Welttag des Buches

Mit dem „Ohr vom Opa“ Geschichten über Heimat hören

Avivan und Mohamad (v.l.) haben ihre Geschichten aus Syrien erzählt. Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer der Stiftung Kinderschutz Nordrhein-Westfalens (Mitte), hat das Projekt initiiert.

Foto: Elena Boroda

Avivan und Mohamad (v.l.) haben ihre Geschichten aus Syrien erzählt. Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer der Stiftung Kinderschutz Nordrhein-Westfalens (Mitte), hat das Projekt initiiert. Foto: Elena Boroda

Essen.   Kinder aus verschiedenen Ländern erzählen Geschichten über ihre Heimat. Zum Welttag des Buches werden diese in einem Buch veröffentlicht.

Wenn die 14-jährige Avivan und der zenjährige Mohamad von ihrer Heimat erzählen, schwingt auch Wehmut mit. Doch anders, als man es von Flüchtlingskindern erwarten würde, erzählen sie nicht von Flucht und Vertreibung, sondern zum Beispiel von ihren Lieblingssüßigkeiten oder ihrer alten Schule.

Die Stiftung Kinderschutzbund Nordrhein-Westfalen hat diese und 57 andere Geschichten von Migrantenkindern in einem Buch versammelt, welches den beteiligten Kindern am Sonntag anlässlich des Welttages des Buches in der Stadtbibliothek von Oberbürgermeister Thomas Kufen überreicht wird.

Kinder reden mal nicht von Flucht und Vertreibung

„Das Ohr vom Opa und andere Geschichten“ heißt das Buch, das die kurzen Erzählungen vereint. Friedhelm Güthoff von der Stiftung Kinderschutzbund Nordrhein-Westfalen hat das Projekt initiiert. „Wir wollten einen Dialog starten über das, was deutsche Kinder in Deutschland erleben und das, was andere Kinder in ihren Ländern erleben“, erzählt er.

Um in diesen Dialog zu kommen, werde das Buch kostenlos an Schulen verteilt. Es sei für die Kinder schöner, wenn sie mal nicht über Flucht und Vertreibung redeten, sondern ihre guten Erinnerungen an ihre Heimat teilten, so Güthoff weiter. Denn diese schönen Erfahrungen würden sich bei den Kindern ebenso ins Gedächtnis einbrennen, wie die schlechten.

Eigene Geschichten erzählt

Auf die Idee des Projekts sei die Stiftung gekommen, als sie nach einem eigenen Beitrag zur Willkommenskultur suchte. Daraufhin hätten die Mitarbeiter Bekannte gefragt, ob jemand Kontakte zu Flüchtlingskindern habe. Die Kinder hätten ihre Geschichten dann Sozialarbeitern, Vormündern oder gleichaltrigen deutschen Schülern erzählt. Diese wiederum hätten das Erzählte für das Buch aufgeschrieben.

Die Geschichten seien nur minimal redaktionell bearbeitet worden. Einzig die Rechtschreibung und Grammatik habe man verbessert. „Wir wollten die Kinder die Geschichten erzählen lassen und nicht selbst etwas hinzufügen oder weglassen“, sagt Güthoff. So habe man alle für das Buch erzählten Geschichten auch veröffentlicht und keine weg gelassen.

Erinnerungen an Heimat verblassen

Avivan sei glücklich, dass man sie nach ihren Erinnerungen an Syrien gefragt hat. „Ich brauchte keine Angst zu haben beim Erzählen. In Syrien kann man nicht so frei reden wie hier“, sagt sie.

Ihr Lieblingsspiel in den Schulpausen sei „Himmel und Hölle“ gewesen. Dabei hüpft man in Kästen, die vorher mit Kreide auf den Boden gemalt wurden. Der syrische Schulalltag ähnele dem Deutschen. „Von 8 bis 13 Uhr bin ich dort gewesen. Danach habe ich mit meinen Freundinnen gespielt“, schwärmt sie.

Mohamad hat nicht mehr viele Erinnerungen an Syrien. Als er das Land verließ, war er vier Jahre alt. Anschließend verbrachte er zwei Jahre in der Türkei. Dennoch erinnert er sich in seiner Geschichte „Tütenweise Süßigkeiten“ an Feste in seiner Heimat, bei denen er mit seinen Geschwistern von den Erwachsenen in seinem Viertel jede Menge Naschwerk geschenkt bekam.

„Ohr vom Opa“ ist ein Gebäck

Aber auch Avivans Erinnerungen an Syrien verblassen. Sie war neun, als ihre Familie in die Türkei floh. Ob ihre Schulfreunde noch leben, weiß sie nicht. Den Kontakt zu ihnen hat sie verloren. Es ist ungewiss, ob sie sie wiedersieht.

Warum das Geschichtenbuch „Das Ohr vom Opa“ heißt? Friedhelm Güthoff grinst und sagt: „Das ist eine Geschichte über ein syrisches Gebäck mit Hackfleisch, was für das erzählende Mädchen aussah, wie das Ohr des Opas. Seitdem wurde das Gebäck innerhalb ihrer Familie so genannt.“

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