Baumfällung

Stadt erklärt private Buche zum Gefahrenbaum und fällt sie

Um Irritationen zu vermeiden, sind Esther Wieland und Mark Goepel in die Offensive gegangen und haben am Baumstumpf ein Plakat angebracht. Darauf steht zu lesen, dass die Rotbuche ohne ihr Wissen von der Stadt gefällt wurde.

Foto: Carsten Klein

Um Irritationen zu vermeiden, sind Esther Wieland und Mark Goepel in die Offensive gegangen und haben am Baumstumpf ein Plakat angebracht. Darauf steht zu lesen, dass die Rotbuche ohne ihr Wissen von der Stadt gefällt wurde.

Heidhausen.  Heidhauser Paar fand nach dem Urlaub nur noch einen Holzstumpf auf seinem Grundstück vor. Warum Grün & Gruga eingegriffen hat und es Streit gibt.

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Als Esther Wieland und ihr Mann Mark Goepel im Oktober 2017 aus dem Urlaub ins heimische Heidhausen zurückkehrten, konnten sie es nicht fassen: Die Rotbuche vor ihrem Haus in der Straße Zur Wöllenbök war weg. Grün und Gruga hatte sie gefällt, ohne Vorwarnung, ohne jegliche Information überhaupt über den Grund des Eingriffs. Mehr als ein halbes Jahr später ist Esther Wieland immer noch sehr verärgert. Obwohl die Fällung Thema in der Bezirksvertretung IX war, sind viele Fragen offen geblieben. Vor allem, warum die Rotbuche als städtisch eingestuft wird.

„Der Baum hat den Charakter unseres Grundstücks geprägt, ja der ganzen Straße“, sagt die Ärztin, 2003 ist das Paar in das Haus Nummer 14 eingezogen. Dass nicht nur die hochgewachsenen Bäume im Garten besonderer Beachtung bedürfen, war von vornherein klar. „Wir haben unseren Gärtner regelmäßig auch die Rotbuche vorne begutachten lassen“, sagt Esther Wieland. Einen Pilzbefall habe der an dem 90 Jahre alten Baum nicht festgestellt. Aber Grün und Gruga.

Ob Kufen bedauert fehlende Kommunikation

Der Baum habe einen Befall mit dem Riesenporling am Stammfuß, befand der städtische Baumsachverständige Arne Thun. Und eben jener Stammfuß befinde sich zur Hauptsache auf städtischem Boden. „Darüber hat man uns nie informiert“, beklagt Esther Wieland. Auf Nachfragen nach der Fällaktion habe Grün und Gruga wochenlang nicht reagiert. „An zwei Tagen hintereinander waren stattdessen Vermesser da“, berichtet die Grundstückseigentümerin: „Ich habe mich gefragt, warum?“

Ihr Mann Mark Goepel wandte sich an Oberbürgermeister Thomas Kufen. Der bedauerte in einem Schreiben die fehlende Kommunikation von Grün und Gruga, verwies aber gleichzeitig auf die Vermessungsdaten – eine grobe Zeichnung ohne Straßen- und Flurbezeichnung – sowie das Gutachten.

Eigentümer beauftragtenein eigenes Gutachten

Die Eigentümer hatten noch im Oktober ihrerseits einen Sachverständigen konsultiert. Zu begutachten gab es da zwar nur noch den Stumpf, aber „die eigentlichen Wurzelanläufe waren intakt und gesund. Die Rinde im gesamten Stammfußbereich war geschlossen und gesund“, so der Gutachter.

Aufklärung über die Verfahrensweise und Beachtung des eigenen Gutachtens – das war die Hoffnung von Esther Wieland, als sie im Mai die öffentliche Sitzung der BV IX besuchte. Rederecht bekam sie nicht. Ausführlich äußern durfte sich aber Baumexperte Arne Thun.

Vermessungsamt wurde eingeschaltet

Laut den vorliegenden Daten und Unterlagen habe es sich um einen städtischen Baum gehandelt, der über einen langen Zeitraum beobachtet und kurzfristig gefällt worden sei, da er krank gewesen sei und eine Gefahr dargestellt habe, gab er Auskunft. Exakte Maße zum Baum habe es nicht gegeben. Zur Bestätigung habe man dann das Vermessungsamt eingeschaltet.

Eine neue Einmessung wurde vorgenommen, die das eigene Ergebnis bestätigt habe. Der Pilz habe sich bereits seit Jahren im Baum befunden, bevor er Fruchtkörper ausgebildet habe. Es fehlten bei Gefahr Zeit und Möglichkeit, Informationsgespräche zu führen, so die Erklärung zur Ad-hoc-Fällung.

BV-Vertreter Stephan Sülzer (CDU), auch Anwohner Zur Wöllenbök, zweifelte bei Betrachtung des Gehweges die Messungen über den Standort der Buche an. Für ihn sehe das nach privatem Grundstück aus. Er kritisierte die Vorgehensweise. Eine frühzeitige Kommunikation hätte diesen Streitfall gar nicht erst aufkommen lassen.

>> Bei Privateigentum ist das Ordnungsamt zuständig

Baumexperte Arne Thun verweist auf die Verpflichtung zu handeln, sobald ihm ein Gefahrenbaum bekannt sei. Der Baum Zur Wöllenbök habe Kontaktplatten am Bordstein gebildet, um sich abzustützen.

Wäre man der Auffassung gewesen, dass es ein privater Baum sei, wäre das Ordnungsamt eingeschaltet worden.

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