Kirchenstreik

Kirchenstreik auf der Ruhrhalbinsel geht in Überruhr weiter

Während des Kirchenstreiks wird der Pastor in St. Suitbert die Messe allein gestalten müssen.

Während des Kirchenstreiks wird der Pastor in St. Suitbert die Messe allein gestalten müssen.

Foto: Hans Blossey.

Essen-Überruhr.   Der Protest auf der Ruhrhalbinsel wächst: Katholiken aus Überruhr kündigen ihren Ausstand für das Wochenende, 18. und 19. Mai, an.

Der Kirchenstreik auf der Ruhrhalbinsel geht weiter: Katholiken aus Überruhr kündigen ihren Ausstand für das Wochenende, 18. und 19. Mai, an. Sie schließen sich damit der Aktion „Nicht mit uns – Bewegung mit Wut und Mut angesichts des Missbrauchsskandals“ ihrer Pfarrei an, die der Gemeinderat Herz Jesu in Burgaltendorf ins Leben gerufen hat.

Ausgegangen ist dieser Kirchenstreik von Münster mit der Bewegung Maria 2.0. Auch in Heisingen und Byfang hat es bereits Proteste gegeben. „Wir möchten mit dieser Aktion Bewusstsein schaffen und die Menschen in unserer Gemeinde zur sichtbaren Solidarität ermutigen, denn nur gemeinsam mit vielen Gläubigen können wir Veränderung bewirken“, erklärt Barbara Büllesbach-Weiß aus Überruhr. Einzelne aus der Überruhrer Gemeinde hätten sich bereits in Burgaltendorf eingebracht.

Ehrenamtliche übernehmen keine Dienste am Altar

Nun werden Küster, Lektoren, Kommunionshelfer sowie Messdiener, die sich der Initiative in Überruhr angeschlossen haben, am Sonntag, 19. Mai, keine Dienste am Altar ausführen. Auch der Gemeinderat der Gemeinde St. Suitbert unterstütze diese Aktion. Skepsis der Gemeindemitglieder sei nicht spürbar, sagt Barbara Büllesbach-Weiß. Gleichwohl treffe der Ausstand in diesem Fall eine Familie, die Taufe feiern werde. Diese werde auch stattfinden, nur werde der Pastor dann allein auf sich gestellt sein.

„Das wird schon ein anderer Gottesdienst“, sagt Barbara Büllesbach-Weiß. Aber das sei ja auch gewollt, denn es habe schon so manche Situationen gegeben, bei denen man sich später gefragt habe, warum keiner aufgestanden sei: „Jetzt sind wir dran“, sagt sie.

Ausnahme im Marienheim für betagte Gläubige

Daher wird nun vor den Gottesdiensten am Samstagabend, 18. Mai, um 17 Uhr im Marienheim (Hinseler Hof 24) und am Sonntagmorgen, 19. Mai, um 11.30 Uhr in der St. Suitbert Kirche an der Klapperstraße zunächst die Ankündigung der ehrenamtlichen Helfer verlesen. In den Gottesdiensten werden ehrenamtliche Helfer keinen Dienst versehen, die Heilige Messe aber mitfeiern.

Eine Ausnahme gilt für das Marienheim: Dort wird es Unterstützung für die betagten Gottesdienstbesucher geben, damit diese die Heilige Messe mitfeiern können. Im Anschluss an beide Messen gibt es die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Geplant sind Informationen, Austausch und die Gelegenheit, den offenen Brief an die deutschen Bischöfe zu unterschreiben. Die Schwere der Schuld gebiete es, dass die Verantwortlichen Reue und Demut zeigen, heißt es darin.

Es geht auch um die Rolle der Frauen

Es geht auch um die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. „Ich selbst habe zwar nie den Wunsch gehabt, geweiht zu werden“, sagt Barbara Büllesbach-Weiß. Aber mit gleichberechtigten Frauen in der Kirche könnte wohl manche Frage offener diskutiert werden. Daher kündigen die Unterzeichner jetzt an: „Die Geduld der Gläubigen ist zu Ende. Wir werden nicht austreten, sondern gemeinsam mit vielen anderen in Deutschland den Druck der Basis aufrechterhalten und verstärken.“

„Das Bistum Essen ist zwar recht fortschrittlich“, sagt Barbara Büllesbach-Weiß mit Blick etwa auf die Ombudsfrau. Aber das sei eben nicht überall so. In Überruhr wird der Gemeinderat zudem in seiner Sitzung am 15. Mai über das Thema sprechen. „Dann geht es auch darum, wie es nach unserem Auftakt weitergeht“, sagt Barbara Büllesbach-Weiß . Denn das könne ja nicht alles sein: „Die Opfer des Missbrauchs haben unsere Unterstützung ganz sicher verdient.“

>>MARIA 2.0 UND „NICHT MIT UNS“

  • Die Gemeinde Herz Jesu in Burgaltendorf hat sich der Initiative „Maria 2.0“ angeschlossen, die in Münster ins Leben gerufen wurde. Zudem lud der Gemeinderat Herz Jesu unter dem Motto „Nicht mit uns!“ im Dezember 2019 zum offenen Austausch ins Gemeindeheim ein. Der Einladung folgten viele Menschen – vorrangig aus Herz Jesu, aber auch aus den anderen Gemeinden der Pfarrei. Mehr dazu: https://st-josef-ruhrhalbinsel.jimdo.com/wir-f%C3%BCr-sie/nichtmituns/
  • Mit ihrer Aktion setzen sich die Gläubigen dafür ein, dass Verantwortung übernommen wird für das Leid der Opfer von sexuellem Missbrauch. Dieser Verantwortung sollten sich die Bischöfe stellen und für eine strafrechtliche Verfolgung der Täter sorgen, lauten die Forderungen aus den Gemeinden.
  • Zudem sollten Frauen nicht länger von Ämtern ausgeschlossen werden. Die Machtstrukturen müssten aufgebrochen und die damit einhergehenden Abhängigkeiten aufgelöst werden.

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