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Kritik von der Essener Basis: SPD verspielt Neuanfang

Stephan Duda, SPD-Ortsvereinsvorsitzender aus Karnap, kritisiert seine Parteifreunde auf Landesebene.

Foto: Kerstin Kokoska

Stephan Duda, SPD-Ortsvereinsvorsitzender aus Karnap, kritisiert seine Parteifreunde auf Landesebene. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Stephan Duda, Ortsvereinsvorsitzender in Karnap, vermisst den personellen Neuanfang in der Landtagsfraktion: Ein verlorenes Jahr für die SPD.

Stephan Duda hat einen dicken Hals. Der Vorsitzende des Ortsvereins Karnap ist sauer auf seine SPD. Dabei waren Ärger und Enttäuschung über den Ausgang der Landtagswahl noch gar nicht verflogen. Nun ist Duda wütend, weil die Landtagsfraktion sich auf einen Burgfrieden verständigt, den personellen Neuanfang aber vertagt hat.

Wie so viele in der SPD wünscht sich auch Stephan Duda nach der krachenden Wahlniederlage einen sauberen Schnitt an der Spitze. „Hannelore Kraft hat alles richtig gemacht“, lobt Duda. Noch am Wahlabend hatte die Ministerpräsidentin ihren Rücktritt von allen Ämtern erklärt und persönlich Verantwortung genommen. Es wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, die SPD neu aufzustellen, ist der Karnaper überzeugt. „Aber ein Herr Römer sieht das offenbar komplett anders.“

Thomas Kutschaty stellt Ambitionen erst einmal zurück

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion wurde im Amt bestätigt, wenn auch nur mit mäßigen 67 Prozent Zustimmung. Norbert Römer ist 70 Jahre alt und Alterspräsident des Landtags. Dabei gibt es Dudas Überzeugung nach in der Fraktion genügend Jüngere, die den Posten jetzt schon hätten übernehmen können. „Es musste ja nicht unbedingt Thomas Kutschaty sein“, sagt Duda.

Der scheidende Justizminister wäre auch für den Ortsvereinschef erste Wahl. „Ich bin überzeugt, dass ein 48-Jähriger näher dran ist an den Menschen, gerade an den Jüngeren“, sagt Duda. Nicht nur das Alter qualifiziere Essens SPD-Vorsitzenden für Höheres. Kutschaty verfüge über politische Erfahrung, sein Ministerium habe er sieben Jahre skandalfrei geführt. Nun ist Kutschaty stellvertretender Fraktionsvorsitzender, einer von acht. Seine Ambitionen hat der Schönebecker hinten angestellt. In einem Jahr soll in der Fraktion noch einmal gewählt werden. „Voraussichtlich“, sagt Duda und lässt Zweifel durchklingen, dass es tatsächlich so kommt. Und wenn doch, sei es jetzt schon ein verlorenes Jahr für die SPD.

Dudas Stimme ist eine von der Basis. Eine aus Karnap, jenem Stadtteil, dem bei der Landtagswahl besondere Aufmerksamkeit galt. In Karnap holte die SPD mit 40,8 Prozent der Zweitstimmen ihre stadtweit bestes Ergebnis und verlor doch 18 Prozentpunkte im Vergleich zu 2012. Die AfD holte 20,3 Prozent, nur in Vogelheim waren es mit 22,1 Prozent noch mehr.

Duda: SPD muss mehr auf Themen setzen

Kutschaty, in dessen Wahlkreis beide Stadtteile liegen, erklärte diese hohe Zustimmung als Ausdruck von Protest. Macht er es sich zu leicht? Duda verneint. Der hohe Bekanntheitsgrad von AfD-Kandidat Guido Reil, seinem alten Kumpel aus gemeinsamen SPD-Tagen, habe zu dem Ergebnis beigetragen, ist Duda überzeugt. Er fordert, die SPD müsse sich wieder mehr Themen annehmen: soziale Gerechtigkeit und innere Sicherheit. Dass die Partei nicht mehr genug bei den Menschen sei, was Karnap angeht, will Duda nicht gelten lassen. Gerade erst habe er sich darum gekümmert, das eine wilde Müllkippe an der Karnaper Straße abgeräumt wird. „Wir kümmern uns“, sagt Duda. Vielleicht müssten sie mehr darüber reden.

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