Rechtsstreit

Kettwiger Verein will Schatzmeister wegen Untreue verklagen

Da war die Welt im Förderverein Kettwig noch in Ordnung: Noch im Juli vergangenen Jahres retteten Förderverein-Vorsitzender Dierk Lamm, Geschäftsführer Bernhard Bandura und Aloyse Blasius gemeinsam Bücher, vor Feuchtigkeit im Bücherkeller der Stadtteilbibliothek

Da war die Welt im Förderverein Kettwig noch in Ordnung: Noch im Juli vergangenen Jahres retteten Förderverein-Vorsitzender Dierk Lamm, Geschäftsführer Bernhard Bandura und Aloyse Blasius gemeinsam Bücher, vor Feuchtigkeit im Bücherkeller der Stadtteilbibliothek

Foto: Marie Heibach / FUNKE Foto Services

Essen-Kettwig.  Der Förderkreis der Stadtteilbibliothek Kettwig will Schatzmeister Aloyse Blasius wegen Veruntreuung von Geldern raus werfen. Der wehrt sich.

Der Vorstand und Mitglieder vom Förderkreis der Stadtteilbücherei Kettwig stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Schatzmeister Aloyse Blasius soll seines Amtes enthoben und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Ihm wirft der Vorstand vor, sich „rechtswidrig und vorsätzlich Vereinsvermögen angeeignet zu haben.“ Nicht wegen diesem Vorwurf, sondern gegen seinen Rauswurf klagt der Beschuldigte nun beim Essener Amtsgericht. Über seinen Rauswurf wollen die Mitglieder am 12. August entscheiden.

Dem Förderkreis steht ein waschechter Skandal ins Haus. Die Vorwürfe gegen Aloyse Blasius, der seit Februar 2017 Schatzmeister ist, wiegen schwer. In der Einladung zur außerordentlichen Versammlung, die Vorsitzender Dierk Lamm gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Birgit Dransfeld an die Mitglieder verschickte, ist auch von „satzungswidriger Verwendung des Vereinsvermögens“ und „Beschädigung des Vereins“ die Rede.

Schatzmeister klagt gegen Rauswurf, der Förderkreis wegen Veruntreuung von Geldern

Die Sache könnte den Schatzmeister teuer zu stehen kommen. „Durch sein Verhalten hat Herr Blasius die Verwendung von Vereinsmitteln unterbunden und damit auch die Gemeinnützigkeit des Vereins gefährdet“, erklärt Dierk Lamm. „Der Vorstand hat daher Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Essen wegen Untreue bzw. Unterschlagung sowie des Verdachts der Urkundenfälschung gestellt.“

Alles andere als ein Kavaliersdelikt also. Im Kern dreht sich alles um eine Spende der Axel-Springer-Stiftung aus dem Jahr 2017 in Höhe von 2000 Euro. Diese Großspende habe Aloyse Blasius, nach eigener Aussage, am 14. Mai 2019 „gesichert“. Der Schatzmeister: „Da hatte ich einen 7. Sinn, denn am 20. Mai wurde meine Bankvollmacht und mein Online-Banking gekappt.“

Vereinsgelder auf das eigene private Konto transferiert

Dierk Lamm ist fassungslos: „Herr Blasius hat uns ohne Vorankündigung im April mitgeteilt, dass er den Bestand der Barkasse auf sein privates Konto eingezahlt habe und Geld auf Aufforderung zur Verfügung stelle.“ Schon zu diesem Zeitpunkt habe sich der Vorstand gefragt, was der Kassenbestand auf seinem Privatkonto zu suchen habe. „Am 15. Mai buchte unser Schatzmeister dann 1500 Euro als Barentnahme vom Vereinskonto ab – ohne Kenntnis und Rücksprache mit dem Vorstand und ohne Zahlungsanlass.“ Erst knapp eine Woche später habe der Beklagte per E-Mail darüber informiert. „Als Begründung gab er ,Undank’ an. Nicht zuletzt auf Anraten unserer Bank wurde ihm die Bankvollmacht entzogen.“

Aloyse Blasius sieht sich im Recht. Die Spende sei „durch seine persönliche Vermittlung zustande gekommen und ist nur zur Anschaffung von Büchern und digitalen Medien zu verwenden.“ Zuletzt habe er größere Ausgaben des Vereins registriert. Lagen die Ausgaben in den vergangenen zwei Geschäftsjahren bei jeweils 4000 Euro, so sei dies in diesem Jahr bereits im Juni der Fall gewesen. Eine geplante Lesung mit der Bestseller-Autorin Brigitte Glaser war für den Schatzmeister dann wohl zu viel: „Dierk Lahm hat den Förderkreis 30 Jahre lang wie ein Einzelunternehmer geführt. Er muss auch damit leben, dass ein Kassierer ihm auf die Bremse tritt, wenn er satzungsfremde Ausgaben plant. Und Ausgaben für Lesungen von renomierten Buchautoren gehören nicht zu den Aufgaben des Förderkreises.“ Der Vorstand kontert: Über die Verwendung der Gelder entscheide satzungsgemäß der Vorstand. Bei Anschaffung von Büchern und Medien und auch Veranstaltungen unter fachlicher Beratung der Stadtteilbibliothek-Mitarbeiter.

Das Verhältnis zwischen Schatzmeister und Förderverein ist zerrüttet

Dies zeigt die Stimmung zwischen den Protagonisten. Laut Aloyse Blasius habe er mit Lamm seit Mitte März nur noch per E-Mail, Einwurfbrief und Einschreiben korrespondiert. Der Vorsitzende dazu: „Sein Anwalt teilte uns mit, dass sein Mandant keinen direkte Kommunikation mehr wünsche.“ Bis zu diesem Zeitpunkt und auch später noch habe der Verein versucht, die Sache gütlich ins Reine zu bringen. Im Juli habe es ein vermittelndes Gespräch von zwei „unbelasteten“ Mitgliedern und Aloyse Blasius gegeben. „Mittlerweile ist das Vertrauensverhältnis komplett zerrüttet“, sagt Dierk Lamm. Schatzmeister Blasius selbst spricht von Verleumdungen, Unterstellungen und Schikanen seitens des Vorstandes.

Vorsitzender Lamm weiter: „Es ist keinen Tag länger hinnehmbar, dass der Schatzmeister das abgehobene Geld vorenthält und ankündigt, es satzungswidrig zu verwenden.“ So teilte Aloyse Blasius dem Vorstand mit, mit einem Teil des Geldes Anwalts- und Gerichtskosten begleichen zu wollen. Dierk Lamm betont, dass das Geld der Axel-Springer-Stiftung längst für Bücher und Medien verwendet wurde. „Das abgehobene Geld resultiert aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Einnahmen aus dem vereinseigenen Bücherkeller.“ Zwischenzeitlich habe Blasius nach eigener Aussage mit dem Gedanken gespielt, das Geld an den Großspender zurück zu geben.

Verbleib des abgehobenen Geldes ist derzeit ungewiss

Im Mai, so sagt Schatzmeister Blasius, habe er eine Kassenprüfung bei sich zu Hause machen lassen. Dabei sei auch der Bestand der Barkasse in Höhe von 2000 Euro nachgewiesen worden. Der Verein hat das vorliegende Kassenprotokoll aus formalrechtlichen, aber auch inhaltlichen Gründen angefochten. Es bestehen Zweifel an der Richtigkeit. Wo das Geld sich befindet, ist ungewiss: Die letzte Nachricht, die der Verein vom Anwalt Blasius`erhielt, lautet: Er habe das Geld kurz nach der Kassenprüfung nachgezählt.

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