Lärmbelästigung

Lärm: Stadt Essen reagiert auf Klagen an Laupendahler Straße

Die Laupendahler Landstraße ist stark befahren. In der Woche, aber auch am Wochenende, wenn Motorradfahrer ihre Ausfahrten starten. Die Anwohner können kaum mehr ihre Balkone nutzen, da es viel zu laut ist, sagen sie.

Die Laupendahler Landstraße ist stark befahren. In der Woche, aber auch am Wochenende, wenn Motorradfahrer ihre Ausfahrten starten. Die Anwohner können kaum mehr ihre Balkone nutzen, da es viel zu laut ist, sagen sie.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen-Werden.  Lärm an der Laupendahler Strraße in Essen-Werden. Anwohner klagen über Verkehr, Gastronomie und Nachbarn. Nun nimmt das Ordnungsamt Stellung.

Das Thema ist nicht neu, landet aber immer wieder auf dem Tisch der Bezirksvertretung IX. Regelmäßig klagen Anwohner an der Laupendahler Landstraße über Lärm. Nun nimmt das Ordnungsamt Stellung.

Die Liste der Anlässe ist lang: Mal ist es der überbordende Verkehr auf der Laupendahler Landstraße, dann wieder die störende Geräuschkulisse der Außengastronomie des dort betriebenen Restaurants „Buena Vida“. Wenn dann auch noch auf dem benachbarten Gelände der Kanugesellschaft Wanderfalke am gegenüberliegenden Ruhrufer bis in die Nacht gefeiert wird, dann ist für so manchen Nachbarn das Maß voll. Anfragen sowie Beschwerden der Anwohner an das Ordnungsamt zeugen von malträtierten Nerven und noch größerer Ungeduld beim Warten auf nachhaltige Lösungen.

Davon halten die Anwohner selbst einige parat: So fordern sie schon länger ein Tempolimit auf der stark befahrenen Laupendahler Landstraße. Die Lärmbelästigung habe im Laufe der letzten Jahre vor allem durch Motorradfahrer an den Wochenenden drastisch zugenommen, so der Vorwurf. Demzufolge sei der Lärmpegel dermaßen angestiegen, dass eine Nutzung der Balkone zur Straße hin fast unmöglich sei.

Tempo-30-Zone gefordert

Nun ist es nicht so, dass sich das zuständige Amt für Straßen und Verkehr darüber noch keine Gedanken gemacht hätte. Immerhin ermittelte das Umweltamt vor Ort am Anfang der Laupendahler Landstraße schon in der Nacht eine Lärmbelastung zwischen 60 und 65 Dezibel (dBA), die sich am Tage noch auf bis zu 75 Dezibel steigere. Da ist nicht ohne, denn ab einem Wert von 65 Dezibel (dBA) besteht ein erhöhtes Risiko einer Herz- und Kreislauferkrankung.

Bereits im Jahr 2017 hatte der Rat der Stadt daher beschlossen, den so genannten Auslösewert des Schallpegels um fünf Dezibel abzusenken – auf 65 Dezibel (dBA) über einen Zeitraum von 24 Stunden und auf 55 Dezibel in der Nacht. Werden diese Werte überschritten, ist die Stadt verpflichtet, einen Lärmaktionsplan aufzustellen und konkrete Schritte zu unternehmen, um die betroffenen Bürger besser vor Lärm zu schützen.

Derzeit prüft die Verkehrsbehörde, ob eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden kann. Da diese Forderung jedoch auf viele Hauptverkehrsstraßen in Essen zutrifft, könne man derzeit noch keine konkrete Aussage zur Laupendahler Landstraße machen.

Zu den nächtlichen Partys der Kanufreunde bezieht das Ordnungsamt mit dem Hinweis fehlender Zuständigkeit nicht Stellung. Michael Steinbach, Vorsitzender der Wanderfalken, erklärt, dass es in der Tat im vergangenen Jahr eine Beschwerde gab, als „wir unseren Saal vermietet hatten.“ Dies sei seit März 2020 wegen der Corona-Auflagen nicht mehr der Fall.

Dagegen fällt der Kommentar des Fachbereichs „Gaststätten und Spielrecht“ zum Tapas-Restaurant „Buena Vida“ üppiger aus. Hier beschweren sich Anwohner immer wieder über den hohen Lärmpegel der Außengastronomie und fordern deshalb eine zeitliche Begrenzung dieser auf 22 Uhr. Bislang darf draußen bis Mitternacht bewirtet werden.

Da macht das Ordnungsamt allerdings nicht mit. So sei bereits im Jahr 2006 eine Gesetzesnovelle des Landes verabschiedet worden, die Bewirtungszeiten draußen auf 24 Uhr zu verlängern. Auf vielfachen Wunsch feierfreudiger Zeitgenossen und des Gesetzgebers, wie es heißt. Diese nun wieder begrenzen zu wollen, sei daher nicht ganz einfach. Besonders deshalb, weil es sich bei dem Lärm in aller Regel um die „übliche Geräuschkulisse einer Gastronomie“ handele. Also Gespräche zwischen Gästen, Lachen oder das Geschirrklappern der Bedienung. Allesamt kein triftiger Grund, hier eingreifen zu müssen, befand das Amt.

Dass zugegebenermaßen auch an- und abfahrende Pkw sowie vor dem Restaurant wartende Taxen mit laufendem Motor für zusätzlichen Lärm sorgen, sei zwar nicht von der Hand zu weisen, doch dafür seien die Betreiber nicht verantwortlich zu machen, da sich dies nicht auf dem eigenen Gelände abspielt. Dies gelte übrigens auch für parkplatzsuchende Gäste, die den Anwohnern ebenfalls ein Dorn im Auge sind.

Daniel Behmenburg, Fraktionschef der SPD in der BV, sind Beschwerden der Anwohner schon seit Jahren bekannt: „In meinen Akten taucht das Thema schon im Jahr 2009 das erste Mal auf. Möglicherweise gehe die Sache aber schon länger. „Das Landesimmissionsschutzgesetz regelt zwar die Nachtruhe von 22 Uhr bis 6 Uhr in der Frühe, doch diese Vorgabe gilt im Regelfall nicht für die Außengastronomie“. Zwar könne laut Gesetzestext die Gemeinde die Nachtruhe auf 22 Uhr vorverlegen, wenn dies zum Schutz der Nachbarschaft geboten ist, „doch Lärmmessungen vor Ort haben keine erhöhten Werte ergeben“, sagt Behmenburg.

Da auch die Bebauung vor Ort eher aufgelockert und zur Ruhr geöffnet sei, sei keine den Lärm verstärkende „Trichterwirkung“ zu erwarten, teilte das Amt mit. Ergo: Da keine anderen Tatsachen bekannt sind, die eine Vorverlegung der Sperrzeit rechtfertigen, sei der Betrieb des Biergartens bis Mitternacht zulässig.

Bei erneuten Beschwerden will sich die BV wieder mit dem Thema befassen

Mit der Entscheidung des Ordnungsamtes kann Daniel Behmenburg, bei allem Verständnis für die Interessen der Nachbarn, gut leben: „Ich bin ein Freund belebter Stadtteile. Und dazu gehört eben auch die Gastronomie.“ Man müsse froh sein um jeden Wirt, der die schwere Zeit der Pandemie übersteht.

Ähnlich sieht dies auch Bezirksbürgermeister Benjamin Brenk: „Die 24-Uhr-Regelung für die Außengastronomie ist in der Tat keine Ausnahme, sondern Gesetz. Da haben wir als Bezirksvertretung wenig Einfluss darauf.“

Benjamin Brenk weist darauf hin, dass sich zuletzt vorrangig ein Anwohner über die Gastronomie beschwert habe. „Dies geht zumindest aus der Stellungnahme des Ordnungsamtes hervor.“ Beim Straßenlärm sehe dies jedoch anders aus. Er wünsche sich daher, dass sich die Nachbarn künftig im Falle einer Beschwerde solidarisieren und sich in einem gemeinsamen Schreiben an die BV wenden. „So könnten wir den Sachverhalt besser bewerten.“ In diesem Fall würde sich das Stadtteilparlament der Sache erneut annehmen.

Gespannt ist Brenk darauf, wie das Amt für Straßen und Verkehr mit der nachweislich zu hohen Lärmbelastung auf der Laupendahler Landstraße umgehen wird. „Die Messwerte beziehen sich allein auf den Verkehr. Da muss eine nachhaltige Regelung gefunden werden.“

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