Klimawandel

Klimawandel: Essener Experte mahnt zu schnellem Umdenken

Zwei Jahre nach dem Pfingststurm Ela waren die Schäden im Schellenberger Wald immer noch deutlich sichtbar. Dieses Foto entstand im Jahr 2016.

Zwei Jahre nach dem Pfingststurm Ela waren die Schäden im Schellenberger Wald immer noch deutlich sichtbar. Dieses Foto entstand im Jahr 2016.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Was muss die Stadt jetzt tun, damit die Folgen des Klimawandels weniger dramatisch werden? Ein Experte sprach jetzt in Essen-Rüttenscheid.

Der Klimawandel und seine Folgen scheint ein Thema zu sein, das vielen Essener Bürgern unter den Nägeln brennt. Bis auf den allerletzten Platz besetzt ist der hintere Raum der Rüttenscheider Kneipe Stoffwechsel am Mittwochabend, in die die Stadteilgruppe der Grünen geladen hat. Für das Thema haben sie einen besonderen Experten gewinnen können: Guido Halbig ist Meteorologe und Leiter des Regionalen Klimabüros in Essen.

Anschaulich und leicht verständlich erläutert Halbig, was es mit der Klimaveränderung auf sich hat, die eine Zunahme der Erderwärmung zur Folge hat: Abschmelzen der Pole, Erhöhung des Meeresspiegel, Zunahme von Extremwetterlagen wie Stürmen, Starkniederschlägen und heißen Sommern lauten die Stichworte. „Wenn wir nicht in der Lage sind, den CO2-Ausstoß, der dafür verantwortlich ist, massiv zu verringern, dann wird das dramatische Konsequenzen für die Erde und die Menschheit haben“, so sein Fazit.

Weg von der Autostadt

Doch selbst wenn der Klimawandel eine globale Erscheinung sei, ist der Diplom-Meteorologe davon überzeugt, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, die Folgen abzuschwächen. Aber auch in der Weiterentwicklung einer Stadt wie Essen liegen seiner Meinung nach Chancen, auf die bereits veränderten Klimabedingungen zu reagieren. „Weg von der Autostadt, hin zu einer Stadt für die Menschen“, lautet sein plakativer Appell.

Dazu gehören nicht nur mehr Radwege, ein besserer Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge. Man könne bereits bei der Planung neuer Stadtquartiere entscheidende Weichen stellen. „Warum bauen wir nicht mehr in die Höhe? Das wäre eine Option, Fläche zu sparen für mehr Grün und trotzdem den nötigen Wohnraum zu schaffen“, sagt Halbig. Kritisch sieht er auch die weitere Versiegelung von Flächen. „Klimatechnisch ist das sicherlich der völlig falsche Weg.“ Wie es anders gehen kann, machten uns die Niederländer vor: So benutzten sie zum Beispiel immer häufiger durchlässige Straßenoberflächen, die Regen viel besser aufnehmen können. „Leider scheitern solche Lösungen in Deutschland an juristischen Bedenken“, sagt Halbig.

Rege Diskussion nach dem Vortrag

Mit seinen Anregungen löst der Klimaexperte eine rege Diskussion bei den Zuhörern aus: Ob zugepflasterte Vorgärten, geschotterte Friedhöfe, der Wunsch nach einer gesetzlich vorgeschriebene Begrünung von Flachdächern und die weitere Bebauung eines eh schon verdichteten Stadtteils wie Rüttenscheid – mit vielen kritischen Anmerkungen und Vorschlägen endet ein Abend, der nicht nur Angst, sondern auch Mut machen will, sich für Veränderungen einzusetzen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben