Brehminsel

Klimaaktivist aus Essen-Werden sieht sich als Brückenbauer

Klimaaktivist Simon Wehden auf der Brücke zur Brehminsel in Essen-Werden. „Brücken bauen“, sagt er, sei ein treffender Begriff für sein Engagement

Klimaaktivist Simon Wehden auf der Brücke zur Brehminsel in Essen-Werden. „Brücken bauen“, sagt er, sei ein treffender Begriff für sein Engagement

Foto: Ina Carolin Lisiewicz / FFS

Essen-Werden.  Jeden Mittwoch sammelt eine Gruppe umweltbewusster Werdener auf der Brehminsel Müll. Simon Wehden hat das Projekt gestartet und erzählt davon.

Es gehe nicht darum, sagt Simon Wehden, auf der Brehminsel mehr Abfallbehälter aufzustellen, „damit alles reinpasst, was die Leute wegschmeißen“. Viel schlauer sei es doch, die Müllflut gar nicht erst entstehen zu lassen. „Aber dieses Umdenken dauert lange“, ist sich der 24-jährige Werdener bewusst.

Mit den Aktiven seines Projektes „Stadtwandel“ sowie Mitgliedern des Werdener Bürger- und Heimatvereins und anderen Freiwilligen will er deshalb erst mal klein anfangen: Seit Anfang September sammeln sie auf der für viele Essener und auch Auswärtige beliebten kleinen Insel in der Ruhr herumliegenden Abfall. Einmal die Woche, immer mittwochs ab dem späten Nachmittag. „Wir treffen uns am Biergarten – und dann geht es los.“

Stück für Stück soll und kann es besser werden mit den Dreckecken

Zunächst waren es fast 20 Leute, in der nächsten Woche dann etwas weniger. „Aber auch der Müll hatte sich reduziert“, konstatiert der junge Klimaforscher, der Chemie und Umweltwandel in Aachen und Oxford studiert hat. Ob das nun der Gruppe zu verdanken sei, könne man natürlich nicht so direkt sagen. „Aber wir haben während des Abfallsammelns schon mit recht vielen Menschen gesprochen. Die fanden das gut, was wir machen. Und vielleicht macht sich der eine oder andere auch Gedanken, ob er denn seine Pizzapackung wirklich auf der Wiese liegen lassen sollte.“

Stück für Stück soll und kann es besser werden mit den Dreckecken auf der Brehminsel. Wenn Jugendliche selbst mitanpacken, so stellt Wehden fest, „haben sie ein ganz anderes Bewusstsein dafür.“

Wobei die wöchentliche Müllaktion generationsübergreifend sei. „Da sind junge Leute dabei, Senioren, neu Hinzugezogene, Familien. Alles quer Beet.“ Und die Menschen kümmern sich nicht nur um den Abfall. Mit Gießkannen wässern sie die Bäume bei der immer noch anhaltenden Trockenheit.

Erster Erfolg: Anbindung an das Radwegenetz der Stadt kommt

Anpacken, nicht nur reden. Das treibt den jungen Mann um. Im Herbst 2019 stieß er mit seiner Vortragsreihe zu Themen des Umweltschutzes auf ein interessiertes Publikum im Stadtteil. Daraus entwickelte sich die Initiative „Gemeinsam für Stadtwandel Werden“ mit mehreren Arbeitsgemeinschaften. Eine davon, die Fahrradinitiative, kann schon einen Erfolg verbuchen: Der lang geforderte Radweg nach Velbert und die Anbindung an das Radwegenetz der Stadt kommen.

Ob beim Thema Biodiversität oder Solarenergie – die Werdener bleiben in diesen Arbeitsgruppen auch unter erschwerten Pandemie-Bedingungen in Kontakt. „In unserer Stadtteil-Konferenz tauschen wir uns in Videokonferenzen aus. Das funktioniert recht gut“, berichtet Wehden lächelnd.

Initiative „Klima-Mitbestimmung Jetzt“ fordert bundesweiten Bürgerrat

Dass er in so kurzer Zeit so viel bewegt hat, freut ihn. Und motiviert für weitere Projekte. Mit zwei ehemaligen Essener Abiturienten hat er die Initiative „Klima-Mitbestimmung Jetzt“ begründet und im Bundesgebiet bekannt gemacht. Sie fordert die Einberufung eines bundesweiten Bürgerrates zur Klimapolitik durch die Bundesregierung. Dieses temporäre Gremium soll Handlungsempfehlungen erarbeiten. Derzeit gehe es darum, ein Unterstützer-Netzwerk aufzubauen.

Was als nächstes kommt? Die Promotion ab 2021. Für drei Jahre wird er in Berlin wohnen. „Aber ich werde regelmäßig beim Stadtwandel Werden vorbeischauen“, verspricht er. Und mitanpacken auf der Brehminsel.

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