Gefahrenabwehr

Latente Terrorgefahr: Essen plant die unsichtbare Sicherheit

Trist und trutzig: Optik und Wirksamkeit der Betonsperren sind gleichermaßen umstritten. Auf Sicht soll es bessere Sicherheitslösungen geben.                                                                                                                                                 Foto:Korte

Trist und trutzig: Optik und Wirksamkeit der Betonsperren sind gleichermaßen umstritten. Auf Sicht soll es bessere Sicherheitslösungen geben.  Foto:Korte

Essen.   Bäume, Büsche, Bänke und andere „Stadtmöbel“ sollen Schutz bieten. Bis es soweit ist, bleibt es bei den Betonsperren auf Großveranstaltungen.

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Die massiven Betonsperren bei Großveranstaltungen wie Essen Original oder dem Weihnachtsmarkt werden in diesem Jahr aller Voraussicht nach erneut das Bild der City prägen. Und das nicht etwa, weil sich die Stadt inzwischen mit der Tristesse der fragwürdigen Terrorabwehr abgefunden hätte, sondern weil sie weiter nach geeigneten Sicherheitslösungen sucht. Was allerdings dauern könnte.

Denn das, was der Stadtspitze auf Sicht vorschwebt, ist weit davon entfernt, alle Jahre wieder Betonklötze für mindestens 120.000 Euro zu mieten oder Plätze und Straßen mit hydraulischen Pollern abzusichern, deren Installation Millionen kostet und zudem große planerische Probleme aufwirft, wie eine Arbeitsgruppe herausfand.

Vielmehr wird der Schutz vor latenter Anschlagsgefahr inzwischen als ein wichtiges Thema der künftigen Stadtentwicklung gehandelt – mit dem Ziel: Größtmögliche Sicherheit soll natürlich gewährleistet sein, aber möglichst unsichtbar werden. „Die Herausforderung ist, sie herzustellen, ohne dass sie einem aufgedrängt wird“, sagte Ordnungsdezernent Christian Kromberg am Mittwoch in einem Gespräch mit dieser Zeitung, bevor er am Abend beim Stadtgespräch der CDU-Fraktion im Haus der Technik zum Thema „Risikofaktor öffentliche Veranstaltungen“ seine momentane Sicht der Dinge deutlich machte.

Ständig mit Anschlagsgedanken konfrontiert

Neben den nicht nur in Essen größer werdenden Zweifeln an der Sinnhaftigkeit und Zuverlässigkeit der mangels Alternativen bislang diskutierten Standard-Lösungen, haben die ungewohnt mageren Besucherzahlen des jüngsten Weihnachtsmarkts bei den Verantwortlichen zudem den Argwohn befördert, dass der merkliche Schwund vielleicht doch nicht nur am miesen Wetter gelegen haben könnte.

Mehr und mehr scheint sich inzwischen eine Einsicht durchzusetzen, die heißt: Polizeipräsenz und Terrorsperren mögen insgesamt zwar für ein besseres Sicherheitsgefühl gesorgt haben, dem vorweihnachtlichen Wunsch nach Heimeligkeit aber waren sie durchaus abträglich. Von Terrorsperren umzingelt und so ständig mit dem Gedanken eines denkbaren Anschlags konfrontiert zu sein - das war wohl nicht jedes potenziellen Besuchers Sache, heißt es.

Auch den urbanen Raum aufwerten

Dass „Stadtmöbel“, die sich weitaus unauffälliger in die Umgebung integrieren lassen, auf Sicht für mehr Wohlbefinden sorgen könnten, ist kein exklusives Essener Kalkül, sondern wird längst international diskutiert. Nach Überzeugung von Planern und Architekten würde ein durchdachter und optisch ansprechender Schutz aus Bänken, Bäumen, Büschen, Buhnen, Skulpturen, Kiosken oder Lampen nicht nur den urbanen Raum aufwerten, sondern gleichzeitig unterbinden können, dass Lastwagen Fahrt aufnehmen oder explodierende Bomben ihre Splitterwirkung völlig ungebremst entfalten.

Doch auch für diese Maßnahmen gilt: Sie dürften einen Anschlag erschweren. Ihn verhindern können auch sie nicht.

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