Tiere in Not

Kettwigerin Tanja Lohmann päppelt Eichhörnchen in Not auf

Tanja Lohmann kümmert sich in ihrer Auffangstation um Eichhörnchen, die verletzt oder krank aufgefunden wurden. Liebevoll päppelt sie die Kleinen mit einer Spezialmilch auf.

Tanja Lohmann kümmert sich in ihrer Auffangstation um Eichhörnchen, die verletzt oder krank aufgefunden wurden. Liebevoll päppelt sie die Kleinen mit einer Spezialmilch auf.

Foto: STEFAN AREND

Essen-Kettwig.  In der Auffangstation päppelt Tanja Lohmann aus Kettwig mit viel Liebe verletzte und kranke Jungtiere auf. Gerade hat sie sechs Babys in Pflege.

Gierig und laut schmatzend nuckelt Elmo an der Minispritze, die mit Spezialmilch für Hundewelpen gefüllt ist. Dabei umklammert das Eichhörnchenbaby seine „Milchbar“ ganz fest mit winzigen Fingern. Nach einigen Minuten setzt Ziehmama Tanja Lohmann ihren gesättigten Schützling liebevoll in die Aufzuchtsbox zurück und erzählt:

„Elmo kam am 29. Juni zu mir. Ein Mädchen hatte ihn bei extrem hohen Außentemperaturen gefunden, als er hilflos auf dem Asphalt lag. Elmo war völlig überhitzt, hatte Kreislaufprobleme und einen Riesendurst. Ich habe ihn zuallererst mit einer Flüssigkeit, die Kalium, Kalzium und Natrium enthält, versorgt. Nach einer Woche war Elmo zum Glück über dem Berg.“

Die Tiere sind oft in sehr schlechtem Zustand

Die 50-jährige Kettwigerin betreibt seit März in ihrem Haus eine offizielle Auffangstation für Eichhörnchen. Hier versorgt sie kranke und verletzte Babys, die aus dem Umkreis der Städte Essen, Mülheim oder Düsseldorf gebracht werden – nicht selten in sehr schlechtem Zustand.

Bis Ende September dauert die Saison für die Jungtiere und 14 Nachwuchshörnchen haben bereits bei Tanja Lohmann eine Zuflucht gefunden. Sie erzählt: „Oft wurden die Tiere von Krähen verletzt oder sind aus ihrem Kobel gesprungen und auf den Kopf gefallen, nachdem die Mutter verunglückt und nicht mehr zurückgekommen ist. Sind die Eichhörnchenbabys schon länger alleine, leiden sie häufig auch an Lungen- oder Blasenentzündung.“

Die kleine Becky ist das größte Sorgenkind

In diesen Tagen päppelt Tanja Lohmann sechs Mini-Hörnchen auf. Größtes Sorgenkind ist die kleine Becky, die an Pfingsten als nacktes Baby kam. Sie ist bald zwei Monate alt und kann ihre Hinterbeine immer noch nicht richtig bewegen. Eichhörnchenmama Tanja hat viel Zeit und Liebe in das zarte Findelkind, welches alleine auf einer Mülltonne lag, investiert: „Becky brauchte in den ersten Wochen alle drei Stunden Milch. Ein 80 Gramm leichtes Baby trinkt pro Fütterung drei Milliliter.“

Und auch Charlotte kam in alarmierendem Zustand aus Kaiserswerth nach Kettwig. Ein junges Paar fand sie – apathisch und mit blutiger Nase – unter einem Baum. Charlotte bekam sofort ein Antibiotikum. Heute flitzt sie wie ein Wirbelwind durch das ehemalige Kinderzimmer von Tanja Lohmanns Tochter.

In der Voliere werden die Tiere an feste Nahrung gewöhnt

Aus dem kleinen Elmo ist mittlerweile ein gesunder, sechs Wochen junger Eichhörnchenbub geworden. Er zieht nun – zusammen mit seinen gleichaltrigen Freundinnen Charlotte und Dörthe – in die größere Voliere um. Hier gewöhnt sich das Trio an feste Nahrung wie Hasel- und Walnüsse oder Rinde.

Währenddessen genießen Meike und Sophie ihre letzten Tage bei Ziehmama Tanja, bevor sie in eine Auswilderungsstation am Niederrhein umziehen. Es ist die Vorbereitung für ihre Rückkehr in die freie Wildbahn.

Problemlos geht es zurück in die Freiheit

Tanja Lohmann liebt das ganz besondere Wesen ihrer quirligen Gäste: „Sie nehmen unsere Pflege an und distanzieren sich dann aber mit zunehmendem Alter wieder vom Menschen, so dass man sie ohne Probleme in die Freiheit entlassen kann. Sind junge Eichhörnchen in Not, dann suchen sie allerdings auch aktiv Hilfe und laufen den Menschen sogar hinterher. Diese Verhaltensweisen werden leider fälschlicherweise häufig als Anzeichen für Tollwut interpretiert. Hier ist eine Aufklärung enorm wichtig.“

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