Herbstcup

Tierschützer nennen Entenjagd des Lions-Clubs „geschmacklos“

Bis zu 1500 Enten aus Plastik werden jedes Jahr zu Wasser gelassen – und auch am Ende wieder eingesammelt, betont der Förderverein des Lions-Clubs, der die „Entenjagd“ für den guten Zweck organisiert.

Bis zu 1500 Enten aus Plastik werden jedes Jahr zu Wasser gelassen – und auch am Ende wieder eingesammelt, betont der Förderverein des Lions-Clubs, der die „Entenjagd“ für den guten Zweck organisiert.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Kettwig.  Weil ein „Wolf“ auf der Ruhr Plastikenten jagt, kritisieren Essener Tierschützer die Charity-Aktion des Lions-Clubs. Initiatoren verständnislos.

Als „geschmacklos und pädagogisches Desaster“ bezeichnet die Tierschutzpartei die „Entenjagd“ des Lions-Clubs beim Herbstcup der Kettwiger Rudergesellschaft (11. bis 13. Oktober): Diesmal jagt ein „Wolf“ die auf der Ruhr schwimmenden (Plastik-)Enten. Damit werde die Mär vom bösen Wolf gefördert, Kindern ein völlig falsches Bild vermittelt, sagen die Tierschützer. Die Veranstalter sind sehr verwundert.

Der Wolf ersetzt die beiden Füchse

„Der Wolf ersetzt die Füchse“, erklärt Rainer Kämpgen, Vorsitzender des Fördervereins des Lions-Clubs Kettwig, der die Entenjagd im elften Jahr veranstaltet. Er kann nur die Stirn runzeln über die Kritik, die da urplötzlich aufkommt, und führt aus: „Die Füchse, das sind zwei aus Styropor geformte Köpfe gewesen, die das Boot begleitet haben, mit dem die gelben Plastiktiere aus dem Wasser gefischt werden.“

Als 2018 der Lions-Club erstmals mit einem Mähboot auf die Jagd ging, hätten sich die Füchse als nicht mehr tauglich erwiesen. „Wir wollten eine Figur mit einem Fuchskostüm ausstatten, aber das gab es leider nicht.“ Stattdessen wurde ein Wolfskostüm gefunden. Die Figur werde nun vorne am Mähboot befestigt.

Das Ganze hat den Charakter eines Märchens

„So einfach ist das“, sagt Kämpgen. „Weder Füchse noch Wölfe können auf dem Wasser jagen“, setzt er hinzu. „Das Ganze hat den Charakter eines Märchens.“ Und so sei geplant, am Veranstaltungstag (13. Oktober) an der Regattastrecke Am Kettwiger Ruhrbogen das Geschehen auch musikalisch mit Passagen aus „Peter und der Wolf“ zu unterlegen.

Für die Tierschutzpartei, die ihre Kritik in dieser Woche in einer Presseerklärung äußerte, ist die Inszenierung eines bösen Wolfes, der die Enten jagt, ein „negativer Höhepunkt“. Damit werde in der aktuellen Debatte um die Rückkehr des Wolfes in seine einheimischen Lebensräume und das Finden eines Miteinanders der urbanisierten Landschaft mit einem natürlichen tierischen Bewohner dieses Landes „Kindern ein völlig falsches Wolfsbild vermittelt“, kritisiert der Werdener Ratsherr Marco Trauten, Tierschutz/BAL. Eine Jagd sei per se nichts, was für Kinder als Vorbild oder Spaßveranstaltung tauge. Dazu würden 1500 Plastiktiere in die Ruhr geworfen.

Die Plastikenten werden am Ende alle eingesammelt

„Ich halte es nicht für zielführend, sich so zu echauffieren“, erklärt Thomas Lenk, Vorsitzender des Kettwiger Lions-Clubs. „Ich finde Wölfe toll. Es ist schön, wenn sie sich hier wieder ansiedeln. Aber das hat nichts mit der Veranstaltung zu tun. Es geht um den guten Zweck.“

Über die letzten zehn Jahre kamen durch die Entenjagd über 100.000 Euro an Einnahmen für gute Zwecke zusammen. Diesmal unterstützt der Förderverein des Lions Clubs Cosmas et Damian die Lernhäuser des Essener Kinderschutzbundes sowie das Projekt „Freundeskreis Kettwig für Kinder“.

„Und die Plastik-Enten“, betont Rainer Kämpgen am Schluss, „werden alle wieder eingesammelt“.

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben