Umwelt

Wie geht es den Fischen im Kettwiger Stausee?

Fischerwirt Nico Klein (links) vom Ruhrverband und sein Kollege Nils Hoffmann untersuchen einen Karpfen. Dieser gehört zur Fangladung aus dem Kettwiger Stausee. Gewicht, Größe und Aussehen geben Aufschluss über den Bestand.

Foto: Christof Köpsel

Fischerwirt Nico Klein (links) vom Ruhrverband und sein Kollege Nils Hoffmann untersuchen einen Karpfen. Dieser gehört zur Fangladung aus dem Kettwiger Stausee. Gewicht, Größe und Aussehen geben Aufschluss über den Bestand. Foto: Christof Köpsel

Essen-Kettwig.   Ruhrfischereigenossenschaft und Ruhrverband zählen, wiegen und katalogisieren die Fische im Stausee. Wir schauen den Experten über die Schulter.

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Wie ist es um den Fischbestand im Kettwiger Stausee bestellt? Haben Karpfen, Hecht und Rotauge ihr Auskommen? Oder dezimieren gar räuberische Einwanderer die Kinderstube der in der Ruhr ansässigen Arten? Dem gehen die Ruhrfischereigenossenschaft und der Ruhrverband in Zusammenarbeit mit den örtlichen Anglervereinen gerade auf den sprichwörtlichen Grund.

In dieser Woche wurden an den Ufern des Stausees Netze und Reusen ausgelegt sowie Fische mittels Elektrofischerei eingefangen. „Alle fünf bis sieben Jahre geschieht dies, immer an den gleichen Stellen, damit wir vergleichbare Werte über die verschiedenen Fisch-Populationen für die Statistiken bekommen“, erklärt Stefan Jäger, Geschäftsführer der Ruhrfischereigenossenschaft. Wir treffen ihn bei der ersten Fangauswertung im Vereinsheim des ASV „Ruhrstolz“ am Kattenturm.

Die Fische werden vermessen, gewogen und beprobt

„Die mit Gleichstrom betäubten Tiere werden nach der Begutachtung wieder ins Gewässer entlassen. Aber die in den Netzen und Reusen gefangenen Tiere überleben das nicht. Sie werden von Mitarbeitern des Ruhrverbandes ins Vereinsheim gebracht und hier vermessen, gewogen und beprobt.“

In der Tat stehen die Fischerwirte Nico Klein und Nils Hoffmann schon bereit, als die erste Fangladung eintrifft. Rotaugen, Karpfen und Aale sind dabei. Art, Größe und Gewicht werden registriert, Besonderheiten notiert, das Geschlecht bestimmt. Zudem werden Schuppen entnommen und verpackt. „Anhand der Schuppen kann man das Alter genau bestimmen, das ist wie mit den Jahresringen beim Baum. Außerdem geben die Schuppen Auskunft über einen möglichen Befall mit Parasiten“, erläutert Jäger.

Rotauge war 2010 die häufigste Art

Diese Analysen übernimmt die Fakultät Biologie an der Universität Duisburg-Essen. Hier wird auch ein Teil der eingesammelten Fische im Ganzen untersucht – Kiemen, Augen, Mageninhalt. Sind bestimmte Fischarten von Krankheiten befallen, können Rückschlüsse auf ein Ungleichgewicht im Ökosystem gezogen werden, so Jäger.

Bei der letzten Befischung im Jahr 2010 war das Rotauge die häufigsten Fischart im Kettwiger Stausee. Gefolgt von Flussbarsch und Aland. Kaulbarsch, Schleie und Gründling sowie Zander und Döbel waren nur gering vertreten. Aal, Brasse, Hecht und Karpfen gingen den Fischern kaum ins Netz, ist der Fischbestandsuntersuchung zu entnehmen.

Grundeln sind räuberisch

„Diesmal scheinen Zander und Schleie wieder zugenommen zu haben“, sagt Stefan Jäger nach Rücksprache mit den Experten vom Ruhrverband. Bis der endgültige Bericht vorliegt, werde es aufgrund der biologischen Untersuchungen allerdings noch einige Wochen dauern. Ob sich dann die Befürchtung Jägers bewahrheitet, dass die Schwarzmundgrundel, ein Raubfisch aus der Schwarzmeer-Region, der sich über den Rhein-Main-Donau-Kanal bis zu Rhein und Ruhr ausgebreitet hat, auch im Stausee verstärkt ihr Unwesen treibt, wird sich zeigen.

„Abgesehen von der Grundel sind es auch die Kormorane, die gerne die geschlechtsreifen Brassen abfischen. Es bleiben dann viele alte und ganz junge Fische übrig.“ Aber zumindest da können die Mitarbeiter vom Ruhrverband eine erste Entwarnung geben: Bei den Brassen sind diesmal auch etliche mittleren Alters dabei.

>> Örtliche Anglervereine sind beteiligt

Beteiligt sind an den Aktionen drei örtliche Anglervereine: AC Kettwig Vor der Brücke, ASV „Ruhrstolz“ Kettwig und Fischereiverein Essen-Werden. Einen Teil der gefangenen Fische bekommen sie zum Verzehr. Kleine Exemplare werden an Zoos für die Tierfütterung gegeben. Die Netze werden vom Befischungsteam Möhnesee des Ruhrverbandes ausgelegt. Dies führt auch die Untersuchungen durch.

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