Corona

Kitas in Essen wollen Lockdown mit aller Kraft vermeiden

Kita-Leiterin Jennifer Unger (Leiterin der Kita am Kruppwald) erklärt den Kindern mit den beiden Handpuppen Jan und Henri das Corona-Geschehen.

Kita-Leiterin Jennifer Unger (Leiterin der Kita am Kruppwald) erklärt den Kindern mit den beiden Handpuppen Jan und Henri das Corona-Geschehen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Lockdown im Frühjahr hatte fatale Folgen, sagen Essener Erzieherinnen. Deshalb gelten in vielen Kitas jetzt strenge Hygieneregeln.

Die Mutter gibt ihr Kind an der Kitatür ab, hinein darf sie nicht. Eine Erzieherin nimmt das Mädchen in Empfang. Das Abschiednehmen fällt kurz und knapp aus. Wie anders war es doch vor Coronazeiten. Doch das ist längst nicht der einzige Unterschied, sagt Nicole Becker-Gensty, Leiterin zweier evangelischer Einrichtungen in Rüttenscheid.

Eltern müssen auf dem Gelände der Essener Kitas Mundschutz tragen

Der gesamte Alltag habe sich vollkommen verändert und Corona das Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Dass die Kita auch selbst für die Eltern geschlossen bleibe, dafür würden Mütter und Väter großes Verständnis aufbringen, so Becker-Gensty. Gesundheitsschutz habe nun mal Vorrang. Ganz starr werde die Regel allerdings nicht immer verfolgt. Gerade in der Zeit der Eingewöhnung gebe es Kinder, die ohne Eltern nicht klarkommen würden. In solchen Fällen mache man dann schon mal eine Ausnahme. Die gelte aber nicht für das Tragen des Mundschutzes auf dem Kita-Gelände. Die Vorgabe werde allerdings auch beherzigt und sei in den beiden Kitas, die sie leite, Haus der kleinen Leute, Lotharstraße, und der Kita Julienstraße, inzwischen Normalität.

Diese Erfahrung hat auch Petra Zubrowski-Jost, Fachberatung der AWO-Kitas in Essen, gewonnen. Sie sieht aber in dem jetzigen, meist kurzen Kontakten zu den Eltern einen ganz großen Nachteil: Das lockere Gespräch zwischen Tür und Angel über das Kind oder auch die Familie sei kaum noch möglich. Doch genau dadurch werde das Vertrauen zwischen Kita und den Familien gefördert. Zudem sei es auch vor Corona üblich gewesen, dass die Kinder den Eltern noch schnell ihren Gruppenraum oder Spielzeuge gezeigt hätten, aber auch das sei jetzt nicht mehr möglich.

Als die Kitas nach mehreren Monaten Anfang August wieder öffnen durften, stand, so die Leiterin, die Frage an, wie nun organisatorisch vorgegangen werden solle. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, habe man entschieden, dass die einzelnen Gruppen möglichst getrennt bleiben und auf Angebote für alle verzichtet wird. Dass bislang nur fünf Gruppen in allen 24 Awo-Kitas geschlossen werden mussten, sei durchaus als Erfolg der Regelung zu bewerten. Inzwischen werde die Handhabe aber gelockert. Aus den verschiedenen Gruppen kämen nun beispielsweise die Vorschulkinder zusammen, denn die Vorbereitung auf die Schulzeit solle nicht ausfallen.

Verzicht auf liebgewonnene Angebote

Dass mitunter sehr liebgewonnene Angebote in Corona-Zeiten keine Chance mehr haben, schildert Jennifer Unger, Leiterin der Kita am Kruppwald. Die Vorleseoma, die bei den Kindern große Begeisterung hervorgerufen habe, dürfe derzeit keine Geschichten vortragen. Zudem habe zum Programm der Einrichtung der Träger KinderHut gehört, dass eine ausgebildete Fachkraft kindgerechte Englischübungen anbietet. Doch auch auf diesen Baustein des pädagogischen Konzepts müsse man derzeit verzichten.

Um den Kindern die Einschränkungen zu erklären und auf ihre Fragen zum Leben in Corona-Zeiten einzugehen, hat Jennifer Unger die Figuren Jan und Henri erschaffen. Dabei handelt es sich um zwei Handpuppen. „In deren Gespräche baue ich Informationen ein, um den Kindern das derzeitige Geschehen zu erklären“. Dazu gehört dann auch die Gründe zu erläutern, warum Spielzeuge ständig desinfiziert werden müssen oder die Bilderbücher jetzt vollkommen anders aussehen. „Wir haben die besonders beliebten Bücher Seite für Seite in Laminat eingeschweißt und sie dann einem Ringbuch gleich gebunden“. Die Desinfektion verlange es eben, dass die einzelnen Blätter der Bilderbänder abwischbar seien, so Unger.

Im Kindergarten läuft die Waschmaschine heiß

Zur Hygiene gehöre es zudem, dass Hand- und Trockentücher ständig gewaschen werden müssten. Um Legosteine zu reinigen, packe man sie in Kissenbezüge und ab damit in die Waschmaschine. „Die läuft bei uns heiß“, so die Leiterin. Der gesamte Aufwand sei durchaus mit einer zusätzlichen Belastung verbunden, doch man wisse, wie notwendig solches Vorgehen sei, zumal Unterstützung in Sicht ist. Eine Alltagshilfe werde in Kürze starten. So werden die Arbeitskräfte genannt, die Kitas angesichts des hohen Aufwandes wegen Corona vorübergehend einstellen können. In anderen Einrichtungen leisten solche Kräfte bereits wertvolle Tätigkeiten und die Häuser möchten auf sie nicht verzichten.

Dass noch mal eine Schließung wie von März bis August verordnet und lediglich eine Notbetreuung zugelassen wird, möchten die Kitas vermeiden. Ein solches Bestreben hängt auch damit zusammen, dass bei einigen Kindern der Lockdown Spuren hinterlassen habe, sagt Petra Zubrowski-Jost. Im Falle zahlreicher Mädchen und Jungen, die nicht Deutsch als Muttersprache hätten, sei beim Neustart die Sprachkenntnisse „erschreckend gewesen“. Eine ganze Reihe von Kindern habe nur mühsam wieder den Wortschatz erlernt, der zuvor bereits vorhanden gewesen sei. Enorme Rückschritte seien aber auch an anderer Stelle zu beobachten gewesen. Regeln und Strukturen, die wesentlich auch zum Leben in einer Kita gehören, seien vielen Kindern nicht mehr präsent gewesen. Auch hier dauere es seine Zeit, bis der Stand vor Corona erreicht sei.

https://www.waz.de/staedte/essen/essen-mit-dem-waz-newsletter-keine-nachrichten-verpassen-id228082203.html

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