Tannenbaum

Kleiner Weihnachtsbaum im Kreisverkehr sorgt für Aufsehen

Beim Anblick der relativ kleinen Tanne mit dem im Verhältnis zu dem Jägerzaun müssen viele Heisinger schmunzeln

Beim Anblick der relativ kleinen Tanne mit dem im Verhältnis zu dem Jägerzaun müssen viele Heisinger schmunzeln

Foto: Stefan Arend

Essen-Heisingen.   Hinter der Tanne in Heisingen steckt eine Aktion der Werbegemeinschaft: An den Ästen hängen Kinderwünsche. Ein stattlicher Baum soll folgen.

„Wächst der noch“, so lautet in Heisingen derzeit die häufigste Frage zum Tannenbaum, der im Kreisverkehr nun die Dorfmitte ziert. Die Tanne misst etwa zwei Meter und lugt hinter einem Jägerzaun hervor. Tatsächlich steckt hinter dem kleinen Bäumchen eine neue Aktion der Werbegemeinschaft, denn an den Ästen hängen Zettel. „Es ist ein Wunschbaum für Kinder“, sagt Jens Kürvers, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, die diese Wünsche der Mädchen und Jungen etwa aus der Kindernotaufnahme Spatzennest gesammelt hat. Wer mag, kann einen erfüllen.

Um es vorwegzunehmen: „Die Heisinger werden noch einen großen Tannenbaum bekommen“, kündigt Kürvers an. Bevor ein stattlicher Nachfolger aber kommt, können Heisinger die Kinderwünsche pflücken: ein Feuerwehrauto für einen sechsjährigen Jungen oder Puppenkleider für ein Mädchen (3). Die Wünsche sind so bescheiden wie verschieden. Was die Kinder alle gemeinsam haben: Sie leben derzeit im Spatzennest, einer Einrichtung mit zwei Standorten (Altenessen und Borbeck), in der Kinder wegen Misshandlungen, Missbrauch und Verwahrlosung oder wegen der Erkrankung oder des Todes eines Elternteils aufgenommen werden.

Bis 4. Dezember hängen nun die Schilder

Bis Dienstag, 4. Dezember, hängen nun die Schilder mit Namen, Alter und Wunsch an der Heisinger Tanne. Ulrike Schulte-Bahrenberg, Mitglied der Werbegemeinschaft und Inhaberin der Heisinger Tankstelle, hat mit ihrem Mann und den Enkelkindern zahlreiche Wunsch-Karten gebastelt. Diese landen jetzt nach und nach an den Klammern zwischen den Nadeln. „Die Informationen zur Aktion liegen in den Geschäften aus“, sagt Jens Kürvers. Verpackte Geschenke können bei Schirmemachermeister Willy Schüffler abgegeben werden. Er glaube übrigens nicht daran, dass es gefährlich sei, vom Bürgersteig zum Baum zu gelangen: „Im Kreisverkehr fahren die Autos doch langsam.“ Und zum Schutz stehe ja der Zaun um den Baum, der nachts beleuchtet wird.

Wenn die kleine Tanne ihren Zweck erfüllt haben wird, soll sie Haus oder Wohnung in Heisingen schmücken. „Die Pfadfinder werden sie verkaufen“, sagt Kürvers, der in der kommenden Woche mit den Mitstreitern von der Werbegemeinschaft den Folge-Baum ins Dorf holen wird: Der steht noch in Kray. „Wir sind herumgefahren und haben nach einer Tanne für Heisingen Ausschau gehalten. Das ausgewählte Exemplar steht an der Siedlung eines Wohnungsunternehmens, das der Fällung zustimmte.

Bonsai-Tanne ist Dorfgespräch

„Etwa zehn Meter hoch ist die stattliche Tanne, die die Heisinger in der

Adventszeit erfreuen soll“, kündigen die Organisatoren an. Wohlwissend, dass das Thema Tanne seit dem schiefen Baum von 2016 ein durchaus viel diskutiertes im Dorf ist. Vor zwei Jahren sorgte das ramponierte Exemplar gleichsam für Hohn wie Scherze – und musste später einem symmetrischen Baum weichen. Da viele den schiefen Baum von Heisingen zu diesem Zeitpunkt bereits in ihr Herz geschlossen hatten, blieb auch die krumme Tanne im Stadtteil und zog lediglich einen Kreisverkehr weiter. Dass ein Tannenbaum so große Aufmerksamkeit erregte, darüber staunten sogar manche Nachbarn von der Ruhrhalbinsel.

Auch wenn in diesem Jahr wohl kein Baum in Essen für so viel Diskussionsstoff sorgen wird wie die Plastiktanne auf dem Willy-Brandt-Platz, so treffsicher bringt die Werbegemeinschaft nun in Heisingen den „Bonsai-Baum“ ins Gespräch. Statt Spott gibt es jedoch Dank und zahlreiche nett gemeinte Bemerkungen wie niedlich, süß oder wunderbar. Und eins steht fest: „Lieber klein und fein, als groß und künstlich.“

>>ABGABESTELLE FÜR DIE GESCHENKE

Abgabestelle für die verpackten Geschenke ist bis Mittwoch, 19. Dezember, das Büro der Werbegemeinschaft bei Willy Schüffler, Heisinger Straße 501 (Eingang hinten): mo bis fr, 10 bis 18 Uhr, sa, 10 bis 14 Uhr. Die Geschenke sollen 20 bis 30 Euro kosten. Die Karte bitte unter das Geschenk kleben.

Die Mitglieder haben auch eine Liste mit allen Wünschen, damit kein Kind leer ausgeht, falls ein Schild verloren geht.

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