102. Geburtstag

Wilhelm Barkhofen feierte den 102. Geburtstag

Wilhelm Barkhofen aus Essen-Fischlaken gibt eigentlich keine Interviews...

Foto: Uwe Möller

Wilhelm Barkhofen aus Essen-Fischlaken gibt eigentlich keine Interviews... Foto: Uwe Möller

essen-Fischlaken.   Er ist älter als ein Jahrhundert: Der Fischlaker Wilhelm Barkhofen feierte jetzt seinen 102. Geburtstag. Und er ist ein Mann mit viel Humor.

Humor ist,…wenn ein 102-Jähriger ausrichten lässt: „Eigentlich gibt er keine Interviews. Aber er will mal eine Ausnahme machen.“ Oder wenn Wilhelm Barkhofen so dahinsagt: „Mein Haltbarkeitsdatum ist schon überschritten.“

Szenenwechsel: Kaiserzeit, Erster Weltkrieg. Willis Wiege stand in der Werdener Propsteistraße, dann zog die Familie nach Fischlaken an die Knappenstiege. Der Senior blättert in alten Fotoalben und weiß noch alles: „Da bin ich im ersten Schuljahr auf der Luziusschule. Unsere Lehrerin war das Frollein Mintrop.“ Es waren keine einfachen Zeiten, aber schöne Erinnerungen blitzen durch. So das Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Werdener Hafen, heute längst vom Baldeneysee überstaut.

Willi saß im Elferrat von Völl Freud

Dann ging es aufs Gymnasium, bei Professor Thelen: „Nach der Quarta war aber für mich Schluss!“ Die Arbeitswelt rief. Mutter Elisabeth war bis zur Heirat mit Heinrich Barkhofen als Köchin im Hause Giradet angestellt. Der Willi durfte bei der Druckerei Giradet als Schriftsetzer anfangen, damals alles noch per Hand. Er blieb dem Betrieb treu. Willi war gerne überall mit dabei, saß im Elferrat von Völl Freud, war Querflötist im Spielmannszug des Jungmännervereins.

Noch ahnte er nicht, welcher Schrecken bald über Deutschland hereinbrechen würde. Im April 1936 Einberufung zum Arbeitsdienst, abkommandiert zum Reichsparteitag in Nürnberg. Schlimme Erinnerungen. Tochter Brigitte Hagemeier: „Da standen sie mit nacktem Oberkörper und geschultertem Spaten, waren Teil dieser grauenvollen Inszenierung.“ Der Vater habe sehr darunter gelitten, dass der Nationalsozialismus alles kaputt machte, was ihm Freude bereitete.

Verwundung hat vermutlich sein Leben gerettet

Doch der Schrecken steigerte sich noch: Militärdienst, mit dem Panzerregiment 8 ging es nach Polen, dann in den Russlandfeldzug. 1943 wurde Wilhelm Barkhofen verwundet, die Splitter stecken heute noch in der Lunge. Die Tochter sagt: „Die Verwundung hat ihm vermutlich das Leben gerettet.“ Sein Bruder Alfred hatte nicht so viel Glück, blieb im Krieg. Doch die dunklen Jahre schenkten Wilhelm auch die große Liebe. Er lernte Herta Mühlenberg kennen und lieben. Das Paar zog in das Haus ihrer Eltern an der Fischlaker Straße. Ihnen wurden drei Töchter geschenkt, Barkhofen: „Mein Dreimädelhaus.“ Christa wohnt im Westerwald, Doris gar in Amerika. Dorthin flogen die Barkhofens oft.

Fünf Enkel, ein Urenkel. Nach über 60 Jahren liebevoller Zweisamkeit starb seine Herta 2005.

Stehen ist bekanntlich gesünder als sitzen

Wilhelm Barkhofen ist ein wacher Geist, wirkt aber jetzt ein wenig müde. Die wichtigste Frage: Wie wird man bloß so alt? „Ich lass laufen. Was kommt, das kommt. Gesund gelebt, das Rauchen rechtzeitig aufgegeben, viel Gartenarbeit, mäßig essen.“ Barkhofen hatte nie ein Auto, ist alles gelaufen. Er schmunzelt: „Früher stand ich schon mal an der Theke. Stehen ist bekanntlich gesünder als sitzen.“

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