Hip-Hop

Kettwiger Hip-Hopper hat sich für die EM qualifiziert

Hip-Hop-Tänzer Nico Wijnbergen hat sich für die EM in den Niederlanden qualifiziert.

Hip-Hop-Tänzer Nico Wijnbergen hat sich für die EM in den Niederlanden qualifiziert.

Foto: Socrates Tassos

essen-Kettwig.   Im Mai findet in den Niederlanden die Hip-Hop-EM statt. Auch ein Kettwiger Gymnasiast hat sich qualifiziert – der 15-jährige Nico Wijnbergen.

Im Mai wird der 15-jährige Nico Wijnbergen bei den europäischen Hip-Hop-Meisterschaften in den Niederlanden an den Start gehen – und dafür trainiert der Kettwiger fünf Mal in der Woche.

Das Gespräch mit ihm gestaltet sich nach kurzer Zeit ein bisschen schwierig. Er habe nun lange genug still gesessen. „Ich bin ja nicht hyperaktiv oder so. Aber ich muss mich jetzt auf jeden Fall bewegen.“

„Ich laufe durch die Gegend und höre Musik“

Wobei das bei Nico Wijnbergen doch anders ausschaut als beim durchschnittlichen Jugendlichen. Irgendwie flüssiger, geschmeidiger. „Durchs Hip-Hop-Tanzen bin ich ein komplett anderer Mensch geworden. Viel selbstbewusster als früher. Ich habe jetzt eine ganz andere Verbindung zu Musik, höre mehr Dinge als der normale Hörer. Zum Beispiel Hintergrundgeräusche oder versteckte Beats.“

Eine kurze sportliche Einlage später sagt der Kettwiger: „Aber ich kann mich auch benehmen, so ist das nicht. In der Schule bin ich sogar ganz gut.“ Der Neuntklässler des Theodor-Heuss-Gymnasiums ist über etliche sportliche Stationen beim Hip-Hop gelandet. Dessen Beats prägen jetzt sein Leben. „Ich laufe durch die Gegend und höre Musik. Da passiert etwas mit mir.“ Diese Energie will raus und er muss tanzen.

Bewegungsdrang hat Nico von seiner Mutter geerbt

Nicht, dass die Mutter dem Junior hinterher spioniert, aber „zufällig“ gesehen hat sie es schon: „Sogar an der Bushaltestelle fängt Nico an zu tanzen.“ Und Nino Wijnbergen-Shatberashvili lächelt dabei. Den Bewegungsdrang habe er von ihr, keine Frage. Gatte Dirk sei da zurückhaltender. Die gebürtige Georgierin kann einfach nicht ruhig sitzen bleiben. „Das ist südländisches Temperament.“

Apropos Bewegungsdrang: Schon als Dreijähriger lief Nico beim FSV Kettwig dem Ball hinterher. „Ich war gar nicht mal so schlecht, hatte aber Muskelprobleme.“ Trotz der Schmerzen wollte er sein Team nicht im Stich lassen. Aber nach zehn Jahren war doch Schluss. Das Kicken überschnitt sich samstags mit dem Hip-Hop-Training: „Ich musste mich auf eine Sache fokussieren. Wäre ich da nicht diesen Weg gegangen, wäre ich nicht da, wo ich bin.“ Durch das völlig anders gelagerte Training beim Tanzen verschwanden übrigens die Schmerzen.

Breakdance-Elemente statt vorgegebener Schritte

Eines Tages brachte Nicos Mutter den Flyer eines Tanzstudios mit. Pedram Zamani ist ein Freund von Verwandten und dreifacher Hip-Hop-Weltmeister: „Geh da doch mal hin.“ Fast ein wenig widerwillig machte sich der damals Zehnjährige auf den Weg. Doch dann sah er irgendwann ein Musikvideo auf Youtube: „Ich fand das so geil, wie die getanzt haben. Da war so viel Energie drin.“

Den neuen Schwung nahm er mit ins Training. „Plötzlich war alles anders. Ich war voll geladen. Und wenn man sich anstrengt, sieht es auch viel besser aus.“

Fünf Mal in der Woche wird trainiert

Im Kurs waren 90 Prozent Mädchen, aber das war jetzt egal. „Plötzlich hatte ich Bock und wollte mehr Kurse mitmachen. Dadurch habe ich mich verbessert.“

Doch irgendwann fehlte die Abwechslung. „Die vorgegebenen Schritte waren nicht so mein Style.“ Mit seinem neuen Trainer Ryu Oozaru öffneten sich andere Möglichkeiten: „Ich bin zu Ryu in die Mülheimer HipHop Academy gewechselt. Dort geht es mehr um Breakdance-Elemente.“

Nun trainiert er fünfmal die Woche und dreht dazu auch noch jede Menge Musikvideos. „Für uns ist Social Media sehr wichtig. Man kann sich inspirieren lassen. Gucken, was so abgeht in der Szene.“ Auch trifft man sich zu Freestyle-Jams: „Das ist dann eher so Underground.“ Unter Hip-Hoppern gebe es keine Missgunst. „Die Leute beim Tanzen sind so chillig. Man fühlt sich richtig geborgen. Ich bin glücklich.“


>>MEISTER MIT DER FORMATION


  • Bei seinen ersten Westdeutschen Meisterschaften wurde Nico Wijnbergen auf Anhieb Zweiter und mit der Formation Meister. In Wilhelmshaven beim Norddeutschen Verband holte er im Solo und mit Aaliyah Reichardt im Duo den Meistertitel, jetzt bei den Deutschen Meisterschaften in Pforzheim sprang jeweils ein dritter Platz heraus.
  • Vor allem war die Qualifikation zur Europameisterschaft geschafft, die vom 10. bis zum 12. Mai im holländischen Veldhoven steigt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben