Opernkino

Lange Kinonacht mit den „Meistersingern“ in der Lichtburg

Szene aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ mit Michael Volle (Hans Sachs).

Foto: Enrico Nawrath

Szene aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ mit Michael Volle (Hans Sachs). Foto: Enrico Nawrath

Essen.   Premiere für „Die Meistersinger von Nürnberg“: Live-Übertragung aus Bayreuth lockt  viele begeisterte  Opern-Fans in die Lichtburg.

Auf eine Karte für die Bayreuther Festspiele wartet man ungefähr zehn Jahre. An der Kasse der Essener Lichtburg beträgt die Wartezeit nur ein paar Minuten. Und schon ist man fast mittendrin, im Wagner-Tempel von Bayreuth. Seit Katharina Wagner das Regiment im fränkischen Opern-Tempel übernommen hat, sind auch die Kinobesucher mit dabei, wenn die ältesten deutschen Musikfestspiele eröffnet werden. Wurden zunächst Wiederaufnahmen vom Grünen Hügel übertragen und Premieren etwas zeitversetzt in die großen Lichtspielhäuser der Republik geschickt, durfte das Publikum in diesem Jahr sogar live dabei sein, als der australische Regisseur Barrie Kosky mit den „Meistersingern von Nürnberg“ sein Wagner-Debüt in dem historischen Musentempel gab.

Die Akustik ist gut und die Bequemlichkeit nicht zu unterschätzen

Für Christel und Bernd Bringewald aus Recklinghausen ein guter Grund, an diesem Abend in die Lichtburg zu reisen. „In Bayreuth waren wir noch nie, aber die Kino-Übertragungen schauen wir uns schon seit Jahren an“, sagt Bernd Bringewald. Die Akustik sei bestens und die Bequemlichkeit der Kinosessel nicht zu unterschätzen. Dazu komme der klimatisierte Kinosaal statt des überhitzten Opernhauses: „Freunde haben uns abgeraten“, sagt Christel Bringewald und freut sich über ein weiteres Programm-Detail: „Die Interviews in den Pausen.“ Die kurzweiligen Einführungen und Talks von Moderator Axel Brüggemann gehören zu den Extras bis kurz vor Mitternacht. Brüggemann sieht im schwarzen Smoking dabei so elegant aus wie ein Teil des Publikums im Parkett. Für viele Fans von „Siegfried“ oder „Parsifal“ gehört es zum guten Ton, nicht in Turnschuhen zur Premiere zu schlendern. „Man ist so nah dran, man bekommt jedes Augenzwinkern mit“, freut sich Regine Schmitz, die das Opernkino nicht nur bei den Wagner-Festspielen schätzt.

Für die Aalto-Besucher ist Barrie Kosky kein Unbekannter

Klassik im Kinosaal ist für sie längst kein Sakrileg mehr. Und sie steht mit dieser Ansicht nicht allein. Die Oper sei ein altes Produkt, das innovativ behandelt werden müsse, hat Festspiel-Chefin Katharina Wagner verkündet. Beispielsweise durch Live-Streams könne sie einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Trotzdem sind unter den vielen hundert „Meistersinger“-Gästen in der Lichtburg etliche eingeschworene Opern-Besucher. Schon weil Barrie Kosky, seit 2012 Chef der Komischen Oper in Berlin, in Essen kein Unbekannter ist. Aalto-Inszenierungen wie „Der Fliegende Holländer“ oder „Götterdämmerung“ sind Rolf Korowski in bester Erinnerung: „Tolles Musiktheater. Großartig, dass so ein Mann schon in Essen inszeniert hat.“ Mit Karl-Heinz Lehner übernimmt zudem ein Bassbariton die Rolle des Nachtwächters, der schon im Ensemble des Aalto-Theaters gesungen hat. So rückt das Bayreuther Opern-Spektakel noch ein wenig näher – in brillanter HD-Qualität.

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