und Vertreter von Contilia der Gemeinde, die von den Plänen kalt erwischt worden war.

Auf einer Pressekonferenz, zu der Contilia bereits am Morgen geladen hatte, äußerte sich auch Dompropst Thomas Zander zu dem geplanten Abriss. Ruhrbischof Overbeck hatte ihn zum Gemeindeadministrator ernannt, da St. Johann derzeit keinen eigenen Pfarrer hat. Seit dem 1. Oktober übt der Dompropst das Amt aus. Er soll St. Johann bis zur Fusion mit der Gemeinde St. Nikolaus leiten.

Verschwiegenheits-Vereinbarung

Laut Zander war Contilia „vor einigen Monaten“ an den Kirchenvorstand herangetreten mit dem Wunsch, ein 4500 Quadratmeter großes Grundstück für den geplanten Neubau des Krankenhauses zu erwerben. Dieser soll eine Gesamtfläche von 28.000 Quadratmetern einnehmen. Der Vorstand habe sich mehrfach mit dem Anliegen befasst und dieses sehr kontrovers diskutiert. Mit Contilia sei Verschwiegenheit vereinbart worden.

Zander spricht von einer „gewissen Zwickmühle“. Einerseits sei ein neues, modernes Krankenhaus „ein Riesengewinn für den Stadtteil und für den gesamten Essener Norden“. Andererseits sei damit die Aufgabe eines Kirchengebäudes verbunden, „eines liebgewonnen Ortes von Kirche“. „Da sind Menschen im Kirchenvorstand, die sind innerlich zerrissen“.

Letztlich habe der Vorstand beschlossen, das Grundstück zu veräußern. Noch sei es nicht verkauft, aber gegenüber Contilia gebe es „eine Absichtserklärung mit hoher Verbindlichkeit“, so Zander.

Pfarrentwicklungsprozess sah zentrale Pfarrkirche vor

Viele Gemeindemitglieder sind aufgebracht, war doch St. Johann Baptist aus dem Pfarrentwicklungsprozess als zentrale Pfarrkirche der künftig fusionierten Gemeinden hervorgegangen. Die Pfarrkirche werde fallen, „aber es entsteht ein neuer kirchlicher Ort“, sagte Dompropst Zander. Dirk Albrecht, Vorstandssprecher der Contilia Gruppe, kündigte an, dass das neue Krankenhaus sowohl über einen sakralen Raum verfügen werde als auch über Räume für ein Pfarrbüro, „so dass Kirche dort stattfinden kann“. Das Jugendheim bleibt laut Zander bestehen und soll mit Mitteln der Contilia modernisiert werden.

Nicht weit entfernt sei die evangelische Kirche. „Daraus ergibt sich eine ökumenische Perspektive.“ Altenessen habe die Chance, dass etwas Neues entsteht.

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