Liederabend

"Männerschmerz" mit Charme, Scherz und Schlüpfrigkeit

Foto: WAZ

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Essen. Fetter Applaus für „Männerschmerz” im Katakomben-Theater. Der fünfte Liederabend zeigt Männer, die sich bei der Selbstfindung auch gern an Frauen festhalten. Die Zuschauer sahen Männer mit einer Portion Selbstironie, zwischen Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein und Selbstmitleid.

„Wann ist der Mann ein Mann”, fragte einst Herbert Grönemeyer. Mittlerweile sind 25 Jahre vergangen, 12 davon tastet die Boygroup von „Männerschmerz” das angeblich starke Geschlecht auf Höhen und Tiefen ab. Ob Macho, Mistkerl, Träumer, Frauenversteher oder Hausmann - sie alle finden ihren Platz in dem fünften Liederabend, der den Untertitel „Lokalrunde - Trink langsam (5) trägt. Begeisterung im Katakomben-Theater.

Mit Billy Joels „Piano Man” stimmen die Männerschmerzler ein auf das neue Programm - das diesmal in einer Kneipe spielt - sowie auf teilweise neue Ensemblemitglieder. Jochen Kilian, langjähriger musikalischer Leiter des Schauspiels Krefeld/ Mönchengladbach, sitzt nun für Willi Haselbek am Klavier und wirkt so souverän wie unauffällig. Ganz im Gegensatz zu seinen hinreißenden Arrangements. Und Christoph Schüchner fügt sich als Sänger, Musiker und Texter perfekt bei den Ex-Grillo-Akteuren Matthias Kniesbeck, Wolfram Boelzle und Jörn-Udo Kortmann ein.

Zwischen Selbsterkenntnis und Selbstmitleid

Männer zeigen sich da, versehen mit einer Portion Selbstironie, zwischen Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein und Selbstmitleid. In Zeiten der Orientierungslosigkeit halten sie sich bei der Selbstfindung an die Frauen. Hymnisch verehrt Kniesbeck die Charakterstarke mit „Eine Schönheit ist sie nicht” von Klaus Hoffmann, Boelzle preist den „Charme 45” von Pigor, und Schüchner rät seiner Geliebten im eigenen Lied „Trink langsam”.

Musikalisch bedienen sie ein Spektrum, das von Chanson bis Pop reicht, zumeist eigene Texte bietet und immer wieder überrascht. Gekonnt intoniert Kortmann die Rocknummer „Müllabfuhr” und kann für sich den Höhepunkt des Abends verbuchen: Robbie Williams „Better Man”, einer von fünf Songs in deutscher Fassung, ist zum Niederknien. Nicht zuletzt, weil die Jungs ihn mit Kinderinstrumenten begleiten und wunderbar witzig daherkommen.

Keine Frage, sie haben ein paar Falten, Pfunde, graue Haare mehr. Aber nach zwölf Jahren hat „Männerschmerz” nichts an Charme, wenig an Schlüpfrigkeit verloren. Mit Billy Joels „For the longest time” bedanken sie sich bei den Fans für zehn Jahre Treue, mogeln zwei Jahre von ihrer Existenz einfach weg. Wer sagt denn, dass nur Frauen beim Alter lügen? Fetter Applaus.

Karten: 430 46 72

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