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Schützen aus dem Essener Süden kämpfen ums Überleben

Hans Albert, Renate Bart und Kerstin Paßerah (v.l.) sind seit vielen Jahren aktive Schützen beim BSV „Gut Ziel“. Sie hoffen auf Gleichgesinnte, die den Verein verstärken. Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Hans Albert, Renate Bart und Kerstin Paßerah (v.l.) sind seit vielen Jahren aktive Schützen beim BSV „Gut Ziel“. Sie hoffen auf Gleichgesinnte, die den Verein verstärken. Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen- Werden/Heidhausen.  Dem Traditionsverein „Gut Ziel Werden-Heidhausen“ gehen die Schützen aus. Doch die Mitglieder wollen nicht aufgeben, sie werben um neue Schützen.

Die Traditionsvereine sterben aus. Gerade im Essener Süden wird es immer schwerer. Doch Renate Bart, Schützin bei „Gut Ziel Werden-Heidhausen“, sagt trotzig: „Wir sind schon oft totgesagt worden. Aber wir sind noch da.“ Sie ist dabei, seit 1979 erstmals Frauen in den vor 93 Jahren gegründeten Schützenverein eintreten durften. Übrigens gegen erhebliche Widerstände einiger Herren.

Kerstin Paßerah ist die Königin von Werden. Neulich erst war sie mit einer Entourage im Essener Rathaus. „Wir wussten nicht so genau, wohin. Wir wurden aber nett empfangen und zum Oberbürgermeister geleitet.“ Dort wollten die Bürgerschützen von „Gut Ziel Werden-Heidhausen“ nämlich Thomas Kufen ehren. Beim Werdener Königsschießen hatte Essens OB mit dem 81. Schuss die Krone heruntergeholt. Kufen war es wichtig, dass das frisch gebackene Königspaar Kerstin und Andreas Paßerah ihm seine Pfändernadel überreicht.

2016 musste das große Schützenfest abgesagt werden

Hans-Albert Honnacker ist bereits seit 1963 mit von der Partie, war schon Schützenkaiser und blickt zurück: „Was gab es hier für tolle Schützenfeste. Alles längst vorbei.“ Der finanzielle Aufwand war damals deutlich höher: „Eigentlich konnten nur Geschäftsleute mit dickem Portemonnaie Schützenkönig werden.“ „Gut Ziel“ schmiss zu Pfingsten ein Schützen- und Heimatfest. Mit Festzelt und großer Kirmes. Aber zwischenzeitlich hatte man sich zerstritten im Club und in Fischlaken war mit „Gut Schuss“ ein zweiter Verein entstanden.

2016 musste das „große“ Schützenfest abgesagt werden, seitdem geht es im kleinen Rahmen weiter. Kerstin Paßerah gibt zu: „Wir haben einfach zu wenig Manpower und es fehlt das Geld.“ Inzwischen sind noch rund 50 Mitglieder versammelt, längst nicht alle aktiv.

Ein eigener Schießstand an der Velberter Straße

„Gut Ziel“ ist einer der wenigen Vereine, die einen eigenen Schießstand haben. Doch die Anlage an der Velberter Straße hält sie in Atem. So zeigt Hans Albert Honnacker auf feuchte Flecken an der Wand und Kerstin Paßerah berichtet von der Reparatur des Daches: „Glücklicherweise wurden wir beim Jubiläum der Sparkasse Essen bedacht und die Bezirksvertretung hat uns großzügig unterstützt.“ Sie nennt hier besonders Daniel Behmenburg und Ehrenmitglied Hanslothar Kranz.

Kürzlich wurde um den Bezirkskönig geschossen. Am 26. Oktober soll verkündet werden, wer sich den Titel gesichert hat. Unter den acht Besten sind gleich drei Schützen von „Gut Ziel“: Hartmut Illner, Klaus Bart und dessen Schwiegersohn Andreas Paßerah. Man darf gespannt sein.

Die Schützen nehmen auch an sportlichen Wettkämpfen teil

Schießen ist nicht nur Tradition. Bei „Gut Ziel“ treten zwei Mannschaften zu sportlichen Wettkämpfen an. Mit dem Luftgewehr aufgelegt gelang der Aufstieg in die Bezirksklasse, das Luftpistolen-Team ist ebenfalls aufgestiegen. Jochen Pankoke hat mit der Luftpistole durchaus das Zeug, bei Deutschen Meisterschaften anzutreten. So ein Gewehr ist nicht billig, wie Hans-Albert Honnacker vorrechnet: „Das kostet ab 2000 Euro aufwärts. Für den Trainingsbetrieb reicht das. Doch für Wettkämpfe müssen schon bessere her, die gibt es aber auch gebraucht zu kaufen. Der Schießanzug kommt um die 500 Euro.“ Und wie lange hält so ein Gewehr? Honnacker zuckt mit den Achseln: „Ist halt wie ein Auto. Das muss man auch pflegen und reinigen. Unsere Gewehre sind rund 20 Jahre alt.“

Die Waffen sind übrigens sicher weggesperrt im Tresor. Schießen darf erst ab zehn Jahren aktiv betrieben werden. Da haben sich die meisten Kids aber schon anderweitig orientiert. Renate Bart klagt: „Der Nachwuchs fehlt. Dabei gab es bei uns durchaus Zeiten mit 30 Jugendlichen oder mehr.“ Tochter Kerstin stieß 1981 dazu und erinnert sich: „Da hat meine Generation gut schießen gelernt.“ Honnacker flachst: „Und tanzen habt ihr gelernt.“ Ihm wird nicht widersprochen.

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