Tanz

Tanzmoto realisiert „Crossing the Lines“ von Royston Maldoom

Anspruchsvolles Handling auf begrenztem Raum: Die Tänzer der Tanzmoto Dance Company arbeiten auch mit langen Holzstöcken bei der Aufführung von „Crossing the Lines“ nach der Choreographie von Royston Maldoom.

Anspruchsvolles Handling auf begrenztem Raum: Die Tänzer der Tanzmoto Dance Company arbeiten auch mit langen Holzstöcken bei der Aufführung von „Crossing the Lines“ nach der Choreographie von Royston Maldoom.

Foto: Heinz-Werner Rieck

Essen.   Der britische Choreograph begleitete die Proben der Essener Dance Company. Es ist die erste Aufführung seiner professionellen Tanzstücke in Deutschland.

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Die Szene in den Scheidt’schen Hallen in Essen-Kettwig erinnert ein wenig an einen asiatischen Film: Zehn Tänzerinnen und Tänzer wirbeln herum, schwingen gekonnt lange Holzstöcke, formen einen Kreis, wobei sie die Stöcke ineinander verflechten, lösen sich voneinander. Das Ganze in Minutenschnelle. Eine einzelne Frau scheint nicht dazu zu gehören. Sie läuft davon. Wird sie gar gejagt?

Royston Maldoom lächelt, wippt mit den Füßen, vollzieht die Handbewegungen der Tänzer nach, ohne selbst ein Holz in den Händen zu halten. Der Brite ist Choreograph und Tanzpädagoge. Seit mehr als drei Jahrzehnten initiiert er Tanzprojekte in allen Teilen der Welt (unabhängig ob mit Profis oder Laien), arbeitet viel mit Jugendlichen. Maldoom gilt als Mitbegründer der Community-Dance-Bewegung und das führt ihn immer wieder nach Essen-Kettwig zu Tanzmoto.

Die hier ansässige Dance-Company vermittelt in Kursen und Workshops nicht nur die Techniken des Ausdruckstanzes, sondern auch das Gefühl für Bewegungsabläufe und freie Assoziationen. Regelmäßig werden Bühnenprojekte erarbeitet, diesmal ist es „Crossing the Lines“, nach den Choreographien von Royston Maldoom. Diese wurden seit dem Frühjahr erarbeitet und kommen am 7. Oktober erstmals zur Aufführung, und zwar in Marl, weil das dortige Kulturbüro die Projektförderung betreibt. Weitere Vorstellungen sind am 9. Oktober in Essen-Kettwig in den Scheidt’schen Hallen.

Fünf Stücke

Gezeigt werden fünf Stücke, unter anderem Maldooms erstes choreografiertes Trio „Adagietto No5“, mit dem er Mitte der 1970er Jahre bei einem Wettbewerb in Paris einen Preis „für herausragende künstlerische Leistung“ gewann. Dieses Tanzstück wurde später von zahlreichen internationalen Kompanien über mehrere Jahre hinweg getanzt. Das Stück ist eine physische Darstellung des Körpers, bei der enthüllende Positionen, verflochtene Hebungen und knifflige Manipulationen gezeigt werden.

„The Confession of Isobel Gowdie“ gehört ebenfalls dazu. Es ist ein längeres Gruppenstück mit Musik von James MacMillan. Hierbei geht es um eine Frau, die in Schottland der Hexerei angeklagt und von der Gesellschaft ausgegrenzt wurde. „Ich projiziere den historischen Hintergrund in die Gegenwart und meine alle Frauen, die verfolgt werden, weil sie eine Gefahr für die Religion und politische Systeme darstellen“, erklärt Maldoom.

Die langen Stöcke von 2,40 Meter waren im Übrigen noch länger – Mohan C. Thomas, künstlerischer Leiter bei Tanzmoto, hat sie im Baumarkt erworben. „Wir wollten erst eine Länge von einem Meter ausprobieren, das hat aber nicht den gleichen Effekt. Sicher ist das eine Herausforderung für die Tänzer, damit sie sich auf begrenztem Raum nicht ins Gehege kommen.“

Internationale Besetzung

Die Gruppe ist international besetzt, etliche der gecasteten Tänzer haben bereits an der Folkwang Universität der Künste ein Studium absolviert. Die Zusammenarbeit mit dem Profi Maldoom fordert sie heraus. Thomas: „Es ist schon manchmal sehr schweißtreibend, weil Royston uns zwar viel Freiheit lässt, aber zu bestimmten Bewegungsabläufen schon eigene Vorstellungen hat.“ Der britische Kollege nickt lächelnd und ergänzt: „Auch bei der Musik.“ Für das Tanzstück „Hook“, ein weiteres Gruppenstück, wählte er Percussion-Musik von Graham Fitkin. Wie das Publikum „Crossing the Lines“ aufnimmt, da ist er sehr gespannt. „Ich freue mich schon auf die Aufführungen!“

Die Aufführungen

Die Premiere von „Crossing the Lines“ ist am 7. Oktober um 20 Uhr im Theater Marl. Weitere Aufführungen sind am 9. Oktober um 11 und um 19.30 Uhr in den Scheidt’schen Hallen in Kettwig, Ringstraße (Eingang Tor 1). Nach der Matinee am Sonntag gibt es einen Bühnentalk mit Royston Maldoom und dem Leiter der Kettwiger Sparkasse, Michael Kleine-Mölhoff zum Thema „Kunst und Kunstförderung“. Zudem sind an diesem Tag Fotografien, Skulpturen und Gemälde von Eva Krembel aus Essen, Dina Nur aus Dortmund und Martin Künne aus Marl zu sehen.

Karten für die Vorstellungen in Kettwig gibt es für 15 und ermäßigt zehn Euro im Kettwiger Reisebüro, Bürgermeister-Fiedler-Platz 3, 45219 Essen, Tel. 02054/2236, E-Mail: info@ferienziele24.de.

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