Literatur

Kettwiger erzählt in seinem Roman über das späte Lebensglück

Der Kettwiger Jörg Potthaus hat nach „Dionysos-Bar“ einen zweiten Roman veröffentlicht: „Warten auf Julie“. Das Buch ist jetzt aktuell im Hummelshain Verlag in Kettwig erschienen.

Der Kettwiger Jörg Potthaus hat nach „Dionysos-Bar“ einen zweiten Roman veröffentlicht: „Warten auf Julie“. Das Buch ist jetzt aktuell im Hummelshain Verlag in Kettwig erschienen.

Foto: Kerstin Kokoska / FFS

Essen-Kettwig.  Mit „Warten auf Julie“ präsentiert der Kettwiger Jörg Potthaus seinen zweiten Roman. Es geht um das späte Glück des Lebens und verpasste Chancen.

Ist es möglich, dass eine literarische Figur im wirklichen Leben Gestalt annimmt? Jörg Potthaus lächelt. Der Kettwiger hält es zumindest nicht für ganz unmöglich. In seinem Buch „Warten auf Julie“, das jetzt im Kettwiger Hummelshain Verlag erschienen ist, spielt der Autor mit diesem Gedanken und lässt seine Hauptfigur ein Wechselbad der Gefühle erleben, das auch die Leser gewiss nicht unberührt lässt.

Jörg Potthaus war Lehrer für Deutsch, Geschichte und evangelische Religion. „Bis auf einen kurzen Schlenker nach Bochum“, wie der 66-Jährige berichtet, „immer in Kettwig ansässig“. Der Arbeitsort, das Heiligenhauser Immanuel-Kant-Gymnasium, war für ihn nicht weit entfernt. Tagebücher hat er verfasst, die Schulzeitung betreut, das Schülertheater geleitet – zum literarischen Schreiben sei er da in den 40 Jahren seiner Lehrtätigkeit nicht gekommen. „Den Wunsch hatte ich schon, aber an Mut hat es gefehlt.“

Schreibseminar beim Profi-Schriftsteller absolviert

Den gab ihm ein Schreibseminar am Gardasee, das er 2015 bei dem Schriftsteller und Drehbuchautor Bodo Kirchhoff, den er durch Zufall kennengelernt hatte, absolvierte. Dieses Seminar half ihm auf die Sprünge; fortan schrieb Potthaus.

Zunächst über das, was er kennt, das Dasein als Lehrer: 2018 wurde sein Erstlingswerk „Dionysos-Bar“ veröffentlicht. Eine Geschichte über einen Gymnasiallehrer aus dem Essener Süden, der nach einer schmerzhaften Erfahrung seinen Ruhestand auf der Insel Kreta verbringen will. Es ist der Beginn einer kurzen, aber heftigen Liebe.

Über Leidenschaft, Schmerz und das späte Glück

Dieses Gefühl treibt Jörg Potthaus auch bei seinem zweiten Roman um. Den hat ebenso wie den ersten, Ulrike Bauer, die Ehefrau von Bodo Kirchhoff, als Lektorin betreut. „Sie ist eine überaus kritische Leserin. Aber das muss auch so sein“, erzählt der Kettwiger, den inzwischen eine Freundschaft mit dem Ehepaar Kirchhoff verbindet.

Worum geht es? Hauptfigur ist Johannes. Er ist sich sicher, dass die geheimnisvolle Frau, die ihm plötzlich auf der Lesung eines bekannten Schweizer Autors begegnet, dessen Roman, der ihn gerade existenziell beschäftigt, entsprungen ist. Aber die Frau im roten Mantel verschwindet – und lässt Johannes in dem Gefühl, er habe das späte Glück seines Lebens versäumt, ratlos zurück. 13 Jahre später glaubt er während eines Besuchs in der Schweizer Hauptstadt, diese Frau in Gestalt der Französisch-Lehrerin Julie Laforêt entdeckt zu haben.

In der Rahmenhandlung blickt der Ich-Erzähler zurück

Der Ich-Erzähler wird in einer Rahmenhandlung eingeführt – er ist (wie Jörg Potthaus) passionierter Tennisspieler. Eine Rückenverletzung hindert ihn beim alljährlichen Mallorca-Trip des Teams am Spiel. So blickt er auf diese Begebenheit mit der attraktiven Julie zurück, die ihn in seinem fortgeschrittenen Alter noch einmal jung werden ließ.

„Es ist eine schmerzhafte Erfahrung, die mein Protagonist macht“, resümiert Potthaus – und lacht. Ein bisschen, gesteht der Autor, steckt von ihm selbst in dieser Figur. „Man kommt halt ins Grübeln, wenn man älter wird.“ Wer mehr erfahren möchte: Am 4. November liest Potthaus aus seinem Roman vor: Um 19.30 Uhr im Restaurant The Serve.

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