Kunst

Klaus Kiefer: Vom Stahl-Manager zum Förderer der Künste

Der Galerist Klaus Kiefer vor einem Gemälde des Künstlers Yongbo Zhao. Foto:Knut Vahlensieck

Der Galerist Klaus Kiefer vor einem Gemälde des Künstlers Yongbo Zhao. Foto:Knut Vahlensieck

Essen.   Der Esssener Galerist Klaus Kiefer hat mit seinem Programm eine Sonderstellung auf dem Kunstmarkt. Ein Geburtstags-Porträt.

Essens traditionsreiches Kunst-Wohnzimmer steht an der Rüttenscheider Straße. Ein Raum, mehr schmaler Schlauch als Repräsentationszimmer. Hinten am Schreibtisch sitzt mit Klaus Kiefer einer der dienstältesten Galeristen der Stadt. der heute den 80. Geburtstag feiert.

Klaus Kiefer, das ist seit 34 Jahren die Galerie KK. Nicht nur durch ihre lange Geschichte, vor allem durch das Programm hat sie über Essen hinaus eine Sonderstellung. Künstler wie Roland Topor, Pavel Feinstein, Yongbo Zhao oder Heike Ruschmeyer stehen seit Jahren für das besondere Profil eines Galeristen, für den Kunst nicht das dekorative Farb-Tüpfelchen des Interieurs oder irgendeine hippe Geldanlage ist. Kunst ist Leben. Und Kiefer liebt die, die das Leben in der Kunst verarbeiten, mit aller Schönheit und allem Schmerz, mit all dem Irrsinn und den Absurditäten, die das Dasein eben bereithält. Leben, das seien drei wesentliche Momente: Geburt, Fortpflanzung, Tod. „Keine dekorativen Momente“, sagt Kiefer. Dass man darüber den Humor nicht verlieren muss, lassen nicht nur KK-Künstler wie Rudi Hurzlmeier immer wieder mit spöttischem Witz und bissiger Ironie erkennen.

Kiefer verkauft nicht nur Kunst. Er begleitet und betreut auch die Karrieren seiner Künstler meist über viele Jahre. Mit dem vor wenigen Wochen verstorbenen Johannes Grützke hat ihn eine Freundschaft über vier Jahrzehnte verbunden, das Doppelporträt „Der Künstler und sein Galerist“ zeugt davon. Und das „Meistersinger“-Plakat des von Kiefer hoch geschätzten Künstlers, das 1988 für die Eröffnungsproduktion des Aalto-Musiktheater entstand, ist vielen bis heute in Erinnerung. „Damals gab es Theater ohne Ende“, erinnert Kiefer an erregte Debatten vergrätzter Wagnerianer.

„Ich gehe gerne mit Leuten um“

Für Kunst, über die man nicht hinwegsieht, sondern die so lustvoll wie tabulos herausfordert, hat Kiefer bis heute ein Auge. Dabei begann die Berufskarriere des gebürtigen Berliners mit einem eher spröden Material. Als Manager in der Stahlbranche war der Kunst- und Literaturliebhaber ins Ruhrgebiet bekommen. Die Entscheidung, den Sprung ins oft eiskalte Wasser des Kunstmarkts zu machen, hat er nicht wirklich als Wagnis angesehen. „Ich wusste, dass ich ein Auge haben. Und dass ich mit Geld umgehen kann. Außerdem gehe ich gerne mit Leuten um.“

Seine Galerie ist bis heute nicht nur Kunst-Umschlagplatz, sondern für viele auch Treffpunkt, Ort des Austauschs. Kein schicker Salon, sondern eben Wohnzimmer. „So wie ich mich wohl fühle“, sagt Kiefer über seine etwas andere Galerie. In Essen, und nicht nur dort, sei sein Programm „so konkurrenzlos“, dass es so etwas wie Revierkämpfe nicht geben kann. Überhaupt bedauert Kiefer, „dass es nicht mehr ernsthafte Galerien in Essen gibt“. Seiner Meinung nach mangelt es dabei nicht an Käufern und Sammler: „Bei geringem Angebot gehen die Leute eben woanders hin.“ So wird er seine Galerie KK weiter führen. Mit Bildern, die ihn so selbstverständlich umgeben, als ob man seine Freunde um sich hat. Viele Weggefährten werden ihm heute zum Geburtstag gratulieren.

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