Tanzstudio

Werdener Tanzstudio Scala 11 feiert Jubiläum

Ronald Blum feiert mit seinem Tanzstudio Scala 11 das 25-jährige Bestehen.

Foto: Michael Korte

Ronald Blum feiert mit seinem Tanzstudio Scala 11 das 25-jährige Bestehen. Foto: Michael Korte

ESSEN-Werden.   Das Tanzstudio Scala 11 von Ronald Blum feiert mit einer großen Party 25-Jähriges. Kaum einer weiß, dass Blum auch unter Tage gearbeitet hat.

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Ronald Blum hält nicht viel von vorgegaukelter Bescheidenheit: „Ich sprühe vor Ideen.“ Ein unruhiger Geist, der sich im Rahmen von Institutionen eingeschränkt fühlte und absolute künstlerische Freiheit suchte. Diese selbstgestellte Aufgabe hat er bewältigt, und zwar irgendwie viel leichtfüßiger, als man ihm – und er sich selbst wohl auch – zugetraut hat. Scala 11 ist nun 25 Jahre jung. und ist eines der großen Tanzstudios für künstlerischen Tanz in Deutschland.

Angefangen hat alles höchst bescheiden. Der Tanzpädagoge überrascht im Gespräch mit seiner wenig kulturaffinen Herkunft: „Mein Vater war Bergmann. Steiger.“ Der Sohn hatte zwar Musisches im Kopf, dachte ein Musikstudium an. Doch für sein erstes richtiges Klavier musste er erst einmal unter Tage jobben: „Aufräumarbeiten, Handlangerdienste, so im Hintergrund. Ich war immer pechschwarz nach jeder Schicht. Wie oft habe ich versucht, mein Pausenbrot sauber in den Mund zu bekommen. Klappte nie, Kohlenstaub dringt überall ein und haftet. Den hat man halt mitgegessen. Das Klavier von damals habe ich erst vor ein paar Monaten gegen ein besseres eingetauscht.“

Das Musikstudium mit sehr gut abgeschlossen, dann an der Folkwang den Studiengang „Musik und Bewegung“ belegt. Eigentlich fühlte sich Ronald Blum da wohl, doch: „Die Dozentin klebte an ihren Vorstellungen.“ Nichts für den Freigeist: „Ich platzte vor Ideen. In jede Richtung.“ Es folgten zwei Studienjahre im Fach „Pantomime“, heute „Physical Theatre“.

Eine Stelle im beschaulichen Detmold

Weiter ging es im beschaulichen Detmold: „Eine kleine Stelle. Ich lehrte Choreographie und Improvisation. Dort war ich wohl auch Kandidat für eine Professur. Aber ich musste miterleben, wie es in die Sackgasse führte. Also bin ich da weg, verließ das sinkende Boot. Im Prinzip blieb mir nur eines: Mein eigenes Ding zu machen.“

Entspannt sitzt er 25 Jahre später im Tanzstudio Scala 11. Schon der Name ist Programm: „Scala meint ja Treppe oder Leiter. Symbol für das Streben nach Höherem.“

Ohne finanzielle Rückendeckung

Über sich hinaus wachsen, sich entwickeln, das Lebensmotto für Ronald Blum. Aller Anfang war auch hier schwer: „Ich wusste ja nicht, ob es sich trägt. Das war extrem. Noch nie hatte ich so viel Angst, das konnte total schief gehen…“ Alles in Personalunion managen, keinerlei Unterstützung, ohne finanzielle Rückendeckung.

Dennoch startete Ronald Blum direkt durch, mit zehn Dozenten und 15 Fächern: „Es ist dann auch prompt sehr bescheiden angelaufen. Gerade mal 48 Schüler nach drei Monaten. Aber wir haben durchgehalten.“ Jeder andere hätte hingeschmissen, doch Blum nahm unbeirrt den Kampf auf. Ein paar gute Wünsche, aber das Umfeld gab ihm null Chance. Blum sah das völlig anders: „An Scala 11 war von Anfang an nicht zu zweifeln.“

Konkurrenzfähig bleiben

Heute sind andere Studios längst eingeknickt, doch im Frielingsdorfweg 11 geben sich tagtäglich die Eleven die Klinke in die Hand. 450 Schüler verzeichnet Blum: „Das hätte ich nie gedacht.“

Seine Mitarbeiter haben weitgehend freie Hand, da hat er Vertrauen: „Hier bewerben sich ohnehin nur die Besten.“ Blum ist immer ungeduldig: „Wir dürfen keine Gelegenheit verpassen. Ohne lähmende Strukturen kann ich aber alles in zwanzigfacher Geschwindigkeit umsetzen. So bleiben wir stets konkurrenzfähig.“

Die Scala ist wie ein Bauernhof

So ein Mister 1000 Volt läuft immer Gefahr, Raubbau zu treiben an Physis und Psyche. Doch mittlerweile hat Ronald Blum gelernt, sich rauszunehmen, ohne schlechtes Gewissen in Urlaub zu fahren: „Aber es gibt immer was zu tun. Die Scala ist da wie ein Bauernhof. Da muss erst alles geregelt sein.“

Ronald Blum lässt die 25 Jahre Revue passieren: „Es ist sehr viel gut gegangen.“

Große Party am 14. Oktober

Scala 11 ist ein großzügig ausgestattetes Tanzstudio mit zwei Sälen, einem Café, und es kann ohne großen Aufwand in eine Studiobühne verwandelt werden. Mit Podest, Stühlen und Barhockern werden 80 Sitzplätze geschaffen, mit Licht und Beschallung entsteht echte Theateratmosphäre. Die Bereiche Musik, Theater, Performance und sogar Bildende Kunst haben einen großen Stellenwert, zentrales Anliegen war aber immer Tanztheater, Ballett, Zeitgenössischer Tanz und Jazz.

Am Samstag, 14. Oktober, steigt ab 16 Uhr in den Räumen von Scala11 am Frielingsdorfweg die Jubiläumsparty. Ronald Blum: „Da wir jedes Jahr ohnehin rund 60 Aufführungen machen, haben wir von einer Gala abgesehen und uns für eine große Party entschieden. Da dürfen mal die Gäste tanzen.“

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