Carpe Diem

Werdener Verein finanziert Unterstützung für Sterbende

Gabriele Zimmermann ist Vorsitzende des Vereins Carpe Diem. Gemeinsam mit ihrem Mann Ditmar unterstützt sie die  Palliativmedizin.

Gabriele Zimmermann ist Vorsitzende des Vereins Carpe Diem. Gemeinsam mit ihrem Mann Ditmar unterstützt sie die Palliativmedizin.

Foto: STEFAN AREND

essen-WErden.   Die Werdener Gabriele und Ditmar Zimmermann haben 2006 den Förderverein Carpe Diem gegründet – nach einem schweren Schicksalsschlag.

Gabriele und Ditmar Zimmermann kamen zur Palliativmedizin durch eine Schicksalsschlag. Ihr Sohn Benjamin war ein lebenslustiger junger Mann, kurz vor dem Abitur. Aber er wirkte merkwürdig schlapp. Die Diagnose schockte: Krebs. Er wusste, dass seine Lebenszeit sehr begrenzt war. Und doch wurde ihm noch ermöglicht, im Krankenhaus die mündliche Abiturprüfung im Fach Deutsch abzulegen. Er schonte sich nicht, wollte auch auf keinen Fall etwas geschenkt bekommen. Mit dem Reifezeugnis in der Tasche öffnet sich eigentlich die Welt. Benjamin konnte es nicht mehr nutzen. Er war einer der ersten Patienten in der Klinik für Palliativmedizin der Klinken Essen-Mitte.

Zu diesem Verbund gehören die Huyssens-Stiftung sowie die evangelischen Krankenhäuser Steele und Werden. Die Zimmermanns wussten bei aller Trauer um den Sohn, dass er rund um die Uhr in besten Händen gewesen war: „Aus tiefer Dankbarkeit gegenüber Pflegepersonal und Ärzteteam haben wir dann Anfang 2006 den Förderverein ‘Carpe Diem’ gegründet.“

Appartement zur kostenlosen Nutzung

Der hilft, wo er kann. Gebaut wurde ein Appartement für Angehörige zur kostenlosen Nutzung, den Pflegenden Fortbildungen und regelmäßigen Supervisionen ermöglicht, Patienten und ihren Angehörigen eine Kunsttherapie und professionelle Trauerbegleitung und ein offenes Trauercafé finanziert. Der Verein trägt oftmals die Kosten für nicht erstattungsfähige Leistungen. Gabriele Zimmermann: „Der Gesetzgeber hat bestimmt, dass die Kassen nur das Notwendigste übernehmen dürfen.“

Immer stärker ausgebaut wird bei Carpe Diem der Bereich der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV). So ist auch bei aufwendigen Versorgungssituationen ein Verbleiben daheim in gewohnter Umgebung möglich. Dafür kaufte der Verein nun schon fünf Einsatzfahrzeuge, darunter zwei Geländewagen mit Allrad-Antrieb. Denn in schneereichen Wintern gab es da Probleme, weiß Ditmar Zimmermann: „Einige Patienten in Heidhausen und Kettwig waren nicht mehr zu erreichen, da ihre Straßen nicht im Streuplan lagen.“

Erinnerungen an eine junge Frau, die ans Meer wollte

Die Zimmermanns wohnen seit mittlerweile 40 Jahren in Werden, zentral in der Altstadt, an der Grafenstraße. Gabriele Zimmerman: „Unsere Kinder sind hier geboren, dadurch sind wir doch wohl richtige Werdener geworden.“ Sie ist Vorsitzende des Palliativ-Fördervereins. Mit ihrem Mann Ditmar erinnert sie sich an diese 28-jährige Frau. Sterbenskrank, nur noch wenige Wochen zu leben. Noch nie in Urlaub gewesen: „Einmal das Meer sehen.“ Wie ihr diesen Herzenswunsch erfüllen? Es wurde ihre erste Reise, zugleich auch ihre letzte.

Die Zimmermanns sahen sich in nächster Nachbarschaft um und vertrauten sich den Profis an. Bei Kokosnuss Reisen setzte Sandra Ahlborn alle Hebel in Bewegung und ließ die Telefonleitungen glühen. In den Niederlanden, in Egmond aan Zee fand man das Hotel „Zuiderduin“. Dort gibt es behindertengerechte Zimmer. Mit Meerblick. Und ambulante Pfleger stehen zur Verfügung. Und ein spezieller Rollstuhl für den Strand.

Eine Dankeskarte zum Abschied

Als im April 2018 die junge Frau mit ihrer Mutter, zwei Schwestern und einem sechs Wochen alten Neffen eine Woche am Strand verbringen konnte, hofften alle daheim in Essen, dass bloß keine dramatische Rückholaktion nötig würde. „Zum Glück gab es keine Komplikationen. Sie hat uns noch eine Dankeskarte geschickt, zum Abschied“, sagt Gabriele Zimmermann.

Es gibt unzählige solcher anrührenden Geschichten: Von einem Todkranken, der noch einmal auf den Eiffelturm wollte, vom Obdachlosen, der ohne seine Katze nicht ins Hospiz wollte – Carpe Diem übernahm die Kosten. Nachhilfestunden für eine Schülerin, die immer am Krankenbett der Mutter saß und daher so viel Stoff verpasste, dass ihr Abi gefährdet war. Karin Damrath, Inhaberin von Kokosnuss Reisen: „Wir verzichteten spontan auf Weihnachtskarten, stattdessen spendeten wir das Geld. Da brauchten wir nicht lange zu suchen und bedachten Carpe Diem.“

>>Förderverein Carpe Diem

  • Der Förderverein hat derzeit mehr als 130 Mitglieder, weitere Infos sind unter carpediem-essen.de zu erhalten.
  • Gabriele und Ditmar Zimmermann betonen: „Wir können nur helfen, wenn Sie uns helfen. Von Ihren Beiträgen und Spenden wird jeder Euro ohne Abzüge für die Zwecke des Vereins verwendet. Wir arbeiten alle ehrenamtlich.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben