Lastendes Lamento, aufgewühltes Drängen

Rudi Stephan war besorgt um seinen Geist: „Es ist noch so viel Schönes darin“. Wenig später fiel der 28-jährige Soldat durch einen Kopfschuss. Die Musik des vergessenen Komponisten war eine der Entdeckungen im hochinteressanten Extraklang-Konzert „Weltenbrand“ des Folkwang Kammerorchesters auf Zollverein.

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Rudi Stephan war besorgt um seinen Geist: „Es ist noch so viel Schönes darin“. Wenig später fiel der 28-jährige Soldat durch einen Kopfschuss. Die Musik des vergessenen Komponisten war eine der Entdeckungen im hochinteressanten Extraklang-Konzert „Weltenbrand“ des Folkwang Kammerorchesters auf Zollverein.

Chefdirigent Johannes Klumpp leuchtete das Verhältnis von Musik und Politik zwischen den Weltkriegen aus und versicherte sich dabei der Mithilfe von Regisseur Axel Fuhrmann und Schauspielerin Esther Schweins als Rezitatorin. Multimedial, aber klugerweise nicht überladen, mit Kriegsszenen im Original oder als Zeichentrick. Rudi Stephans „Musik für sieben Saiteninstrumente“, nach-wagnerisch auf der Suche nach den Grenzen der Tonalität, ging zwischen lastendem Lamento und aufgewühltem Drängen ebenso unter die Haut wie das Streichquartett, das Viktor Ullmann im Ghetto Theresienstadt schrieb, bevor er in Auschwitz vergast wurde: packende, dicht gewobene Bekenntnismusik von schwerem Gestus mit einem gespenstisch-schattenhaften Scherzo.

Was für ein Kontrapunkt dazu Goebbels propagandistische Elogen auf Hans Pfitzner, den damals deutschesten aller deutschen Komponisten, und dessen rückwärtsgewandtes Andantino aus op. 50. Geiger Youngkun Kwak war der virtuose Solist im schwindelerregenden „Tzigane“ von Maurice Ravel, der sich im Ersten Weltkrieg als Lkw-Fahrer nützlich zu machen bemühte. Mit der Großen Fuge op. 133 setzte Klumpp nicht den heroischen, sondern den Abschied nehmenden Beethoven als Schlusspunkt, filigran gezeichnet vom Folkwang Kammerorchester, das sich an diesem Abend als stilsicherer Anwalt der Musik erwies. Ein vorbildliches Projekt!

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