Straßenlaternen

Wohnen unter Flutlicht - 15 neue LED-Laternen verärgern Anwohner

Grelles Licht verbreiten die neuen Laternen in der kleinen Kettwiger Straße Brederscheid.

Grelles Licht verbreiten die neuen Laternen in der kleinen Kettwiger Straße Brederscheid.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.  In einem Viertel in Essen-Kettwig ließ die Stadt ohne Ankündigung 15 neue Straßenlaternen im Abstand von nur 20 Metern installieren. Die grell weißen LED-Leuchten bringt die Nachbarschaft auf die Palme. "Das ist jetzt so, als würden wir in einem Gefängnis leben", klagt ein Anwohner.

Der Brederscheid ist eine kleine, enge Straße ohne Bürgersteig im Schmachtenbergviertel in Essen-Kettwig. Vor sechs Jahren hatte sich Familie Böhm dort ein Haus gekauft. Bis vor wenigen Tagen war die Welt in Ordnung - bis die Stadt in der vergangenen Woche ohne Ankündigung Straßenlaternen installieren ließ.

Gleich 15 an der Zahl und jeweils im Abstand von 20 Metern. Und dazu noch ausgestattet mit grellen weißen LED-Leuchten.

Für Ildikó Böhm eine Katastrophe, denn „wir haben hier jetzt flutlichtartige Zustände in unseren Wohnräumen und in den Gärten. Und wir sind wütend darüber, dass aus einer uns nicht angekündigten und teuren Aktion eine für uns belästigende Situation wurde“.

Mit den Nachbarn im unteren Bereich des Brederscheid hat sie mittlerweile Kontakt aufgenommen. Gemeinsam haben sie sich zu einer Unterschriftenaktion zusammengetan und wollen sich an die Stadt und das RWE wenden. Kaum zu glauben: Ildikó Böhm hat einen der RWE-Arbeiter auf die unangenehme Leuchtkraft der Laternen angesprochen und die Auskunft erhalten, „dass diese Laternen bis dato nur in einem Industriegebiet in Duisburg eingesetzt wurden“.

"Das ist jetzt so, als würden wir in einem Gefängnis leben"

Ein älterer Herr, der am Brederscheid lebt, hat einen Vergleich gefunden. „Das ist jetzt so, als würden wir in einem Gefängnis leben“. Und Ildikó Böhm sagt: „Wir sind traurig, fassungslos und wütend. Ich bin direkt, nach dem diese Laternen installiert wurden, durch Kettwig gefahren und habe nirgendwo eine solche Dichte gefunden. Wir müssen ab 18 Uhr alle Rollläden schließen. Und ich darf gar nicht an den Sommer denken. Nach Einbruch der Dunkelheit können wir definitiv nicht mehr gemütlich im Garten sitzen...“

Die lange Reihe der neuen Laternen weist eine Lücke auf, denn „eine Nachbarin hatte auf der vorhandenen Markierungen ihren Golf geparkt. Und als die Arbeiter kamen, konnte sie an dieser Stelle keine Laterne aufstellen“. Ildikó Böhm betont, „dass wir uns nicht gegen die grundsätzliche Idee, die Straßenbeleuchtung im Brederscheid zu verbessern, wenden“.

Aber besonders die Familie Böhm leidet unter der Laternenflut. „Ich könnte echt heulen“, sagt die Kettwigerin. „Allein auf dem Weg zu meinem Auto - und das sind nur 100 Meter - stehen fünf von dieser Laternen. Für uns ist das der reinste Horror.“ Und dabei denkt sie auch an die Kosten. „Ich denke wir haben hier in Essen Haushaltssperre... Und für Schulen ist kein Geld da, aber für 15 Laternen in unserer winzigen Straße...!“

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