Roman

„Da steckt viel Kopfkino drin“

Sigi Domke  fíndet  neuerdings „Nachbarn in Bäumen“ - und klettert fürs Foto gleich mit hinauf.

Foto: Knut Vahlensieck

Sigi Domke fíndet neuerdings „Nachbarn in Bäumen“ - und klettert fürs Foto gleich mit hinauf. Foto: Knut Vahlensieck

Seine Heimat kennt ihn als pointensicheren Mann für die gespielte Szene von Knebel & Co. Jetzt hat Sigi Domke seinen ersten Roman geschrieben: „Nachbarn in Bäumen“

Nach fast 50 Ruhrgebietskomödien („Freunde der italienischen Oper“), diversen Revuen und ungezählten Texten für Herbert Knebels Affentheater lässt Sigi Domke in seinem ersten Roman Menschen von nebenan und ungebremst aufeinanderprallen: „Nachbarn in Bäumen“ ist eine kurzweilige Entwicklungsgeschichte. Dagmar Schwalm sprach mit dem 59-Jährigen über das Debüt.

Herr Domke, Ihr Held, Carsten Regner, ist ein einsamer wie emsiger Werbetexter mit Kreativblockade. Sie lassen ihn durch einige tiefe Täler wandern, bevor er die Vorzüge von guter Nachbarschaft erkennt. Da spielt die Komik eine feine, aber nicht entscheidende Rolle. Warum?

Sigi Domke: Die Komik plane ich nicht. Sie ergibt sich aus der Geschichte von Carsten Regner. Die ist voll von Missverständnissen, die ihn aus der Bahn werfen, und hat tragische Züge. Doch man ist nicht weg von der Komik.

Sie erzählen vom Scheitern eines Lebensentwurfs. Ist die Werbebranche besonders dazu geeignet?

Ich kenne Leute, die da gearbeitet haben und schnell verbraucht waren. Ewig kreativ zu sein, dem Druck kann man nicht standhalten. Ich habe mich gefragt, was treibt die dazu, das aufrecht zu erhalten und nicht auf sich zu schauen. Kreativität braucht Pausen.

„Ich hatte ja nicht den Plan, Autor zu werden“

Wie ist Ihr eigener Lebensplan geglückt?

Ich hatte ja nicht den Plan, Autor zu werden. Es hat sich ganz schön so gefügt, obwohl ich eigentlich Musiker werden wollte.

Carsten Regner haust in einem anonymen Appartementblock. Ist Ihnen die Wohnsituation vertraut?

Ich bin viel umgezogen. In Essen-Frohnhausen gibt es solche Karrees mit begrünten Innenhöfen. Da könnte das spielen. Vor meinem Fenster stand ein großer Kirschbaum und meine Katze ist auch mal da hoch. An solche kleinen Begebenheiten erinnert man sich beim Schreiben.

Eigenschaften von Menschen, „die ich kenne“

Die lebenslustige Marie, der kiffende Ricki, die radikale Tiernärrin gehören zur skurrilen Nachbarschaft. Figuren aus dem Leben?

Die habe ich mir ausgedacht. Aber Charaktereigenschaften und Macken von Menschen, die ich kenne, kommen da rüber. Der Carsten Regner ist zum Beispiel sehr akkurat. Das hat er von mir.

Baut Ricks Drogenkonsum auch auf Ihre Erfahrungen?

Drogen? Gab es so gut wie nicht. Ich habe mal an einem Joint gezogen. Im Grunde habe ich eine Abneigung davor, dass ich das ab irgendeinem Moment nicht mehr kontrollieren kann.

Gute Nachbarschaft in Bochum

Wie steht es mit dem Verhältnis zu Ihren Nachbarn?

Jetzt in Bochum ist es freundschaftlich. Ich hatte auch schon biedere Nachbarn, für die ich ein Paradiesvogel war, oder Nachbarn, die psychisch krank waren. Man trifft schon verrückte Menschen.

Was hat Sie nach all den Komödien an der Romanform gereizt?

Ich probiere gerne Neues. Nach den kurzen Knebel-Texten habe ich angefangen, Theaterstücke zu schreiben. Das ist nun der Versuch, mich der langen Form zu stellen. Ursprünglich hatte ich „Nachbarn in Bäumen“ als Drehbuch gedacht. Da steckt viel Kopfkino drin.

Die Suche nach Figuren

Kennen Sie Schreibblockaden?

Nein. Wenn überhaupt, dann nur kurze. Über das Tun, das Probieren ergibt sich unheimlich viel. Ich überlege mir sehr genau, welche Figuren will ich für die Geschichte haben und fange dann schnell an zu schreiben. Ich glaube, dass viele Leute erst gar nicht anfangen, weil sie sich so viele Hindernisse vor dem geistigen Auge aufbauen.

Ihre geliebte Ruhrgebietssprache ist im Roman eher rar.

Die Sprache ist abgängig von den Figuren. Ricki spricht schon so. Ansonsten sind es Typen, die man hier und woanders finden kann. Und für mich war es auch angenehm, mal hochdeutsche Dialoge zu schreiben.

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„Nachbarn in Bäumen“, 224 S., 9,90 €, im Verlag Henselowsky und Boschmann erschienen – in der Reihe „Ruhrgebiet de luxe“.

Der Roman und die neue Reihe werden am 19. 11, 17 Uhr, bei „Proust“ in Essen vorgestellt. Es lesen u.a. Sigi Domke, Sarah Meyer-Dietrich, Zepp Oberpichler und Herbert Knorr. Karten gibt es unter 0201/ 8 39 68 40

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