Portrait

Yvonne Kálmán - ein Leben für die Operette

Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool

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Essen.  Bei der Premiere von Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ im Aalto-Theater war auch seine Tochter Yvonne dabei. Nicht nur als begeisterte Zuschauerin sondern vielmehr als Botschafterin der Kunst ihres Vaters.

Sie nennt sich selbst eine Reisende für die Kunst ihres Vaters. Yvonne Kálmán, Tochter des Komponisten Emmerich Kálmán und seiner Frau Vera - jahrelang eine der schillerndsten Party-Königinnen nach der Emigration der Familie in die USA 1940 - weiß, wo auf der Welt Kálmán gespielt wird. Natürlich besucht sie nicht jede Premiere. „Aber wenn Stefan Soltesz ein Werk meines Vaters, seines ungarischen Landsmanns, mit seinem wunderbaren Orchester selbst dirigiert, möchte ich schon dabei sein.“

Emigration in die USA

Bereits nach der Generalprobe schwärmte sie vom Orchester. Über die Inszenierung mag Yvonne Kálmán noch nichts sagen. „Warten wir die Premiere ab.“ Dass sie die von Regisseur Michael Sturminger leicht abgewandelte Handlung (sie spielt im von den Deutschen besetzten Budapest des 2. Weltkriegs statt in der plüschigen Kaiserzeit) auch an ihre eigene Familiengeschichte erinnert, verwundert nicht. Die Kálmáns waren eine jüdische Familie, die 1938 über die Schweiz und Frankreich in die USA emigierte. Yvonne erlebte die Odyssee als Baby.

„Ich packte nicht meinen Koffer, sondern meine Windeln“, sagt sie lachend, blickt dann aber nachdenklich auf ihr Rotweinglas. „Für Vater war die Zeit besonders schrecklich. Er vermisste Deutschland und Österreich trotz allem sehr. Es war seine Heimat, wo er mit der „Zirkusprinzessin“, „Gräfin Mariza“, der „Bajadere“ und immer wieder mit der „Csárdásfürstin“ rauschende Erfolge feierte. Kálmán war der „Csárdás-Fürst“, der irgendwann in Los Angeles strandete. Dort traf die Familie auf viele Emigranten aus Europa.

Und im Gegensatz zu manchen anderen ging es des Kálmáns wirtschaftlich nicht schlecht. „Meine Eltern hatten eine große Clique um sich. Marlene Dietrich und Erich Remarque saßen oft in unserer Küche“, erzählt die quirlige Dame, die Marketing als ihr Hobby angibt. Und das nicht nur für die Werke ihres Vaters. „Ich liebe es einfach, neue Ideen zu entwickeln.“ Immerhin hat sie so auch dem Genre Operette beispielsweise im zuvor nahezu kálmán-freien Australien vor Jahren mit Ideen und Energie auf die Beine geholfen. Fast 80 ausverkaufte „Marizas“ in Sydney. Das muss ihr erst mal einer nachmachen.

Spätere Versöhnung

Yvonne Kálmán bricht eine Lanze für die Operette - auch wenn sie nicht aus der Feder ihres Vaters stammt. „Es gibt Chancen für die Gattung auch bei jüngeren Leuten“, glaubt die Weitgereiste, die sich auch schon für Wiener Operette in Japan stark machte. Die Musik ist üppig, eingängig, die Geschichten gar nicht so betulich-plüschig, wie man es dem Publikum lange weismachen wollte.

Es gebe immer einen kritisch-frivolen Unterton, eine fein-ironische Sprache. Man müsse es nur herauskitzeln. Da sind Regie und Dirigenten gefragt. Bei Stefan Soltesz sei man da auf der sicheren Seite. Sie erlebte 2000 mit ihm allerdings die Skandal-Csárdásfürstin schlechthin. Peter Konwitschnys Inszenierung (er machte Strauss’ „Daphne“ in Essen) mit tanzenden Krüppeln und Bombardements im 2. Weltkrieg spielend. „Für die Zuschauer war es schrecklich.“ Ihre erste Aufführung des Werks erlebte sie 1950 in Stuttgart. Eine Riesenshow, bei der das deutsche Publikum erstmals nach Kriegsende ihrem Vater wieder zujubeln durfte. Der habe geweint - und sich später wieder mit Deutschland versöhnt.

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